Mehr E-Autos braucht das Land, zumindest wenn Deutschland sein Ziel von einer Mio. Elektrofahrzeugen bis 2022 erreichen will.

Mehr E-Autos braucht das Land, zumindest wenn Deutschland sein Ziel von einer Mio. Elektrofahrzeugen bis 2022 erreichen will.

Bild: © Hendrik Schmidt/dpa

Die Hoffnungen, die in den Elektroantrieb als Motor der Verkehrswende gesetzt werden, sind groß. Mindestens genauso groß sind allerdings auch die Herausforderungen, die mit ihm einhergehen. Die jährlich erscheinende Umfrage "Branchenkompass Automotive 2019" zeigt: Der Fachkräftemangel und der schlechte Ruf von wenig Reichweite und hohen Kosten drücken bei der E-Wende im Verkehr auf die Bremse.

Das Marktforschungsinstitut "Forschungswerk" führte im Herbst 2018 im Auftrag von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut eine Umfrage unter 100 Autoherstellern und Zulieferern in Deutschland durch. Thema war die Zukunft der E-Mobilität. 87 Prozent der Entscheider sind von der Technologie als künftigen Wachstumstreiber überzeugt, wäre da nicht das mangelnde Know-how. Fachkräfte in den Bereichen Elektrotechnik, Mechatronik, Softwareentwicklung sind rar. Dementsprechend setzen rund 60 Prozent der Befragten auch auf Fortbildungen bestehender Mitarbeiter.

Weiterbildungen und ein besseres Recruiting

Die Wissenslücke zur neuen Technologie will die Branche unter anderem mit unternehmensinternen E-Learning-Schulungen schließen. 60 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzen aktuell computergestützte Weiterbildungsangebote – bei großen Unternehmen steigt der Anteil sogar auf 87 Prozent. "Das Branchenwissen ist vorhanden. Nun gilt es, aus Spezialisten für Verbrennungsmotoren Experten für Batterietechnik und Elektroantriebe zu machen", sagt Ziad Blal, Leiter der Geschäftssparte Automotive bei Sopra Steria Consulting.

Doch nur auf bereits bestehende Mitarbeiter zu setzten, reicht nicht. Dementsprechend will die Branche ihre Recruiting-Prozesse verbessern. Jobprofile sollen auf die neuen Anforderungen angepasst und Auswahlverfahren beschleunigt werden. Ziel ist es, deutlich schneller und mehr E-Mobilitätsexperten, Datenspezialisten und Software-Entwickler zu gewinnen. IT-Fachkräfte werden genauo dringend gebraucht wie Ingenieure, denn die Autohersteller arbeiten an digitalen Plattformen und Big-Data zur Umsetzung des Autonomen Fahrens.

Marketing-Aktivitäten werden verstärkt

Als wäre die Personalsituation nicht schon prekär genug, ist nach wie vor unklar, welcher Batterietyp sich langfristig durchsetzen wird. 41 Prozent der Entscheider gehen davon aus, dass die Brennstoffzelle, also der H2-Antrieb, den Markt dominieren wird. Auch Hybridformen in Kombination mit Elektrobatterien wären denkbar. Kurzfristig betrachtet steht aber in jedem Fall die Feststoffbatterie an erster Stelle. "Die Produkte und Dienstleistungen der Branche verändern sich so rasant wie noch nie. Die Unternehmen sind gefordert, die Jobanforderungen für verschiedene Zeiträume zu planen und anzupassen. Zudem müssen sie die Mitarbeiter auf lebenslanges Lernen einstellen", so Blal.

Neben der Entwicklungsarbeit haben auch die Marketing-Abteilungen der Autokonzerne jede Menge zu tun: Dem E-Antrieb eilt der Ruf voraus, wenig Reichweite für viel Geld zu bieten, von der lückenhaften Ladeinfrastruktur ganz zu schweigen. Auf Seiten der Unternehmen sind knapp ein Viertel der befragten Entscheider überzeugt, dass der Elektromotor kurz- und mittelfristig die beste Antwort auf Luftverschmutzung und Lärmemissionen sein wird. Deswegen tragen die Unternehmen das Thema aktuell stark nach außen: Für 34 Prozent der Entscheider ist E-Mobilität aktuell ein wichtiges Thema in der Kommunikation. Vor allem Hersteller erhöhen ihr Marketingbudget, um Kunden zu informieren.

China und USA hängen Deutschland ab

Ein weiterer Grund, das Image aufzupolieren liegt im globalen Wettbewerb: Deutsche Elektroautos verlieren zunehmend Marktanteile, besonders im Vergleich zu ausländischen Herstellern wie Tesla oder NIO. Zudem wächst der Markt für Elektroautos in Deutschland unterdurchschnittlich. In den USA, China, Norwegen und Frankreich fahren deutlich mehr Menschen ein batteriebetriebenes Fahrzeug. Wenn die Bundesregierung ihr Ziel einhalten will und bis 2022 eine Mio. E-Autos on Tour sein sollen, muss sich das dringend ändern. (ls)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper