Der Wärmebereich macht in Deutschland rund die Hälfte des Endenergieverbrauchs aus. "Dieses riesige Potenzial wird noch immer nicht ausgeschöpft. Dabei werden wir ohne Wärmewende unsere Klimaziele verfehlen", erklärt Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-Ergie AG. Annähernd ein Fünftel der energiebedingten Emissionen geht aktuell auf Heizungen zurück. Dies sind rund 130 Millionen Tonnen pro Jahr, teilt das Unternehmen mit. Bis zum Jahr 2030 muss dieser Wert auf jährlich 70 Millionen Tonnen CO2, also auf annähernd die Hälfte, sinken.
Angesetzt werden müsse dabei an zwei Eckpunkten, so Hasler: "Zum einen muss der Anteil der erneuerbaren Energien in der Gebäudebeheizung von aktuell 14 Prozent signifikant erhöht werden und zum anderen benötigen wir insbesondere in den Ballungsräumen hocheffiziente Fernwärmesysteme auf Basis flexibler Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-)Anlagen und Wärmespeicher."
KWK sinnvoll fördern
Die Kraft-Wärme-Kopplung sei die effizienteste Form der brennstoffbasierten Energieerzeugung. Sie leiste einen essenziellen Beitrag für die sichere Versorgung mit Strom und Wärme und zudem für die Netzstabilisierung. Um die Klimaziele im Gebäudesektor erreichen zu können, müsse die Dekarbonisierung von KWK-Anlagen durch den vermehrten Einsatz von Biomasse und Grüngas vorangetrieben werden. Ziel müsse es sein, den Kunden mehr klimaneutrale Wärme, wie zum Beispiel Abwärme zu liefern, so Hasler.
Er bekräftigt deshalb die Forderung der Kohlekommission nach Schaffung von stabilen Rahmenbedingungen für Investitionen in moderne KWK-Systeme, die eine Umrüstung von Kohle auf Erdgas ebenso umfassen wie die Förderung des Einsatzes von erneuerbaren Wärmequellen und der Nutzung von Abwärmepotenzialen.
Investieren anstatt hohe Strafen zahlen
"Leider hat die Bundesregierung diese Forderungen in ihrem Entwurf zum Kohleausstiegsgesetz so halbherzig umgesetzt, dass kaum Effekte zu erwarten sind. Und zwar schlicht, weil die Anreize für die erforderlichen Umrüstungen fehlen. Als Folge dieses Stillstands drohen enorme Strafzahlungen Deutschlands an die EU", erklärt Hasler. Er verweist auf eine Prognose von Agora Energiewende. Demnach muss Deutschland bei Verfehlung der Klimaziele im Rahmen der Zielverteilungsverordnung (Effort-Sharing-Regelung) der Europäischen Union mit Strafzahlungen in Höhe von bis zu 60 Mrd. Euro rechnen.
"Deshalb wäre eine Verdoppelung des vorgesehenen Budgets für Ausbau und Umrüstung von KWK-Anlagen und Wärmenetzen unter Einbeziehung von erneuerbaren Energien und klimaneutralen Wärmequellen auf rund 3 Mrd. Euro im Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) gut angelegtes Geld. Dagegen wäre es absurd, Strafen zu zahlen, anstatt wirksam in den Klimaschutz zu investieren", betont Hasler.
Er plädiert für eine Modifikation des KWKG
Hasler plädiert deshalb für eine Modifikation des KWKG im Kohleausstiegsgesetz: eine Anhebung der KWK-Zuschläge um mindestens ein Cent/Kilowattstunde über alle Größenklassen zur Abdeckung der tatsächlichen Kosten, die Verlängerung der Laufzeit des KWKG bis 2030 sowie die Anhebung der Deckelung bei der Förderung von Wärmenetzen und -speichern von 40 auf 50 Prozent.
"Eine Verdopplung des Fernwärmeanteils in Wohngebäuden bis zum Jahr 2030 könnte bereits mehr als 20 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Gebäudebereich vermeiden und damit knapp ein Drittel der notwendigen Einsparungen abdecken und wäre zudem ein Beitrag zur Wertschöpfung in der jeweiligen Region. Voraussetzung dafür ist lediglich der ernsthafte politische Wille", resümiert der N-Ergie-Chef. (gun)
