Die Bundesregierung hat ein weiteres Kriseninstrument auslaufen lassen – und zugleich eine Reihe alter Kohlemeiler in den Ruhestand geschickt. Wirklich gebraucht wurde der auf dem Höhepunkt der Energiekrise reaktivierte Kraftwerkspark zuletzt ohnehin kaum mehr, wie frische, vorläufige Strommarktdaten der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts zeigen.
Demnach sank die Kohleverstromung im vergangenen Quartal verglichen mit den Vorjahresquartalen auf einen neuen Tiefstand. 28 Terawattstunden (TWh) Strom wurden von Januar bis März in Deutschland durch die Verbrennung von Braun- und Steinkohle erzeugt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 38 TWh gewesen.
Sieben Braunkohlemeiler abgeschaltet
Im Gegenzug produzierten Wind- und Solaranlagen deutlich mehr Strom als im ersten Quartal 2023. Die öffentliche Nettostromerzeugung betrug hier 56 TWh – nach 49 TWh im Vorjahreszeitraum. Auch die Strommengen aus Laufwasserkraftwerken gingen um ein Drittel nach oben.
Konkret wurden Ende März fünf Meiler im Rheinischen Revier abgeschaltet. Betreiber der Kraftwerke ist hier der Energiekonzern RWE. Dazu kamen zwei Blöcke des Großkraftwerks Jänschwalde in Brandenburg, das dem ostdeutschen Unternehmen Leag gehört. Insgesamt hielten die Anlagen eine Leistung von 3,1 Gigawatt (GW) vor.
Jänschwalde F mit 41 Prozent Volllast
Vom Markt verabschiedeten sich zudem mehrere mittlere und kleinere Steinkohleanlagen. Bereits am 28. März wurde beispielsweise das niedersächsische Kohlekraftwerk Mehrum heruntergefahren. (Die ZfK berichtete.) Schon im Frühjahr 2023 hatte das Großkraftwerk Mannheim Block 7 aus dem Markt genommen. (Die ZfK berichtete.)
Die nun abgeschalteten Braunkohlekraftwerke liefen im ersten Quartal dieses Jahres nur noch vergleichsweise wenig. Den höchsten prozentualen Volllaststundenwert wies Jänschwalde F auf (41 Prozent). Die beiden Niederaußem-Meiler kamen demgegenüber nur noch auf eine prozentuale Volllast von jeweils 15 Prozent.
Mehrum läuft überdurchschnittlich oft
Zum Vergleich: Das Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Brandenburg fuhr im selben Zeitraum im Schnitt zu mehr als 60 Prozent auf Volllast. Der Durchschnitt lag bei gut 50 Prozent Volllaststunden. Die Daten stammen von Energy-Charts. Die letzten Märztage sind hier noch nicht berücksichtigt.
Für ein Steinkohlekraftwerk überdurchschnittlich oft produzierte dagegen Mehrum Strom – zumindest im ersten Quartal dieses Jahres . Der Meiler kam in diesem Zeitraum auf eine Volllast von 34 Prozent. Im gesamten Jahr 2023 hingegen lief das Kraftwerk lediglich zu zehn Prozent auf Volllast – ein unterdurchschnittlicher Wert.
Ministerium: "Energieversorgung gesichert"
Um Sorgen um die Sicherheit der deutschen Stromversorgung zu zerstreuen, verteilte das Bundeswirtschaftsministerium jetzt ein sechsseitiges Pressepapier. Der Tenor: "Die Energieversorgung ist gesichert. Deutschland hat nach wie vor eines der sichersten Stromsysteme weltweit."
Zudem äußerte sich Wirtschaftsminister Robert Habeck selbst über die Deutsche Presse-Agentur. Die abgeschalteten Kohlekraftwerke seien "nun überflüssig und können endgültig vom Netz", ließ er sich zitieren. Die Strompreise seien deutlich gefallen. Ferner stamme der Strom durch den Ausbau erneuerbarer Energien "mittlerweile mehrheitlich aus sauberen, klimafreundlichen Quellen".
Tatsächlich sind die Stromgroßhandelspreise im Vergleich zum Energiekrisenjahr 2022 wieder stark gefallen. Am Dienstagnachmittag wurden Stromprodukte auf der Handelsplattform EEX für die kommenden Monate zwischen 50 und 70 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das Frontjahr notierte bei knapp 80 Euro pro MWh.
Sinkende Stromgroßhandelspreise
Derzeit gehen die Händler für die nächsten Jahre von tendenziell sinkenden Stromgroßhandelspreisen aus. So kostete das Jahresband für 2026 an der Energiebörse EEX 71 Euro. Eine durchlaufende Lieferung für das Jahr 2028 war sogar für lediglich 65 Euro zu haben. (aba)


