Von Julian Korb
Die Vorschläge des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), um die Energiewende kosteneffizienter zu gestalten, stoßen beim Solarverband BSW Solar auf deutliche Kritik. "Mit großem Unverständnis" reagiere man auf den Vorstoß, sagte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Statt Effizienzgewinnen führten diese zu einem "Ausbremsen der Energiewende". Es liege auch im Interesse der kommunalen Unternehmen, den Ausbau der Erneuerbaren und die damit verbundene Senkung der Energiepreise zu sichern.
Der VKU hatte am Freitag eine Reihe von Vorschlägen gemacht, um die Kosten der Energiewende zu senken. So soll unter anderem die Förderung für private PV-Aufdachanlagen abgeschafft werden. Eine Forderung, die kürzlich übrigens auch Eon-Chef Leonhard Birnbaum geäußert hatte. Außerdem soll nach dem Willen des kommunalen Spitzenverbandes der Ausbau der Erneuerbaren künftig stärker auf die Systemdienlichkeit ausgerichtet werden.
Mahnendes Beispiel E-Auto-Förderung
Der BSW Solar warnt hingegen vor den "verheerenden Folgen von übereilten Änderungen an Fördersystemen" und nennt das Beispiel der E-Auto-Förderung, deren Aus im vergangenen Jahr zu Absatzeinbußen geführt hatte. Der Branchenverband weist auf eine 2024 durchgeführte Umfrage im Elektrohandwerk hin. Demnach würden sechs von zehn privaten Kunden im Falle eines Wegfalls der EEG-Förderung vom Kauf einer Solarstromanlage Abstand nehmen.
Stattdessen spricht sich der Solarverband dafür aus, marktliche Finanzierungsmodelle wie Prosuming und PPA, also langfristige Stromabnahmeverträge, voranzubringen. Die Abhängigkeit neuer Solarstromanlagen von der EEG-Förderung sei zudem durch die Verbreitung von Batteriespeichern deutlich gesunken – allerdings werde sie als Rückversicherung weiterhin benötigt. Etwa, um günstiger an Finanzierungskredite zu gelangen.
Den Regierungsbeschluss, während der Zeiten negativer Preise an den Strombörsen keinen Solarstrom mehr zu fördern, findet der Verband hingegen nachvollziehbar. Weitergehende Einschränkungen seien allerdings nicht vermittelbar. Ob die Branche hier mehr zu befürchten hat, ist noch unklar. Im Sondierungspapier von Union und SPD heißt es lediglich, dass Sonnen- und Windenergie "entschlossen und netzdienlich" ausgebaut werden sollen.
Wenig Verständnis bei Agri-PV
Wenig Verständnis zeigt der BSW Solar hingegen für die VKU-Forderung, das Fördersegment der Agri-PV komplett abzuschaffen. Aufgrund "konstruktionsbedingter Mehrkosten" könnten diese in Ausschreibungen mit konventionellen Solarkraftwerken noch nicht konkurrieren.
Der Vorschlag, dass künftig kleinere Solarstromanlagen ebenfalls in die Direktvermarktung gehen sollen, sei derweil bislang "nur in Ausnahmefällen wirtschaftlich umsetzbar". Das deckt sich mit Einschätzungen, die Direktvermarkter im vergangenen Jahr der ZfK gaben. Der Grund: Die Digitalisierung und die Schaffung massentauglicher Kommunikationsprozesse zwischen Netzbetreibern, DIrektvermarktern und Anlagenbetreibern kommt nicht schnell genug voran.
Der BSW Solar spielt den Ball daher an die Kommunalwirtschaft zurück: Es sei wünschenswert, wenn die kommunalen Unternehmen die notwendige Digitalisierung gemeinsam mit der Solarwirtschaft energischer als bisher vorantrieben, um auch die Direktvermarktung zu verbessern, sagt Verbandschef Körnig.
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