Geht es nach der Bundesregierung, soll der Anteil der Fernwärme am deutschen Strommix deutlich steigen. (Symbolbild)

Geht es nach der Bundesregierung, soll der Anteil der Fernwärme am deutschen Strommix deutlich steigen. (Symbolbild)

Bild: © Jan Woitas/dpa

Gegenwind für die Fernwärmebranche: Die von ihr in Aussicht gestellte Transparenzplattform "reicht uns eigentlich noch nicht", sagte Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen bei einer Veranstaltung von VKU, VDMA und Energate.

"Wir würden uns schon vorstellen, dass wir eine Aufsichtsbehörde hätten, die die Kalkulationen überprüft." Natürlich seien 80 bis 90 Prozent der Kommunalversorger "gute und faire Unternehmen", erläuterte sie. "Aber wir sehen auch, wie zu Teilen die Preisdifferenzen sind."

VKU-Chef verteidigt Fernwärmebranche

Bereits zuvor war Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Stadtwerkeverbands VKU, von der "Neuen Osnabrücker Zeitung" mit Abzocke-Vorwürfen bei Fernwärmepreisen konfrontiert worden. Diese wies der Verbandschef umgehend zurück. "Ich bitte Sie", sagte er. "Wenn ein Unternehmen nicht marktgerechte Preise nimmt, können die Kartellbehörden prüfen. Wir haben also funktionierende Kontrollmechanismen."

Er könne nur davon warnen, die Fernwärme schlecht zu reden, gab Liebing weiter zu Protokoll. "Wir brauchen mehr Fernwärme, um CO₂-frei zu heizen und das Klima zu schützen", sagte er. "Wer die Fernwärme mit falschen Abzocke-Vorwürfen diskreditiert, gefährdet die Wärmewende insgesamt."

"Wärmemarkt ist ein freier Markt"

Auch Ulrich Liebenthal, Strategie- und Systemplanungsleiter bei den Hamburger Energiewerken, verteidigte die Branche. Die Hamburger Energiewerke setzen selbst stark auf Fernwärme.

"Das Gute im Wärmemarkt ist ja, wenn wir den Anschluss- und Nutzungszwang mal beiseite legen, dass es eben ein freier Markt ist", erwiderte er. "Und wenn wir es nicht schaffen, konkurrenzfähige Lösungen anzubieten, dann werden wir auch wenig erfolgreich damit sein."

Wohnungsunternehmen "große Fans" zentraler Lösungen

Zugleich räumte Liebenthal ein, dass es für dekarbonisierte Lösungen schwierig sei, wenn bei den jetzigen Kosten Gasthermen der Vergleichsmaßstab seien. "Wer eine neue Gastherme hat, wird sich aus finanziellen Gründen bestimmt nicht für dekarbonisierte Fernwärme entscheiden. Das ist das Kernproblem."

Prinzipiell seien Immobilienunternehmen "große Fans" zentraler Lösungen, sagte Wohnungswirtschaftsvertreterin Esser. Man sehe durchaus, dass man mit einzelnen Wärmepumpen Mehrfamilienhäuser im Bestandsbau "nicht adäquat" versorgt bekomme. "Alle Maßnahmen, die Fernwärme zu dekarbonisieren, müssen wir also grundsätzlich unterstützen."

"Frage der Herangehensweise"

Allerdings wünsche sich die Wohnungswirtschaft, bei der kommunalen Wärmeplanung früh einbezogen zu werden. "Das ist eine Frage der Herangehensweise", erläuterte Esser. "Ich höre aus einigen Kommunen, insbesondere kleineren, dass das nicht unbedingt gesetzt ist. Das ist schade." (aba)

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