RWE-Vorstandschef Markus Krebber hat die Bundesregierung aufgefordert, sehr zügig die Voraussetzungen für den Bau neuer Gaskraftwerke zu schaffen. „Wir müssen über Versorgungssicherheit reden und brauchen einen massiven Zubau an Gaskraftwerken“, sagte Krebber am Montag beim „Handelsblatt“-Energiegipfel in Berlin. Die Branche benötige Vorlaufzeiten von sechs bis acht Jahren, um neue Gaskraftblöcke ans Netz zu bringen. Daher müssten Investitionsbedingungen und Standorte seitens der Politik schnell geklärt werden, wenn der Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 realisiert werden solle.
„Das muss sofort angegangen werden“, betonte der RWE-Vorstandschef. Die Investoren erwarteten zudem Klarheit über Aufbau und Standort der künftigen Wasserstoffinfrastruktur, da die neuen Gaskraftwerke im Laufe der 30-er Jahre sukzessive auf Wasserstoff umgerüstet werden sollen.
Strategie für grüne Energieimporte
Um bei Gasimporten künftig unabhängiger von Pipelinegas und von einzelnen Lieferstaaten wie Russland zu werden, müsse Deutschland zudem dringend über ein LNG-Terminal verfügen. „Das gehört auf die politische Agenda“, erklärte Krebber. Es gehe in erster Linie um die Diversifizierung der Versorgungssicherheit. Deutschland habe als einziges bedeutendes Industrieland in Europa keinen eigenen LNG-Terminal. Deshalb sei ein solches Projekt wichtig, auch wenn es sich rein ökonomisch für den Betreiber nicht rechne.
Krebber mahnte darüber hinaus eine Strategie für grüne Energieimporte an. So sei es sinnvoll, eine Kooperation zur Offshore-Windkraft mit den Nachbarstaaten Dänemark und Niederlande zu vereinbaren. Diese Staaten hätten vergleichbar lange Küstenabschnitte wie Deutschland, verbrauchten aber deutlich weniger Strom. Auch über den Export von bei industriellen Produktionsprozessen abgeschiedenen CO2 müsse die Bundesregierung nachdenken.
„Unsicherheit bei Energiepreisen wird bleiben“
Mit Blick auf die seit Monaten stark steigenden Energiepreise an den Großhandelsmärkten rechnet der RWE-Chef nicht mit einer baldigen Beruhigung der Lage. „Das dauert länger, bis sich die Preise normalisieren. Die Unsicherheit wird bleiben“, sagte Krebber.
Als Gründe nannte der RWE-Chef die in den vergangenen Jahren zurückgefahrenen Investitionen der globalen Energiekonzerne, die sich immer deutlicher zeigenden Auswirkungen der CO2-Bepreisung in Europa sowie die „extreme Verknappung“ der Stromerzeugungskapazitäten in Deutschland. So werde in Deutschland zwischen den Jahren 2020 und 2025 mehr als ein Viertel der gesicherten Erzeugungsleistung stillgelegt. Der nur zögerliche Ausbau der Erneuerbaren im gleichen Zeitraum könne diesen Wegfall keinesfalls kompensieren.
Keine Angst vor einem großen Blackout
Die Folgen der andauernden Energiepreisinflation für die Haushaltskunden und die Industrie könnten aber nicht energiewirtschaftlich gelöst werden, mahnte Krebber. Hier müsse der Staat vielmehr sozial- und industriepolitisch gegensteuern. Angst vor einem großen Strom-Blackout oder akuten Versorgungsengpässen beim Erdgas habe er jedoch nicht. Zu befürchten sei vielmehr eine „schleichende Entwicklung“, die am Ende auf eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie Deutschlands durch dauerhaft zu hohe Energiepreise hinauslaufe. (hil)



