Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei der Vorstellung der Wasserstoffstrategie.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei der Vorstellung der Wasserstoffstrategie.

Bild: © John Macdougall/AFP-Pool/dpa

Aufbruchstimmung herrschte am Mittwoch bei einem Pressetermin im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. "Das ist die größte Innovation für die Energiewende und den Klimaschutz seit der Verabschiedung des EEG“, unterstrich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Mit insgesamt über 9 Mrd. Euro sollen grüne Wasserstoffanwendungen, -infrastruktur und -technologien national und international gefördert werden.

Auch die Rahmenbedingungen sollen wasserstofffreundlicher gestaltet werden wie eine Befreiung von Elektrolyseuren von der EEG-Umlage. Bis 2030 sollen Elektrolyseure mit einer Leistung von fünf Gigawatt (GW), bis spätestens 2040 mit insgesamt 10 GW aufgebaut werden. Zusätzlich sollen erneuerbar erzeugter Wasserstoff und Power-to-X in erheblichem Umfang aus sonnenreichen Regionen wie Nordafrika importiert werden.

Doppelter Schub für Deutschland

"Die Nationale Wasserstoffstrategie wird Deutschland doppelten Schub verleihen – für den Klimaschutz und für die nachhaltige Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise", betonte Bundesumweltministerin Svenja Schulze. "Zu einem Innovationsland gehört auch, ambitionierte Ziele für eine international wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft zu formulieren. Das ist uns mit der Nationalen Wasserstoffstrategie gelungen", sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU).

"Zwar hätte ich mir vorstellen können, noch ehrgeiziger vorzugehen", sagte sie im Hinblick auf die von ihr geforderte höhere Leistung von Elektrolysekapazitäten. Doch das, was nun in der Strategie beschlossen worden sei, sei ein guter Anfang und nun gehe es darum, gemeinsam voranzugehen und entsprechende Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

"Grüner Wasserstoff und seine Folgeprodukte das saubere Öl von morgen"

"Mit der Wasserstoffstrategie machen wir einen Quantensprung hin zu CO2-neutralen Kraftstoffen und damit zu einer globalen Energiewende. Grüner Wasserstoff und seine Folgeprodukte wie Methanol können das saubere Öl von morgen werden", betonte Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. "Doch ohne die Sonne Afrikas werden wir diese Ziele nicht erreichen können, deshalb bringen nun Deutschland und Marokko das Thema gemeinsam in die Produktion", ergänzte er.

Gemeinsam mit der marokkanischen Botschafterin Zohour Alaoui unterzeichnete er am Mittwoch eine Vereinbarung zur Begründung einer Wasserstoffallianz. Erstes gemeinsames Projekt wird der Bau einer Produktionsanlage für solar erzeugten Wasserstoff in Marokko sein, welcher in dem Land selbst verwendet werden soll.

Ausbauhemmnisse für Erneuerbare aus dem Weg räumen

Auch Altmaier, Schulze, Karliczek sowie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Steffen Bilger machten deutlich, dass künftig in erheblichem Maße grüner Wasserstoff und Power-to-X aus Regionen wie Nordafrika nach Deutschland importiert werden muss, um vor allem den Bedarf zur Dekarbonisierung der Industrie, des Luft- und Schiffsverkehrs sowie des Güterverkehrs zu decken. Dies biete auch enorme Chancen für den Export entsprechender Technologien und Anlagen für Deutschland .

Gleichzeitig müsse es darum gehen, die erneuerbaren Energien in Deutschland verstärkt auszubauen und Ausbauhemmnisse aus dem Weg zu räumen. "Wer ja sagt zu grünem Wasserstoff muss auch ja sagen zum Ausbau der Erneuerbaren wie der Windkraft. Deshalb werden wir die Handbremsen für den Ausbau der erneuerbaren Energien lösen", unterstrich Schulze.

Zusätzlicher Strom für grünen Wasserstoff aus Offshore-Windkraft

"Wir bleiben bei unserem Ausbauziel von 65 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030, der zusätzlich benötigte Strom für grünen Wasserstoff kommt on top dazu", unterstrich Altmaier. Erzeugt werden soll dieser vor allem durch Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee. Klar machte Altmaier auf Nachfrage der ZfK zudem, dass der grüne Wasserstoff im Verkehrsbereich vor allem zur Dekarbonisierung des Luftverkehrs und der Schifffahrt genutzt werden soll.

Für beide Bereiche seien jeweils eine Milliarde Euro an Fördergeldern vorgesehen. Schulze verwies hierbei auf die große Bedeutung der in der Strategie festgelegten Beimischungsquote von zwei Prozent für regenerativ hergestellte flüssige Treibstoffe (PtL) für Flugbenzin bis 2030.

Auch Geld für H2-Tankstellen auf kommunalen Betriebshöfen

Auch Bilger machte im Gespräch mit der ZfK deutlich, dass grüner Wasserstoff im Verkehrsbereich vor allem für diejenigen Anwendungen eingesetzt werden sollte, wo batterieelektrische Antriebe an ihre Grenzen stoßen. Dazu zählten auch der Gütertransport durch Lkw und ein Teil des Busverkehrs. Deshalb setzte die Wasserstoffstrategie auch auf die Förderung des Ausbaus des H2-Tankstellennetzes. Wobei es darum gehen müsse, künftig Wasserstofftankstellen multifunktional für die Betankung von Lkw, Bussen und Pkw auszulegen.

Doch würden auch H2-Tankstellen auf Betriebshöfen von kommunalen Unternehmen gefördert. Interessante Einsatzmöglichkeiten von grünem Wasserstoff sieht Bilger auch für den Antrieb von Bahnen, als Alternative "zur teuren Elektrifizierung" von Nebenstrecken.

Die Strategie kann hier eingesehen werden. (hcn)

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