Zwei Servicetechniker stehen neben einem mobilen Kran der Landstromanlage am Cruise Center Altona, die eine Stromverbindung zu einem Kreuzfahrtschiff gelegt hat.

Zwei Servicetechniker stehen neben einem mobilen Kran der Landstromanlage am Cruise Center Altona, die eine Stromverbindung zu einem Kreuzfahrtschiff gelegt hat.

Bild: © Christian Charisius/dpa

Die Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft haben dem rot-grünen Senat bei der Landstromversorgung von Kreuzfahrtschiffen Greenwashing vorgeworfen. So sollen in diesem Jahr 180 Kreuzfahrtanläufe an den Liegeplätzen Steinwerder und Altona mit Landstrom versorgt werden, heißt es in der Antwort des Senats auf Kleine Anfragen der Linken. Dabei seien derzeit überhaupt nur elf Schiffe landstromfähig und zertifiziert. Und die Zahl der Anläufe dieser Schiffe belaufe sich auf nur 46, teilten die Linken mit.

Hinzu komme, dass es keine Landstrompflicht gebe und somit allein die Reedereien über eine Landstromversorgung entschieden. So sei im vergangenen Jahr bei 45 Anläufen landstromfähiger Schiffe die Möglichkeit nur bei 28 Anläufen tatsächlich genutzt worden.

„Weit entfernt von der Realität“

„Meine Skepsis hat sich bestätigt. Entweder beherrscht der Senat den Dreisatz nicht oder er ist unehrlich“, sagte der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Stephan Jersch. Die Zahlen belegten, dass die Vorstellung des Senats weit von der Realität entfernt sei, sodass hier von einer Täuschung gesprochen werden könne. „Das ist Greenwashing par excellence – zugunsten der Kreuzfahrtindustrie.“

Der Linken-Hafenexperte Norbert Hackbusch betonte, die Angaben für das Jahr 2023 und die Prognose für das Jahr 2024 stimmten hinten und vorn nicht. Die Zahl der landstromfähigen und zertifizierten Schiffe habe sich im Vergleich zum Vorjahr reduziert. „Es ist daher unverständlich, wie es dann gelingen soll, drei Viertel aller Kreuzfahranläufe mit Landstrom zu versorgen“, sagte Hackbusch. Selbst wenn alle Aida-Schiffe landstromfähig und zertifiziert wären, würde nur die Hälfte der Kreuzfahrtanläufe mit Landstrom versorgt.

Viele Schiffe lassen ihre Motoren weiterlaufen

Die Wirtschaftsbehörde hatte zuletzt mitgeteilt, dass am Terminal Steinwerder Schiffe in diesem Jahr bei 140 Anläufen erneuerbare Energie von Land beziehen. In Altona seien zudem weitere 40 Anläufe für eine Landstromversorgung fest vorgesehen. Insgesamt seien für die Kreuzfahrtsaison 2024 in Hamburg 270 Schiffsanläufe geplant. Neben Steinwerder und Altona soll auch das neue Kreuzfahrtterminal in der HafenCity nach seiner Fertigstellung 2025 über eine Landstromanlage verfügen.

Landstrom gilt als wichtiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität in der Schifffahrt sowie für reinere Luft an den Hafenstandorten. Die EU verlangt, dass in der Union alle wichtigen Häfen bis 2030 eine Landstromversorgung einrichten. Bislang lassen viele Seeschiffe im Hafen ihre Motoren weiterlaufen, um sich mit Strom zu versorgen – mit entsprechenden Abgasen. (dpa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper