Deutschland

Photovoltaik: "Bürokratiemonster" Mittelspannungsrichtlinie

Bremst bürokratischer Aufwand für die Umsetzung der Mittelspannungsrichtlinie die Photovoltaik zusätzlich aus? Jedenfalls kritisiert dies EES Kempfle, ein großer bayerischer PV-Installationsbetrieb.
07.09.2022

Die Pflicht zur Zertifizierung größerer PV-Anlagen im Rahmen der Mittelspannungsrichtlinie bremst den nötigen Zubau mit aus, so Kritiker.

"Bis heute ist die Einführung der Mittelspannungsrichtlinie ein Bürokratiemonster zur Verhinderung im zügigen Ausbau erneuerbarer Energien. Weniger höflich formuliert, kann von gezielter Sabotage durch die zuständigen Ministerien gesprochen werden", ärgert sich Ulrich Müller, als Beauftragter für Kommunen bei dem Elektrofachbetrieb ESS Kempfle (Leipheim), der seit über 13 Jahren im Bereich Photovoltaik tätig ist.

Im Bereich Photovoltaik gilt die Pflicht zur Zertifizierung für eine Anschlussleistung von 135 kVA, das entspricht einer Nennleistung von ca. 175 kWp. Dass die Dauer der Zertifizierung rund 18 Monate in Anspruch nimmt, ist aus Sicht von Müller ein pikantes Detail. Denn in Deutschland stünden auf diese Weise über 1.000 PV Anlagen still.

Umstrittene Pflicht für die Nachreichung von Zertifizierungs-Unterlagen

Die Bundesregierung hat geplant, dass Anlagen ohne Zertifizierung ans Netz gehen dürfen, diese aber innerhalb einer Frist, es sind 18 Monate im Gespräch, nachreichen müssen. Dieser Ablauf sei mit Blick auf die gemachten Erfahrungen zum eigentlich zum Scheitern verurteilt, so Müller. Denn der Zubau von neuen Anlagen sei im Tempo noch weiter gestiegen, so dass die Lücke zwischen Anlagenmenge und Zertifizierungsstellen immer noch größer werde,

Dieser Missstand sei zwar unter der Vorgängerregierung erzeugt worden. Es sei aber nicht verständlich, weshalb die neue Bundesregierung hier nicht längst eine zeitgemäße Lösung beschlossen habe.

"Erkennbare Behäbigkeit" Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland

"Die erkennbare Behäbigkeit aller Akteure wird für den Wirtschaftsstandort Deutschland damit zum existenziellen Risiko", so Müller. Bekannt sei, dass der Stromverbrauch in Deutschland von bisher 600 Terrawattstunden in den nächsten 10 Jahren auf bis zu 1.000 Terrawattstunden ansteigen werde. Dass der Anstieg nicht noch stärker ist, liege daran, dass viele Einsparmaßnahmen griffen.

Jedoch werde gerade im Bereich Heizung in Zukunft wieder stärker auf Strom gesetzt und als besonderer Faktor komme der Strombedarf der E-Mobilität hinzu. Speziell in diesem Punkt seien die Vernachlässigungen im Bereich Infrastruktur extrem spürbar, so Müller. (hcn)