Mehrere Verbände laufen Sturm wegen der geplanten Konditionen für die KWK im Kohleausstiegsgesetz.

Mehrere Verbände laufen Sturm wegen der geplanten Konditionen für die KWK im Kohleausstiegsgesetz.

Bild: © XtravaganT/AdobeStock

"Rund 1,3 Milliarden Euro kostet den Verbraucher im nächsten Jahr die Förderung fossiler Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen über die KWK-Umlage. Das ist nicht nur klimaschädlich, sondern auch eine zunehmende Belastung für den Strompreis, die in keiner Weise zu rechtfertigen ist", lässt sich Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne), in einer Pressemitteilung zitieren. Während die EEG-Umlage 2022 sinkt, wurde am Montag bekannt gegeben, dass die KWK-Umlage von derzeit 0,254 auf 0,378 Cent pro Kilowattstunde ansteigt.
 

Im Gegensatz zur Erneuerbare-Energien-Gesetz(EEG)-Umlage würden der KWK-Umlage und der Förderung von fossil betriebenen KWK-Anlagen kaum Aufmerksamkeit geschenkt. "Über das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) fördern wir nach wie vor fossile und überwiegend unflexibel betriebene konventionelle Kraftwerke, verbunden mit entsprechenden Kosten in Milliardenhöhe pro Jahr", so Busch in dem Pressestatement weiter.

Außerdem würden viele fossile KWK-Anlagen nicht auf den aktuellen Strombedarf reagieren und sich nicht am Netz- und Systemausgleich beteiligen. "Als Teil des unflexiblen konventionellen Erzeugungssockels führen sie zu unnötigen Eingriffen in den Netzbetrieb, wodurch Windenergie- und PV-Anlagen abgeregelt werden", kritisiert der Geschäftsführer weiter.

KWKG völlig aus der Zeit gefallen

Als Förderinstrument für fossile KWK sei das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz völlig aus der Zeit gefallen. Es verhindert effizienten Klimaschutz und Wettbewerb. "Hinzu kommt, dass die Förderhöhen des KWKG inzwischen deutlich über denjenigen des EEG liegen", zieht Busch sein Fazit. Der bne spricht sich hingegen für die Förderung von innovativen KWK-Anlagen aus, die einen Anteil der erneuerbaren Energien beinhalten müssen.

Claus-Heinrich Stahl, Präsident des Bundesverbandes Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) kritisiert hingegen diese Haltung gegenüber der ZfK: "Der bne scheint die KWK-Technologie nicht verstanden zu haben. Die Anlagen können mittlerweile innerhalb von Minuten hoch- und runterfahren werden und liefern damit sehr viel mehr Flexibilität, wie beispielsweise das Küstenkraftwerk in Kiel zeigt."

Stahl: Kritik am KWKG spiegelt nicht den Wärmenetzausbau wider

Auch bei dem Kritikpunkt Hinblick auf das netzdienliche Fahren sieht er das Problem nicht bei der Technologie: "Die KWK schafft sehr hohe Wirkungsgrade, sie ist effizient und könnte ohne Weiteres die Residuallast abdecken. Aber die Wirtschaftlichkeit ist schlicht durch die politischen Rahmenbedingungen nicht gegeben", so Stahl weiter.

Bezüglich der politischen Rahmenbedingungen ergänzt Stahl zudem: "Die Kritik an dem KWKG spiegelt nicht die Tatsache wider, dass damit der Ausbau der Wärmenetze ebenso gefördert wird. Während der Stromnetzausbau hingegen über die Netzentgelte bezahlt wird. Die bekanntlich ständig steigen", wirft Stahl ein. Bezüglich des Vergleichs der Förderhöhen zwischen EEG und KWKG merkt der B.KWK-Präsident an: Das sei ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. "Die EEG-Förderung wird über 20 Jahre ohne Betriebsstunden-Beschränkung ausgezahlt. Beim KWKG werden hingegen 30.000 Betriebsstunden bezuschusst. Danach gilt der Strommarktwettbewerb für die KWK-Anlagen."

Massiver Ausbau der Erneuerbaren gefordert und "begrüßt"

Auch im Hinblick auf die erneuerbaren Energien sieht der B.KWK-Präsident ein Missverständnis vorliegen: Es handle sich um eine Technologie. Sie fahre mit jeglichem Brennstoff, dieser könnte ebenso Wasserstoff oder Biomethan sein, merkt Stahl an. "Diese stehen jedoch nicht genügend zur Verfügung und müssen massiv ausgebaut werden. Daran kann der bne gerne mitarbeiten, wir als Verband begrüßen die erneuerbaren Energien", schließt der B.KWK-Präsident ab. (gun)

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