Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Bild: © Adobe Stock/Thomas

Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW) begrüßt den Koalitionsvertrag der kommenden Ampel-Bundesregierung. Besonders positiv sei das Bekenntnis zu Erdgas als Brückentechnologie. "Es ist ein klares Zeichen für eine umweltfreundliche Transformation der Energiewirtschaft und ein deutliches Signal für den Wasserstoff-Hochlauf", sagte er in einem DVGW-Pressegespräch.

Vor allem die Technologieoffenheit, die bspw. durch die Verwendung von "türkisem" Wasserstoff unterstrichen werde, hebt der Vorstandsvorsitzende hervor. Mit türkisem Wasserstoff ist die Gewinnung durch die Methanpyrolyse, bei welcher Wasserstoff von Methan abgespalten wird, gemeint. Er betonte aber auch, man könne nicht warten, bis genügend Elektrolyseure in Deutschland installiert seien, um die notwendigen Mengen "Made in Germany" zu produzieren. Der Verband setze sich deshalb für internationale Kooperationen ein.

Schlüsselthemen zu wenig ausgearbeitet

Dem kritischen Aspekt, dass die Umstellung des Gas- und Transportnetzes auf Wasserstoff sehr teurer sei, hält Linke entgegen, dass man mit rund 45 Mrd. Euro rechne, um sie Wasserstoff-"ready" zu machen. "Aktuell werden pro Jahr 30 Mrd. Euro investiert, um das Netz umzubauen, zu erweitern oder zu warten", so Linke. Das Verteilnetz würde mit grob 7 Mrd. Euro dazu zu Buche schlagen.

Dem Vorstandsvorsitzenden kam jedoch die Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Brennstoffzellen-Technologie in dem Koalitionsvertrag zu kurz. "Dabei sind dies Schlüsselthemen. Denn beides produziert optimiert Strom und Wärme." Gerade für den Kohleausstieg sei die KWK-Technologie im Kontext von Gas-Kraftwerken essenziell. "Verschiedene Studien belegen, dass wir ungefähr 130 Mio. Tonnen CO2 einsparen könnten, wenn wir die Kohle durch Gas ersetzen", bekräftigt Linke. Die deshalb benötigen 36 Gigawatt an Zubau bis 2030, um die Kohlekraft zu kompensieren, betrachtet er als "durchaus möglich".

Fachkräftemangel und fehlende Biomethanstrategie nachjustieren

Jedoch sieht er im Hinblick auf den Fachkräftemangel Handlungsbedarf. Nicht nur zur Umsetzung der Energiewende, sondern ebenso im Zusammenhang mit dem Einbau neuer Heizsysteme. Gerade jungen Menschen müsste eine Perspektive im Handwerk deutlich gemacht werden. "Die Bundesregierung erlaubt Gasheizungen weiterhin. Sie hätte auch selbst ein Problem gehabt, diese voreilig abzuschaffen", erläutert Linke. Die neuen Geräte, die in den kommenden Jahren immer stärker auf den Markt strömen, seien vor allem technologisch auf die Biogase ausgelegt. "Sukzessive werden wir damit auch die Wärme bei den Privathaushalten nachhaltig gestalten."

Außerdem müsste ein Schwerpunkt die Gasgewinnung aus Biomasse und Abfällen darstellen. Linke kritisierte, dass eine Biomethanstrategie fehle. Aber gerade die ländlichen Biogasanlagen fielen langsam aus dem Förderrahmen heraus. "Sinnvoll wäre es, diese an das Netz anzuschließen und das Gas aufzubereiten, sodass Methan in die Netze fließt." Daneben könne auch hierbei auf Kooperationen wie beispielsweise mit der Ukraine gesetzt werden, um die Gasnetze "grüner" zu befüllen. (gun)

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