Es war noch eine andere Welt, als das CDU-geführte Bundeswirtschaftsministerium im November 2025 den ersten offiziellen Entwurf zum sogenannten Gaspaket veröffentlichte. Anders als jetzt flogen noch keine Raketen über den Persischen Golf, und die Gaspreise lagen noch weit unter 50 Euro pro Megawattstunde (MWh).
Die Bundesregierung hat sich Zeit gelassen mit dem Gaspaket. Mal sollte es im Dezember vom Kabinett beschlossen werden, dann im Februar. Nun könnte es diesen Mittwoch so weit sein.
Stilllegung, Informationspflichten und die große Frage
Dann könnte die Energiewelt erfahren, was aus dem Gaspaket von damals geworden ist: ob beispielsweise Eigentümer dauerhaft stillgelegte Erdgasleitungen künftig auf ihren Grundstücken dulden müssen. "Ein sofortiger flächendeckender oder großflächiger Rückbau würde erhebliche Kosten verursachen", argumentierte das Ministerium im früheren Entwurf. Oder welche Informationspflicht Netzbetreiber bei der Trennung von Gasnetzen gegenüber Kunden haben. Laut erstem Entwurf müssten Kunden spätestens fünf Jahre im Voraus informiert werden.
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Es geht aber noch um viel mehr. Die große Frage, die spätestens seit Veröffentlichung der Heizungsgesetz-Eckpunkte im Februar und dem Beginn der Iran-Krise wieder an Brisanz gewonnen hat, ist: Welche Zukunft hat Erdgas überhaupt noch im deutschen Energiesystem?
"Haben genug vom teuren Gas-Chaos"
Am Dienstag wandte sich ein Umweltbündnis 245 zivilgesellschaftlicher Organisationen – darunter Greenpeace und Fridays for Future – in einem offenen Brief an Bundestagsabgeordnete der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD. "Bitte setzen Sie alle Hebel in Bewegung, um den Gasverbrauch in Deutschland schnell und drastisch zu senken", schrieben sie. Und: "Wir haben genug vom teuren Gas-Chaos der letzten Jahre. Bitte nehmen Sie diese Sorge ernst!"
Sie dürften sich durch jüngste Meldungen bestätigt fühlen. Wie die "Financial Times" berichtete, soll ein Botschafter des US-Präsidenten Donald Trump die Europäische Union ermahnt haben, das Handelsabkommen zu ratifizieren. Ansonsten könnten die Europäer ihren "bevorzugten" Zugang zu US-Flüssigerdgas verlieren.
Im vergangenen Jahr machte US-Flüssigerdgas 27 Prozent des europäischen Gasmixes aus, wie das Institut IEEFA analysierte. In Deutschland war der US-Anteil noch höher. Dabei ist die Marktmacht der USA durch den Krieg im Persischen Golf weiter gestiegen. Branchenexperten gehen davon aus, dass die Reparatur beschädigter Gasanlagen in Katar und im Iran Jahre braucht. Dies hätte zur Folge, dass größere Mengen dem Markt entzogen werden. Katar gehört zu den größten Gasproduzenten der Welt.
Verschränkung mit neuem Heizungsgesetz
Das Gaspaket dürfte auch deshalb so oft verschoben worden sein, weil es mit dem neuen Heizungsgesetz verschränkt werden sollte. Gemeint ist das Gebäudemodernisierungsgesetz, das Mitte April durch das Kabinett gehen soll.
Denn laut aktuellem Heizungsgesetz haben Gasnetzbetreiber strenge Vorgaben zu erfüllen, wenn sie neue Gaskunden nach Abschluss der kommunalen Wärmeplanung anschließen wollen.
Kunden müssen in einem extra ausgewiesenen Wasserstoffausbaugebiet wohnen. Netzbetreiber müssen zudem bis Mitte 2028 verbindliche Fahrpläne mit Zwischenzielen weit über 2030 hinaus vorlegen. Die Bundesnetzagentur muss die Fahrpläne genehmigen.
Der Widerstand in der Gasbranche war groß. Die aktuellen Anforderungen würden den Einsatz von Wasserstoff faktisch ausschließen, kritisierte der Fachverband DVGW. Tatsächlich wollen Union und SPD die Vorgaben nun streichen.
An die Stelle der Fahrpläne des Heizungsgesetzes würden die Netzentwicklungspläne des Gaspakets treten. Der größte deutsche Energieverband BDEW würde das begrüßen. "Dies ist ein relevanter Beitrag zur Bürokratievermeidung", schrieb er in einer Stellungnahme im vergangenen Jahr.
Aus für 65-Prozent-Regel
Klima- und Umweltschützer sowie Teile der Energiebranche sehen deutlich kritischer, dass Union und SPD die 65-Prozent-Erneuerbaren-Regel streichen wollen. Dadurch können Öl- und Gasheizungen auch nach Abschluss der kommunalen Wärmeplanung recht problemlos eingebaut werden. Quoten zur Beimischung grüner Gase sollen fossiles Erdgas schrittweise aus dem Gasmix drängen.
Erlaube die Regierung den weiteren Einbau von Gasheizungen, schicke sie insbesondere Mietende in die Kostenfalle, warnt das Umweltbündnis in seinem Brief. "Da immer weniger Gebäude am Gasnetz hängen, könnten auf die letzten Haushalte mit Gasheizung sehr hohe Netzgebühren von bis zu 4300 Euro pro Jahr zukommen."







