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Alternative Mobilitätsangebote wie elektrisches Carsharing sollten den ÖPNV bereichern und grüner machen. Jedoch beenden immer mehr Stadtwerke und andere kommunale Anbieter ihre Projekte – aus wirtschaftlichen Gründen.

Ein aktuelles Beispiel sind die Stadtwerke Brühl, die ihr E-Carsharing-Angebot "BrühlMobil" nach mehr als vier Jahren 2026 nicht länger fortführen werden. Als Grund gibt das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen (NRW) steigende KFZ-Versicherungskosten an.

Das Angebot sollte langfristig ein erfolgreiches Projekt für nachhaltige Mobilität in Brühl werden, sagte Geschäftsführer Thomas Isele. "Doch die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwingen uns schweren Herzens zur Einstellung".

Wir herausfordernd das Geschäft ist, belegt auch eine Umfrage der ZfK unter einem Dutzend Stadtwerke. Entscheidend ist dabei nicht allein die Nachfrage, die häufig groß ist, wie viele berichten.

Auch Troisdorf steigt aus

Die Stadtwerke Troisdorf werden ihr E-Carsharing demnach ebenfalls einstellen. "Unsere Entscheidung hat vor allem wirtschaftliche, aber auch organisatorische Gründe, denn der Betrieb ist mit einem hohen Betreuungs- und Serviceaufwand verbunden", antwortete eine Unternehmenssprecherin der ZfK.

Das nordrhein-westfälische Stadtwerk betreibt ein eigenes, stationsgebundenes Carsharing mit zwei E-Autos. Schluss sei damit wie in Brühl jedoch zum 31. Dezember 2025. Die Herausforderung, Kundinnen und Kunden eine preiswerte Alternative zu Bus und Bahn anzubieten, betonen ebenso die Stadtwerke Greven (NRW). Der Versorger unterhält eine Flotte aus fünf E-Autos.

"Schärft unser Profil in den Bereichen Ökologie und Service".

Allerdings sei ein wirtschaftlicher Betrieb, "gerade unter Berücksichtigung interner Aufwände", zu attraktiven Preisen nicht möglich, räumt ein Sprecher ein. Trotzdem hält Greven daran fest. Denn: Das Produkt werde nicht nur gut angenommen, sondern "schärft unser Profil in den Bereichen Ökologie und Service". Ein Mehrwert, den das Stadtwerk laut Sprecher schätzt. Das Unternehmenslogo sei präsent auf den Autos.

Zurückhaltend äußern sich dagegen die Stadtwerken Iserlohn, die stationäres E-Carsharing mit derzeit zwei Fahrzeugen betreiben. Die Kundenanzahl hat sich einer Sprecherin zufolge in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Dies beeinflusse "selbstverständlich die Wirtschaftlichkeit dieses Geschäftsfeldes positiv". Das gleiche gelte für "etwaige Ankermieter", so die Sprecherin.

Kooperationen kein Allheilmittel

Es scheint, dass selbst starke Partner nicht immer zu einem kostendeckenden Betrieb verhelfen. So kooperieren etwa die Stadtwerke Unna mit dem deutschlandweiten Anbieter "Stadtmobil" und bieten E-Carsharing mit einem Fahrzeug an. Auch hier reichen die Einnahmen aus der Nutzung laut einer Sprecherin nicht aus, um das Projekt wirtschaftlich zu betreiben. "Es ist auf die Unterstützung der Stadtwerke angewiesen."

Ebenfalls Partner von Stadtmobil sind die Stadtwerke Krefeld. "Die Nachfrage ist schwankend, aber stabil", fasst ein Sprecher zusammen. Weitere Geschäftsdetails nennt er nicht. Die beiden Unternehmen haben allerdings im Laufe der Zeit mehr Standorte zum Laden von privaten E-Autos als auch E-Carsharing-Fahrzeugen in Betrieb genommen. Demnach stieg die Zahl seit 2013 von fünf auf heute 20.

Best Practice in Schleswig-Holstein

Wie auch ein finanzieller Mehrwert daraus entstehen kann, zeigt ein Best-Practice-Beispiel aus dem hohen Norden Deutschlands. Im schleswig-holsteinischen Husum betreiben die Stadtwerke E-Carsharing mit aktuell zwei Autos. "Ihre Beobachtung, dass der Betrieb einer Carsharing-Flotte wirtschaftlich herausfordernd sein kann, teilen wir", erklärte eine Sprecherin.

"Dies ermöglicht uns einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb."

Doch setzen die Stadtwerke Husum demnach auf zwei Dinge, die offenbar einen Unterschied machen können: Ein "entscheidender Erfolgsfaktor" sei, die Fahrzeuge sowohl für interne Betriebsfahrten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch für externe Carsharing-Nutzerinnen und -Nutzer zugänglich zu machen. "Dies ermöglicht uns einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb", betont die Sprecherin.

Den zweiten wichtigen Aspekt bilde "die konsequente Digitalisierung" der Prozesse. "Von der Buchung bis zur Abrechnung ist alles digital abgebildet, was den administrativen Aufwand und damit auch den Bedarf an manuellem Kundendienst erheblich reduziert." Dieses "integrierte Modell" führe "zu sehr positiven Erfahrungen".

Neuss traut sich

Ein Beispiel, das in Neuss womöglich Anklang finden könnten. Die Stadtwerke in der niederrheinischen Kommune planen nämlich – den Ankündigungen anderer zum Trotz – den Neueinstieg in diesen Geschäftszweig. Und das "im größeren Umfang und in der stationären Variante", wie ein Sprecher verrät.

Starten soll das Ganze "in Kürze", mit der "Fertigstellung und Inbetriebnahme der ersten fünf Mobilstationen". Um über eigene Erfahrungen berichten zu können, sei es daher noch zu früh, so der Sprecher weiter.

Unabhängig davon: Die Herausforderungen beim E-Carsharing-Betrieb bleiben. Zuletzt berichtete die ZfK im September über mehrere Beispiele aus Deutschland. Darunter die Stadtwerke Tübingen, die nach mehr als fünf Jahren im November ihr Angebot "COONO" eingestellt haben – aus wirtschaftlichen Gründen.

Anderes Bild bei Ladestrom

Deutlich besser läuft offenbar das Geschäft mit öffentlichen Ladesäulen, wie der erste Teil der ZfK-Umfrage zeigt. Aus Berlin kommt außerdem gerade politischer Rückenwind, der die E-Mobilität anschieben dürfte – und damit auch die Nachfrage nach Ladestrom.

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