Die Nutzung des eigenen Fahrzeugs hat seit April 2020 deutlich zugenommen, der öffentliche Nahverkehr und Shared-Mobility verlieren weiter an Attraktivität.

Die Nutzung des eigenen Fahrzeugs hat seit April 2020 deutlich zugenommen, der öffentliche Nahverkehr und Shared-Mobility verlieren weiter an Attraktivität.

Bild: © Bernd von Jutcrzenka/dpa

Je schneller die Verkehrswende vorangetrieben würde, desto mehr Emissionen und Kosten ließen sich einsparen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sollte die Bundesregierung daher stärker öffentliche Investitionen ermöglichen und private Investitionen anreizen. So lautet das Kernergebnis einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos im Auftrag von Agora Verkehrswende.

Ein zentraler Hebel ist demnach, den Verkehr zu verlagern: von Verbrennungsmotoren auf elektrische Antriebe, von der Straße auf die Schiene und von Privat-PKWs auf Bus, Bahn, geteilte Fahrzeuge, Fahrrad und Fußverkehr.

Sollte die Regierung zu lange damit warten, müssten die Klimaziele im Verkehr teurer erkauft werden. Wenn "umfassende zusätzliche Maßnahmen" erst im Jahr 2030 ergriffen würden, dann ließen sie sich nur mit Mehrkosten von rund 500 Milliarden Euro erreichen, zeigt eines von insgesamt drei Szenarien. "Politisches Zögern hat einen Preis", betont die stellvertretende Direktorin von Agora Verkehrswende, Wiebke Zimmer.

Handeln ist geboten

Politisches Handeln ist aber geboten. Denn mit den aktuell beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen würden die Klimaziele verfehlt. Bis 2045 würde der Verkehrssektor dann 590 Millionen Tonnen CO2 mehr ausstoßen, zeigt die Studie. Der Preis bemesse sich also entweder in Geld oder in Treibhausgasen, "mit all den damit verbundenen Risiken", so Zimmer weiter.

Würde die Regierung dagegen "unverzüglich", das heißt ab 2025, handeln, könnte der Verkehrssektor bis dato ohne Mehrkosten oder Mobilitätseinbußen klimaneutral werden. Aus Sicht des Thinktanks wäre dies volkswirtschaftlich richtig. Jedoch fehle es am politischen Willen.

8 statt 500 Milliarden Euro mehr

Die Autorinnen und Autoren summieren die Gesamtkosten der aktuellen, nicht ausreichenden Maßnahmen für die Verkehrswende auf fast 10 Billionen Euro oder 10.000 Milliarden Euro bis 2045. Beginnt der Bund erst 2030 damit, verstärkt Klimaschutz zu betreiben, würde es rund 500 Milliarden Euro zusätzlich kosten. Fünf Jahre eher, 2025, lediglich 8 Milliarden Euro mehr.

Ein verbindliches Ziel für den Verkehr ist mit der Novelle des Klimaschutzgesetzes (KSG) aufgehoben – es gelten die Gesamtemissionen. Sollte der Sektor sein Ziel dennoch reißen, muss das Verkehrsministerium Sparmaßnahmen vorschlagen. Das KSG muss noch am 17. Mai den Bundesrat passieren, dann tritt es in Kraft.

Höhere Anfangsinvestitionen

Die Agora Verkehrswende räumt zwar ein, dass in dem zügigen Szenario vor allem anfangs höhere Investitionen nötig seien – insbesondere für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und für die Anschaffung von E-Fahrzeugen. Das werde sich jedoch schon ab den frühen 2030er Jahren auszahlen.

Laut dem Thinktank berücksichtigt die Studie alle direkten Kosten des Verkehrssystems. Neben den Investitionskosten seien das etwa die für Tank- und Ladeinfrastruktur, aber auch Betriebsausgaben. Auf der anderen Seite wird eingepreist, wenn Klimaschäden vermieden werden – ausgenommen Luftverschmutzung, Lärm und Flächenverbrauch.

Weiter wird betont, dass alle berechneten Szenarien die gleiche Transportleistung im Personen- und Güterverkehr ermöglichen. Die Zielszenarien erreichen darüber hinaus aber auch eine deutliche Verkehrsverlagerung. Die gesamte Studie möchte Agora Verkehrswende zeitnah auf der eigenen Website veröffentlichen. Eine 22-seitige Zusammenfassung ist dort bereits als PDF verfügbar. (dz)

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