Thorsten Herdan, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Thorsten Herdan, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Bild: © Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Klar wurde jedenfalls bei der virtuellen Veranstaltung mit dem Titel "Building the Future", dass es eine Vielzahl verschiedener Lösungen bedarf, um einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 zu erreichen und wie komplex der Gebäudesektor ist.

Wobei für Felix Christian Matthes, Forschungskoordinator beim Öko-Institut, klar ist, dass politisch vereinbarte Klimaneutralität hier eine neue Marke für alle Beteiligten setzt. Doch sei der Gebäudebereich "ein besonders träger Sektor, bei dem ein großes Maß an vorausschauender Strategie nötig ist“", betonte Matthes. Schließlich gehe es eine Lebensdauer eines Gebäudes von durchschnittlich 100 Jahre sowie 30-jährige Sanierungszyklen.

Balance zwischen zwischen Energieeinpsarung und klimaneutraler Wärmeversorgung

Sehr wichtig sei hierbei die Balance zwischen der Energieeinsparung und einer klimaneutralen Wärmeversorgung, auch aus Kostenaspekten. Seien doch meist alternative Versorgungskonzepte, sei es eine regenerativ gewonnene Fern- und Nahwärme, Wärmepumpen (zumindest bei der derzeitigen EEG-Umlage) oder der Einsatz von grünem Wasserstoff meist deutlich teurer als derzeitige konventionelle Lösungen. So erreiche grüner Wasserstoff künftig erst bei einem CO2-Preis von 150 Euro pro Tonne Kostenparität mit Erdgas, derzeit bei einem C02-Preis von 250 bis Euro/Tonne. Deswegen müsse für eine langfristige Planung Wirtschaftlichkeit auf einer anderen Basis berechnet werden, so Matthes.

Deshalb müsse der politische Instrumentenmix mit Bezug auf die Gebäude neu justiert werden. Die CO2-Bepreisung sei hierbei ein wichtiger neuer Baustein. Doch habe diese nur eine begrenzte Anreizwirkung, wenn man nicht in den Bereich hoher dreistelliger CO2-Preise reinkommen wolle. Wichtiger sei bei der nun anlaufenden CO2-Bepreisung gerade für den Gebäudesektor die Aufkommensverwendung: sprich die Verwendung der Mittel.

EEG Umlage via CO2-Bepreisung abschaffen

"Wenn es uns gelingt die EEG-Umlage damit abzuschaffen und damit der Wärmepumpenstrom um sieben Cent günstiger wird", würde dies einen enormen Marktschub auslösen. Trotzdem wird laut Matthes die langfristige Investitionsfinanzierung auch langfristig nötig bleiben. Zudem werden Infrastrukturfragen, seien es der Stromnetzausbau oder die Wärmeplanung immer wichtiger.

Gebäude müssten zudem als Flächenressource für die regenerative Stromerzeugung angesehen und genutzt werden, unterstrich Matthes. Kritisch sieht er hier bei der Photovoltaik die vorrangige Auslegung von Anlagen auf den Eigenverbrauch, weil hier meist der Potenzial der Dach- und sonstigen Gebäudeflächen nicht voll ausgenutzt werde.

Soziale Effekte politisch abfedern

Zudem stelle sich die Herausforderung dass man bei der Wärmewende im Gebäudesektor in ein "zunehmend kapitalintensives System hineinlaufen", was zu sozialen Problemen führe. Hier brauche es flankierende politische Maßnahmen wie Energiekomponenten bei den sozialen Sicherungssystemen, Warmmietenneutralität oder neue Instrumente wie Carbon Contracts for Difference auch im Bereich der Gebäudesanierung. "Aus der sozialen Perspektive wird man sehr viel Energie hereinstecken müssen, diese hohen Investitionskosten zumindest schrittweise und in einer fairen Weise zu linealisieren", sagte Matthes.

Das Zusammenspiel von C02-Bepreisung, finanzieller Förderung und Ordnungsrecht ist denn auch für für Thorsten Herdan, Abteilungsleiter im BMWi, ein entscheidender Aspekt bei einer Politik, welche klimaneutrale Gebäude anreizen will.

BMWI startet im Februar Stakeholderprozess

Diese Frage spiele auch eine wichtige Rolle bei dem Stakeholderprozess zur Wärmewende, den das Wirtschaftsministerium noch im Februar starten will. Hohes Potenzial biete zudem die Digitalisierung, um verschiedene Akteure in einem Wohngebiet zusammenzubringen und so auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Jedenfalls sei die Thematik eines klimaneutralen Gebäudebestands "nicht nur Beipackzettel", so Herdan. (hcn)

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