Bild: © Wolfilser/AdobeStock

Um den massiven Anstieg der Energiekosten für Haushalte und Unternehmen zu dämpfen, hatte die Bundesregierung ein ganzes Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht. Bei seiner Entscheidung habe es der Staat jedoch versäumt, sich im Vorfeld mit den beteiligten Akteuren über die Umsetzbarkeit auszutauschen.

Stattdessen habe er sie kurzerhand zu seinen Erfüllungsgehilfen gemacht. Die von ihm festgelegten Umsetzungsanforderungen gehen dabei vollkommen an den technischen Voraussetzungen der Energieversorger vorbei, denen es nicht möglich ist, dieses Mammut-Projekt angemessen zu realisieren., kritisiert der Fachbeirat Schleupen. Dieser wurde 2014 als Kommunikationsplattform zwischen den Anwenderunternehmen und dem Softwarelieferanten gegründet und tagt zweimal jährlich im Frühjahr und Herbst.

Enorme Zusatzkosten

„Es ist den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Energieversorgungsunternehmen zu verdanken, dass das Entlastungspaket Wirkung zeigt. Sie nämlich haben einen riesigen Kraftakt unternommen, was kaum wahrgenommen, geschweige denn wertgeschätzt wird. Nur dank ihrer unzähligen Überstunden, in denen sie manuell ausgeglichen haben, was IT-Systeme noch nicht zu leisten vermögen, konnten die Anforderungen immerhin mit Verspätung umgesetzt werden“, erklärt Andrea Vogt, Vorsitzende des Fachbeirates Schleupen und Geschäftsführerin der Stadtwerke Troisdorf.

Das habe enorme Zusatzkosten generiert, die im Vorfeld ausgeblendet wurden. Und nicht nur auf Seiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herrsche aktuell sehr großer Stress und Frust – vor allem die Kunden seien verärgert und wiesen zu Recht wenig Verständnis für die Gesamtsituation auf, auch wenn ihnen nicht immer klar sei, wo der schwarze Peter eigentlich liege.

Das Unmögliche möglich machen

Die Vorlaufzeit für Umlagen, Preisbremsen & Co ist laut Volker Kruschinski, Vorstand der Schleupen SE, seitens der Politik absolut unrealistisch bemessen, da es für derartige Szenarien keinerlei Regelwerk, Prozesse oder fertige IT-Lösungen gab. Die ohnehin ausgesprochen komplexen IT-Systeme, mit denen Energieversorger ihre facettenreichen Geschäftsprozesse abbilden, sind nicht auf die Umsetzungsanforderungen von staatlichen Hilfen für die Bürger ausgelegt.

Der Fachbeirat Schleupen, ein Zusammenschluss von Anwenderunternehmen und dem Softwarelieferanten Schleupen, weist darauf hin, dass Prozesse und die damit einhergehenden Anforderungen in der Energiewirtschaft grundsätzlich immer komplexer werden und folglich zu steigenden Kosten führen. Dies ist auf Marktregeln und Gesetze zurückzuführen, bei denen Verantwortliche praxisferne Entscheidungen treffen. Die aktuelle Situation widerspricht der ausdrücklichen Zielsetzung des Fachbeirats, im Sinne der Kunden effiziente, digitale und verständliche Prozesse zu implementieren.

Noch einen langen Weg vor sich …

„Die sich immer wieder wandelnden Rahmenbedingungen haben uns mitunter an die Grenzen des Machbaren gebracht und wir können rückblickend mit Stolz sagen, dass wir das staatlich mit der heißen Nadel gestrickte Entlastungskonzept bisher erfolgreich gemeistert haben, auch wenn die Umsetzung noch lange nicht abgeschlossen ist“, freut sich Christoph Nath, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Kreuznach.

„Es braucht dringend eine breit angelegte Initiative, um Energiemärkte für Kunden verständlicher, für Energievertriebe und Netzbetreiber weniger komplex und damit im Sinne einer schellen Energiewende einfacher umsetzbar zu machen. Wir müssen und wollen die Energie- beziehungsweise Wärmewende vorantreiben, und damit das gelingen kann, müssen Prozesse einfacher gestaltet werden. Energieversorger sind ein Garant für die Umsetzung der Transformation, aber nur dann, wenn der bürokratische Aufwand in allen Bereichen erheblich reduziert wird.“ Aus Erfahrung weiß Wolfgang Bühring, Geschäftsführer der Stadtwerke Speyer und stellvertretender Vorsitzender des Fachbeirates, zu berichten, wie wichtig die zugrunde liegende Software ist, denn wenn diese nicht hoch automatisiert, zuverlässig, wirtschaftlich und flexibel eingesetzt werden könne, sei jedes Projekt zum Scheitern verurteilt.

Preispolitik verursacht Nachteile für die Bevölkerung

„Eine verfehlte Preispolitik belastet die Bürgerinnen und Bürger, obwohl die Energiepreise inzwischen gesunken sind. Dennoch liegen sie immer noch deutlich höher als vor zwei Jahren. Es ist unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren Strom und Gas zu den Preisen erhältlich sein werden, die vor der Energiekrise galten. Falls der Staat erneut ein Subventionspaket einführen sollte, müsste er ein einfacheres Verfahren als Grundlage für sein Konzept wählen“, mahnt Vogt. Bedauerlicherweise sei von der ursprünglichen Idee der Liberalisierung der Energiemärkte vor über 20 Jahren, die niedrigere Energiepreise durch Wettbewerb für die Bürgerinnen und Bürger ermöglichen sollte, nichts mehr übriggeblieben. (sg)

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