Civey-Umfrage
Der Logistik-Koordinator der Bundesregierung, Oliver Luksic (FDP), hat mit Blick auf die Kohlekraft-Reaktivierung im Winter vor mangelnden Verkehrskapazitäten für die Lieferung von Brennstoffen gewarnt.
«Die Steinkohlekraftwerke benötigen riesige Mengen an Kohle, das wird in der Logistik absehbar zu Engpässen führen», sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). Das von der Bundesregierung beschlossene Comeback der Kohleverstromung werde einen erheblichen zusätzlichen Verkehr auf Schifffahrtswegen und Schienen nach sich ziehen.
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«Die Betreiber von Kohlekraftwerken werden im Winter große Schwierigkeiten haben, die notwendigen Mengen an Brennstoff herbeizuschaffen», sagte Luksic. Die Logistikbranche sei schon heute stark ausgelastet: «Die Verkehrswege sind bereits jetzt vielerorts am Limit und in nächster Zeit wird es durch die Reaktivierung der Kohlekraftwerke zu einer weiteren massiven Belastung kommen.»
"Massiver Mangel auch an Lokführern"
Hinzu komme fehlendes Material und der Lokführermangel: «Es gibt bereits jetzt eine Knappheit von Waggons bei der Bahn, von Schiffkapazitäten in der Binnenschifffahrt und einen massiven Mangel an Lokführern», ergänzte er.
Die Trockenheit schränkt aktuell unter anderem das Geschäft der Frachtschiffe auf dem Rhein und anderen Flüssen in Deutschland stark ein. «Wir dürfen nur noch etwa 50 Prozent der Menge transportieren, die wir transportieren könnten», hatte der Vorstand der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt, Roberto Spranzi, am Mittwoch mitgeteilt. Die Pegelstände der Flüsse sind derzeit niedrig. Durch die geringere Ladungsmenge sind die Schiffe weniger schwer und nicht so tief im Wasser.
Die Kapazitäten sind also reduziert, die Nachfrage ist aber hoch. «Wir sind ausgebucht», so Spranzi. Schweres Frachtgut sind zum Beispiel Chemikalien, Kies und Rohstoffe wie Kohle.
Trockenheit setzt Binnenschifffahrt zu
Da Deutschland wegen der Gaskrise wieder verstärkt auf Kohlekraftwerke setzt, ist die Nachfrage nach Kohle deutlich gestiegen. Das merken auch die Reeder. Die Versorgung mit Frachtgut über Schiffe ist aus seiner Sicht noch sichergestellt. Aber die Lage sei angespannt, zumal keine großen Regenfälle in Sicht seien. Ein Lieferstopp droht nach einer Einschätzung aber längst noch nicht - «das wird zwar eng, aber die Schiffe werden weiterfahren».
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte am Donnerstag verkündet, dass zum 1. Oktober die Braunkohlreserve aktiviert werden soll, bisher ist dies bei der Reserve bei Steinkohlekraftwerken der Fall. Ziel ist es, bei der Stromerzeugung Gaskraftwerke zu ersetzen und dadurch mehr Gas einspeichern zu können. Zusammen mit dem Bundesverkehrsministerium solle es eine Verordnung geben, damit der Transport von Kohle im Schienenverkehr Vorrang bekommt. (dpa/hoe)



