Nach den Berechnungen von EUPD Research ging die neu installierte Solarstromleistung (Anlagen von 30-750 kW) auf Gewerbedächern in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 18 Prozent zurück. Gleichzeitig fielen die Marktprämien seit Anfang 2020 um 29 Prozent, obwohl die Preise für gewerbliche PV-Dachanlagen deutlich gestiegen sind.
Grund für den 18-prozentigen Preisanstieg von Photovoltaik-Dachanlagen im Leistungsbereich 80 bis 100 kW in den ersten drei Quartalen dieses Jahres sind im Wesentlichen Lieferprobleme und steigende Rohstoffkosten infolge der Corona-Pandemie. Es wird damit gerechnet, dass die Preise kurzfristig weiter steigen und erst ab Mitte bzw. Ende kommenden Jahres wieder entsprechend der langjährigen Lernkurve zurückgehen, so EUPD-Geschäftsführer Martin Ammon auf Nachfrage der ZfK.
"Atmenden Deckel" zu "Solar-Booster" weiterentwickeln
Jedenfalls fordern Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), und Hans-Jürgen Völz, Chefvolkswirt des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), die Ampelkoalitionäre zum Gegensteuern auf, wie sie am Mittwoch bei einer Pressekonferenz unterstrichen. Ansonsten werde der Markt für gewerbliche Solardächer in den kommenden Monaten nochmals um ein Drittel einbrechen und der klimapolitisch nötige, massive Ausbau der Photovoltaik behindert.
Ein Dorn im Auge von BSW und BVMW sind vor allem der ‘atmende Deckel’ des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie Hürden für den Eigenverbrauch von Solarstrom. Der "atmende Deckel", welcher derzeit systematisch zu einer geringen Kompensation für eingespeisten Grünstrom führe, müsse neu kalibriert und angesichts der verschärften Klimaziele zu einem "Solar-Booster" weiterentwickelt werden. Schließlich gehe es darum, die jährlichen Ausbauziele für die Photovoltaik stufenweise auf 20 GW zu vervierfachen.
Auktionierungspflicht auf 1 MW anheben
Zudem erneuerte Körnig seine Kritik an der Einbeziehung von gewerblichen PV-Dachanlagen mit einer Leistung von bis zu 750 kW in die Auktionen, welche solare Investitionen von Mittelständlern massiv erschwere. Nötig sei eine zeitnahe Anhebung der Auktionierungspflicht für Dachanlagen ab 1 MW Leistung.
"Immer mehr Unternehmer wollen in Solartechnik investieren und ihren künftigen Energiebedarf aus erneuerbaren Energien sichern. Dabei treffen sie aber auf immer mehr Marktbarrieren und Bürokratie", beklagte Völz. Er forderte neben einem allgemeinen Bürokratieabbau, insbesondere eine Erleichterung des Eigenverbrauchs von Solarstrom. Denn dieser ist trotz des Preisanstiegs der PV-Systempreise – im Gegensatz zur Einspeisung – immer noch lukrativ.
EEG-Umlage für Eigenverbrauch sowie Personenidentität abschaffen
Doch greife die im EEG-2021 erfolgte Anhebung der Bagatellgrenze der EEG-Umlagenpflicht auf 30 kW als Investitionsanreiz für gewerbliche Solardächer zu kurz, unterstrich Völz. Er fordert grundsätzlich eine Abschaffung der Belastung mit der EEG-Umlage für den Eigenverbrauch von Solarstrom.
Zudem müsse dringend die sogenannte Personenidentität im Zusammenhang mit der EEG-Umlagenbefreiung abgeschafft werden, so Völz. Diese behindere u.a. das Laden von Elektrofahrzeugen mit selbst erzeugtem Solarstrom von Unternehmen. Jeder Verbrauch von selbst erzeugtem Solarstrom auf einem Betriebsgelände sollte als Eigenverbrauch eingestuft werden, forderte Völz.
Ausbildungsoffensive für Fachkräfte
Außerdem forderte Völz die Ampel-Koalitionäre dringend zu einer Ausbildungs-Offensive für Fachkräfte, seien es Installateure, Gerüstbauer oder Dachdecker, auf. Denn der akute Fachkräftemangel behindere ebenfalls massiv den Ausbau der Photovoltaik in Deutschland. (hcn)



