In manchen Punkten tut sich die deutsche Energiepolitik noch schwer, wenn es um die konsequente Integration der Erneuerbaren in das Versorgungssystem geht.

In manchen Punkten tut sich die deutsche Energiepolitik noch schwer, wenn es um die konsequente Integration der Erneuerbaren in das Versorgungssystem geht.

Bild: © Robert Kneschke/Adobe Stock

Angestoßen durch die Proteste von Fridays for Future, Extinction Rebellion und anderen Klimaaktivisten steigt der Druck auf die Bundesregierung, eine erfolgreiche Klimapolitik zu betreiben. Allerdings halten sich bestimmte Ressentiments gegenüber neuen Technologien, Marktdesigns und Regularien in den Reihen der Parlamente, die das Vorankommen der Energiewende hemmen. So erleben das zumindest Verbände, Start-ups oder Forschungseinrichtungen, die mit Innovationen die Transformation des Energiesystems vorantreiben wollen. Das ist das Ergebnis eines neuen Papiers der Stiftung „Neue Verantwortung“.

Aufgrund zweier Workshops, die die Stiftung mit über 20 Experten aus dem energiewirtschaftlichen Umfeld durchgeführt hat, konnten zwei wesentliche Denkmuster identifiziert werden, die in Anbetracht neuer gesellschaftlicher und technischer Vorzeichen, wie ein steigendes Umweltbewusstsein oder die Digitalisierung, eigentlich überholt sind, sich aber beharrlich halten.

Subsidiaritätsprinzip statt zentraler Strukturen

Dazu gehört einerseits das von den Autoren bezeichnete „Bigger-Better-Denkmuster“. Demnach herrscht in der Energiepolitik und -wirtschaft vielerorts nach wie vor die Meinung vor, dass große Märkte und Strukturen hohe Liquidität und damit geringe volkswirtschaftliche Kosten mit sich bringen. Das wiederum soll zu mehr gesellschaftlicher Akzeptanz führen.

Aus Sicht der Paper-Autoren Fabian Reetz und Céline Göhlich und der Expert müsste hier viel stärker der Subsidiaritätsgedanke verankert werden, denn der Ausbau der Erneuerbaren ist geprägt von einem hohen Grad lokaler Selbstorganisation und Streuung von unzähligen Prosumern, die für Liquidität im System sorgen. Hier wird Akzeptanz durch Partizipation und regionale Wertschöpfung generiert.

Engpässe durch Markt vorbeugen

Daneben müsste das Paradigma der Engpassvermeidung von einem wettbewerblichen Engpassmanagement abgelöst werden. In der zentralen, fossilen Energiewelt wurde Versorgungssicherheit durch ein robustes Stromnetz garantiert. Bedarf und Erzeugung sollen aus dieser Sicht heraus jederzeit über das Netz in Einklang gebracht werden können. Netzengpässen soll durch Netzausbau präventiv begegnet werden.

Dabei müssten im Rahmen der Energiewende neben dem Infrastrukturausbau vor allem marktliche Anreize geschaffen werden, um Flexibilitätsoptionen zu nutzen und dadurch Engpässe auszugleichen. Insgesamt hat der Paradigmenwechsel laut Einschätzungen der Experten allerdings schon begonnen. So könne man in einigen politischen Kreisen bereits ein erstes Umdenken beobachten: Zum Beispiel deutet das Clean Energy Package (CEP) der EU an einigen Stellen bereits eine Abkehr von den beschriebenen Denkmustern an.

Beispiele aus dem CEP

Konkret sollen beispielsweise Teilhabemöglichkeiten von Verbrauchern gestärkt werden und Systemdienstleistungen wettbewerblicher gestaltet werden. (ls)

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