Dieses Jahr produzierten Windkraftanlagen in Deutschland insgesamt deutlich weniger Strom als im Vorjahr. Da sind die EnBW-Windräder keine Ausnahme.

Dieses Jahr produzierten Windkraftanlagen in Deutschland insgesamt deutlich weniger Strom als im Vorjahr. Da sind die EnBW-Windräder keine Ausnahme.

Bild: © Raychel Sanner/Unsplash

Beim Eröffnungsplenum des Dena Energiewende-Kongresses 2022 war die Gaspreisbremse ein bestimmendes Thema. Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fand an der Maßnahme vor allem zwei Kritikpunkte.

Zum einen lasse sie den Aufwand für die Versorger enorm ansteigen. "Bei der Strom- und Gasversorgung handelt es sich um einen Massenmarkt", erklärte sie. "Die Kundenkommunikation ist stark standardisiert. Die Versorger wissen nicht, wer sich genau hinter den Anschlüssen verbirgt – und das ist auch gut so." Die Politik solle deshalb von zu detaillierten, individuellen Regelungen absehen.

Grimm: Preisbremse soll Planbarkeit schaffen

Außerdem störte die BDEW-Chefin, dass auch Gutverdienende von den geplanten Entlastungen profitierten. "Ich habe drei Kinder und bekomme jetzt 18 Euro mehr Kindergeld. Ich brauche das nicht und will es auch nicht. Und glaube, es geht vielen hier im Raum so."

Die Ökonomin und Wirtschaftsweise Veronika Grimm, die auch Vorsitzende der Gaskommission war, begründete nochmal die Gaspreisbremse. "Wichtig war für uns, dass die zukünftigen Kosten für Gas planbar sind. Außerdem brauchen wir weiterhin Anreize, Gas zu sparen." Bei den Unternehmen sei es teilweise möglich, einen Fuel-Switch vorzunehmen und somit insgesamt mehr Potenzial, Gas einzusparen als bei den Privathaushalten.

Dohler: Maßnahmen zu kompliziert für die Kunden

Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers EWE konfrontierte die Runde mit der Sichtweise aus der Praxis. "Die Politik sagt, sie hätte das Problem gelöst, schmeißt das Problem aber nur rüber zu den Versorgern." Dohler gab anerkennend zu, dass die Politik gerade viel leiste, er vermisse allerdings die Kommunikation mit der Branche.

"Im Kundenkontakt haben wir das Problem, dass wir Kunden verlieren, weil wir es zu kompliziert machen", sagte der Manager. Insgesamt arbeite die Bundesregierung viel zu komplizierte Lösungen aus. Als Beispiel nannte Dohler auch die geplante Erlösabschöpfungen im Strombereich.

Graichen: Mit Zufallsgewinnen hat niemand geplant

"Man hätte Gewinne statt Erlöse abschöpfen können. Die Politik hätte Investitionen in EE gezielt anreizen können. Stattdessen fragen wir uns derzeit, ob wir in die nächste Onshore-Windauktion überhaupt reinbieten können, weil uns möglicherweise die Mittel fehlen", sagte Dohler weiter.

Patrick Graichen, Beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) ging hier in den Widerspruch. "Ehrlicherweise sind jetzt Zufallsgewinne durch extrem hohe Strompreise entstanden, mit denen hat niemand für den Cashflow für die Energiewende geplant." Die geplante Erlösabschöpfung dürfe dennoch nicht zulasten der Investitionen gehen. "Wir werden ein Modell ausarbeiten, das sehr großzügig ist und genügend Gewinne bei den Anlagenbetreibern belässt", kündigte Graichen an.

Unverständnis über Windbranche

Verhalten optimistisch zeigte sich Matthias Zelinger, Leiter der Energiesparte des Verbandes des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA). "Wasserstoff wird gerade durch die hohen Gaspreise attraktiver. Eine ähnliche Entwicklung sehen wir in der Photovoltaik." Der Windausbau an Land schwächele dagegen: Die Windanlagenhersteller bauten gerade eher Stellen ab.

"Ich habe Schwierigkeiten zu verstehen, was in der Windbranche los ist", erwiderte Graichen. "Jeder muss doch sehen, welcher Markt sich bis 2030 dort entwickelt."

Klarheit über Finanzierung

Erklärungen bot BDEW-Chefin Andreae an. "Offene Fragen bei Lieferketten und Fachkräfte behindern den Windausbau", sagte sie. Außerdem habe die lange Diskussion um die Erlösabschöpfung der Branche geschadet. "Das schafft Unsicherheit bei den Investitionen."

Dem stimmte EWE-Chef Dohler zu. "Wir sehen gerade, dass sich viele Flächen für Erneuerbare-Energien-Anlagen öffnen. Wir versuchen, hier keine Investitionen zu opfern. Aber wir brauchen schnell Klarheit über unsere Finanzierung."

Comeback des Kapazitätsmarktes

Beim Strom sei die Frage nach dem künftigen Marktdesign wichtig. "Wir erklären unseren Kunden gerade, warum wir keine Festpreisverträge anbieten können", so Dohler. "Wir bieten allen Industriekunden auch Versorgung an – aber eben dann zum Tagespreis."

Staatssekretär Graichen erinnerte daran, dass es bereits vor Jahren Diskussionen darüber gegeben habe, wie die Finanzierung von gesicherter Leistung aussehen könne. "Die Branche soll Vorschläge vorlegen", forderte er. Man könne hier viele alte Vorschläge wie etwa den Kapazitätsmarkt hervorholen, da bekomme man schnell pragmatische Antworten.

Regulatorik abbauen

Dass für lange Diskussionen wenig Zeit bleibt, rief BDEW-Chefin Andreae in Erinnerung. "Die USA machen mit dem Inflation Reduction Act 2022 eine hochaggressive Politik", so die Verbandsvetreterin. "Amerika handelt und Europa diskutiert." So sei etwa das Unbundling von Gas- und Wasserstoffnetzen noch offen. "Ein wasserstofffähiges Gaskraft zu bauen, dauert vier bis fünf Jahre. Wir brauchen dringend den Hochlauf wasserstofffähiger Gaskraftwerke."

Vor den Folgen des Inflation Reduction Act warnte auch die Wirtschaftsweise Grimm. So sorge dieser dafür, dass viele Kapazitäten im Maschinenbau in die USA abwanderten. Deshalb müsse Deutschland Regulatorik abbauen, um im Wettbewerb zu bestehen . "Es nützt nichts mit viel Geld gegen regulatorische Hemmnisse anzugehen", resümierte die Ökonomin. (jk)

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