Nach Daten der Plattform Energy-Charts fuhren die beiden Blöcke des Trianel-Gaskraftwerks in Hamm im August 2020 zu 67 Prozent auf Volllast. Im August 2021 war es weniger als ein Prozent.

Nach Daten der Plattform Energy-Charts fuhren die beiden Blöcke des Trianel-Gaskraftwerks in Hamm im August 2020 zu 67 Prozent auf Volllast. Im August 2021 war es weniger als ein Prozent.

Bild: © Trianel

Der russische Überfall auf die Ukraine hatte auch für das Trianel-Steinkohlekraftwerk in Lünen (Nordrhein-Westfalen) erhebliche Folgen. "Bis Ende des vergangenen Jahres bezogen wir noch bis zu 70 Prozent der Kohle aus Russland", sagte Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, im Interview mit der ZfK.

"Das haben wir dann im Laufe dieses Jahres komplett umgestellt." Das sei trotz erheblicher Mehrkosten gelungen. "Inzwischen erhält das Kraftwerk den Großteil seines Kohlebedarfs aus Südafrika."

Lünen "bislang fast strikt durchgefahren"

Gebraucht wurde die Anlage in Zeiten extrem hoher Strompreise und unerwartet vieler Ausfälle im französischen Kernkraftwerkspark allemal. "Dieses Jahr ist das Kraftwerk bislang fast strikt durchgefahren", sagt Becker. "Wir erwarten, dass es auf das Jahr gerechnet 4,5 TWh Strom produzieren wird, also fast ein Prozent der gesamten deutschen Stromerzeugung."

Freude dürfte den Trianel-Verantwortlichen zurzeit auch das Gaskraftwerk in Hamm bereiten. "Es sieht gut aus, dass wir unsere Kosten mehr als decken können", sagt Becker. "Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so."

"Unser solidarischer Beitrag"

Dabei kommt mit der Gasbeschaffungsumlage vom 1. Oktober an erst einmal eine zusätzliche Belastung auf das Kraftwerk zu. "Es ist auf jeden Fall ein zweistelliger Millionenbetrag, wenn wir andere Umlagen inklusive Gasspeicher- und Bilanzierungsumlage noch hinzurechnen", sagt Oliver Runte, Beckers Kollege in der Geschäftsführung. "Wir gehen zurzeit von Zusatzkosten von knapp 30 Mio. Euro aus."

Zur Einordnung: Gaskraftwerksbetreiber müssen für eingesetzte Gasmengen zusätzlich zum Einkaufspreis die Umlage zahlen. "Für unsere bereits vermarkteten Mengen heißt das, dass wir mit zusätzlichen Belastungen umgehen müssen, auch wenn wir diese Mengen zu den alten Preisen bereits vermarktet hatten", erklärt Becker. "Das akzeptieren wir aber und sehen es als unseren solidarischen Beitrag."

Umlage "prinzipiell richtiges Instrument"

Für die Zukunft bedeute die Umlage, dass der Einsatz noch teurer und das Kraftwerk gegebenenfalls weniger angefragt werde. "Wir rechnen damit, dass sich die Einsatzzeiten verringern werden."

Die Gasbeschaffungsumlage an sich hält Becker "prinzipiell für das richtige Instrument", um Mehrkosten durch die Ersatzbeschaffung für nicht geliefertes russisches Gas möglichst gerecht zu verteilen.

"So ergeben sich Windfall-Profits"

Die Umlage sei jedoch so gestrickt, dass sie einen finanziellen Ausgleich für die Differenz zwischen den ursprünglichen und jetzigen Einkaufspreisen leiste. "So werden die ursprünglich erwarteten Margen der Versorger abgesichert und damit deren Profite", sagt Becker. Um die Liquidität zu sichern, wäre es aus seiner Sicht sinnvoller gewesen, auf das Delta zwischen jetzigen Beschaffungskosten und jetzigen Verkaufspreisen abzustellen. "Damit wäre die Liquidität gesichert worden. So ergeben sich Windfall-Profits."

Becker schlägt deshalb vor, nicht die ursprünglichen Einkaufspreise als Berechnungsgrundlage zu nehmen, sondern die Absatzpreise. "Nehmen wir an, ein Importeur hat russisches Gas für 40 Euro pro MWh eingekauft, um es dann für 90 Euro pro MWh zu verkaufen. Weil das russische Gas aber nun nicht geliefert wird, muss er am Weltmarkt zu 190 Euro pro MWh nachbeschaffen."

Strecken der Umlage auf vier Jahre

Nach jetzigem Stand könne er einen finanziellen Ausgleich für Mehrkosten von 150 Euro pro MWh verlangen, sagt der Trianel-Chef. "Nach unserem Modell wären es jedoch nur noch 100 Euro, nämlich als Delta von jetzigem Beschaffungspreis und Verkaufspreis."

Zudem hätte man die Umlage auf vier Jahre strecken und so die unmittelbare Belastung für Endkunden senken können, sagt Becker. "Das würde auch die Debatte insgesamt entschärfen." (aba)

Den zweiten Teil des ZfK-Exklusivinterviews mit den Trianel-Geschäftsführern Sven Becker und Oliver Runte, bei dem es um den Sinn eines Gasverstromungsstopps und Gas als Brückentechnologie geht, finden Sie in der neuen Printausgabe ZfK auf Seite 21. Zum Abo geht's hier.

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