Andreas Feicht wechselt von Berlin nach Köln.

Andreas Feicht wechselt von Berlin nach Köln.

Bild: © Schmülgen/RheinEnergie

Andreas Feicht hält die aktuelle Debatte über die hohen Gaspreise für nicht zielführend. Die Politik setze die falschen Akzente, sagte der Vorstandsvorsitzende der Rheinenergie und ehemalige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. „In der ganzen Debatte kommt mir eine Sache zu kurz: Was können wir dafür tun, dass der Gaspreis im Wholesale-Markt wieder sinkt?“ Es würde nicht richtig über die Frage diskutiert, ob es möglich sei, den Gaspreis etwa über langfristige Lieferverträge wieder zu senken. Das alte Preisniveau könne sicherlich nicht erreicht werden, ein „verträglicheres Niveau“ sei aber nicht auszuschließen.

Die Politik müsse nun schnell eine Lösung finden, die nach Überzeugung von Feicht vor allem eins sein muss: einfach umzusetzen. Entweder jeder bekommt bis zu einer gewissen Einkommensgrenze ein Energiegeld. Einem Gaspreisdeckel, wie in Großbritannien, bei dem der Regulierer nicht den Erzeugern, sondern stattdessen den Versorgern vorschreibt, welchen Höchstpreis sie den Kunden anbieten dürfen, erteilt Feicht eine klare Absage.

Versorger nicht überfordern

„Ich halte es für absolut unmöglich, das in so kurzer Zeit umzusetzen.“ Die Energieversorger würden zwar die Zählernummern und die Verbräuche ihrer Kunden kennen. „Aber in Köln ziehen zum Beispiel rund 20 Prozent der Leute pro Jahr um. Deren Verbräuche des letzten Jahres kenne ich nicht. Und ich weiß auch nicht, wie viele Menschen in einem bestimmten Haushalt wohnen.“ Das alles herauszufiltern und zu sagen, welches Kontingent welchem Anschlusszähler zugeordnet wird, sei für die Stadtwerke nicht leistbar. „Bis wir das gemacht haben, ist das Jahr 2023 um.“

Klar sei, dass der Gaspreis weder über ein Energiegeld noch über einen Gaspreisdeckel auf ein Niveau heruntergedrückt werden dürfe, das so niedrig sei, wie vor der Krise. „Es ist absolut unrealistisch zu erwarten, dass ein Wholesale-Preis wieder bei 20 Euro pro Megawattstunde landet.“ Ein fairer Marktpreis für LNG liege bei rund 70 Euro. „Das ist der Fundamentalpreis, aus dem sich alles andere ableitet.“ Das Delta von heute 160 zu 70 Euro sei das, was aktuell „wegfinanziert“ werden müsse.

Sparanreiz für Industrie sehr hoch

Für die Industrie sei das immer noch ein brutaler Weg. Alle hätten sich darauf eingestellt, dass man etwa durch die CO2-Bepreisung Ende der 2020er Jahre bei einem solch hohen Preis landen würde. Nun müsse man sich sehr viel früher unter hohem Zeitdruck an die neuen extrem schwierigen Rahmenbedingungen anpassen. Der Sparanreiz sei auch bei einer wie auch immer gearteten Subventionierung durch den Staat gerade für Unternehmen sehr hoch, ist Feicht überzeugt. (amo)

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