Die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende erwartet ohne ein Eingreifen der Politik für 2021 einen Anstieg der EEG-Umlage infolge der Corona-Krise um fast zwei Cent auf 8,6 Cent je Kilowattstunde (kWh). Die Experten stützen ihre Prognose sowohl auf die aktuellen Trends an der Strombörse als auch auf eine Analyse der Nachfrage. Beide Faktoren seien mit den im Jahr 2019 gesetzten Parametern zur Berechnung der EEG-Umlage 2020 verglichen worden.
Zwar habe die Bundesregierung vorgeschlagen, den CO2-Preis auf Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas auf 25 Euro je Tonne zu erhöhen und mit den Einnahmen die EEG-Umlage zu senken. Dies reduziere die Umlage jedoch nur um 1,5 Cent je kWh, sodass sie demnach mit 7,1 Cent je kWh im Jahr 2021 über dem derzeitigen Niveau von 6,8 Cent liegen würde, wie Agora Energiewende am Dienstag mitteilte. Die Bundesregierung solle deshalb die EEG-Umlage im Rahmen des geplanten Corona-Konjunkturpakets mit fünf Cent je Kilowattstunde aus dem Bundesaushalt bezuschussen, die Verbraucher so entlasten und die Kaufkraft stärken.
Preisverfall von Erdgas wirkt
Die Ursache für den drohenden Anstieg der EEG-Umlage ist aus der Sicht der Denkfabrik eine Kombination von zwei Faktoren. Zum einen seien bereits vor der Corona-Krise die Börsenstrompreise infolge des Preisverfalls von Erdgas im Großhandel stark gesunken. Mit diesem Rückgang hätten sich auch die Vermarktungserlöse für Ökostrom vermindert – und die EEG-Förderzahlungen im Gegenzug erhöht.
Zum anderen sei der Stromverbrauch infolge der Corona-Krise stark zurückgegangen. Dadurch seien erstens der Börsenstrompreis zusätzlich gefallen und zweitens die Einnahmen aus der EEG-Umlage, die auf die verbrauchte Kilowattstunde gezahlt wird, zurückgegangen. Nach der EEG-Umlagesystematik würden diese Effekte durch eine entsprechend höhere EEG-Umlage 2021 ausgeglichen.
CO2-Preis von 50 Euro je Tonne ab 2022
Ein Zuschuss von fünf Cent zur EEG-Umlage erfordere rund 12 Mrd. Euro zuzüglich eine Milliarde Euro aus dem Bundeshaushalt für die entgangenen Mehrwertsteuereinnahmen, rechnen die Berliner Experten vor. Das Geld könne Teil eines Konjunkturpakets sein und die EEG-Umlagesenkung im Jahr 2021 – oder entsprechend aufgestockt sogar bereits im zweiten Halbjahr 2020 – bewirken. Von 2022 an könne ein CO2-Preis auf Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel in Höhe von rund 50 Euro pro Tonne CO2 die nötige Gegenfinanzierung liefern. Mit weiteren Bundesmitteln wäre sogar die komplette Abschaffung der EEG-Umlage denkbar, betont Agora.
"Wir sehen in diesem Frühjahr extrem niedrige Preise an den Zapfsäulen. Ebenso sind Öl- und Gaspreise stark gesunken", erklärte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Mit einem CO2-Preis in der Größenordnung von 50 Euro pro Tonne würde das Vor-Corona-Preisniveau wiederhergestellt.
Börsenstrompreise 2020 bisher bei 23,41 Euro je MWh
Wie die Denkfabrik weiter erläutert, weichen die aktuellen Börsenstrompreise stark von denen ab, die 2019 zur Berechnung der EEG-Umlage 2020 aufgrund von gesetzlichen Vorschriften getroffen wurden. Statt der angesetzten 49,34 Euro je Megawattstunde (MWh) hätten die Börsenstrompreise 2020 bisher im Mittel bei 23,41 Euro je MWh gelegen. Entsprechend dieser Differenz sinken die Erlöse, die die Übertragungsnetzbetreiber für den Verkauf des Ökostroms erzielen.
Dieses Defizit müsse 2021 wieder ausgeglichen werden und führe zu einem Teil des Umlageanstiegs. Zusätzlich sei auch 2021 mit niedrigeren Strompreisen zu rechnen, wie Terminhandelsgeschäfte an der Strombörse zeigten. In Summe führten diese Faktoren im nächsten Jahr zu einem Anstieg der EEG-Umlage um 1,1 Cent je kWh. Weitere 0,7 Cent Anstieg seien auf den Corona-bedingten Rückgang der Stromnachfrage zurückzuführen. Agora Energiewende erwartet hier ein Minus von rund vier Prozent im Jahresmittel.
Appell von Eon-Chef Teyssen
Vor kurzem hatte Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen vor einem drastischen Anstieg der EEG-Umlage auf bis zu acht Cent je Kilowattstunde gewarnt, falls die Politik dies nicht verhindere. Die Bunderegierung solle die EEG-Umlage zumindest deckeln, und zwar dauerhaft bei "höchstens" fünf Cent je kWh. (hil)

