Um in den nächsten Jahren die Versorgung mit grünem Wasserstoff zu sichern, setzt die Bundesregierung stark auf Importe aus wind- und sonnenreichen Regionen wie Nordafrika oder Chile. Eine Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft, Fraunhofer UMSICHT und Wuppertal Institut kommt jedoch zu einem ernüchternden Ergebnis: Selbst wenn die betrachteten Exportländer ihre Wasserstoffproduktionen nur nach Deutschland liefern würden, könnte der Bedarf an Wasserstoff bis 2030 nicht vollständig gedeckt werden.
Das Problem: Der Ausbau von erneuerbaren Energien in Ländern wie Chile, Marokko, Spanien und den Niederlanden kommt nur schleppend voran. Hinzu kommt laut der Analyse, dass der Transport großer Mengen Wasserstoffs per Pipeline oder Schiff noch in der Entwicklung beziehungsweise Genehmigung steckt und nicht schnell genug umgesetzt werden kann. Stand heute wäre der Transport nur über Lkw denkbar, diese können jedoch nur geringe Mengen transportieren und stoßen dabei selbst CO2 aus, wodurch die Nachhaltigkeit des Wasserstoffs beeinträchtigt wird.
Heimische Produktion massiv erhöhen
Solange der Bedarf über Importe nicht gedeckt werden kann, muss die inländische Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren Energien massiv erhöht werden, schreiben die Wissenschaftler. Dafür wiederum bräuchte es in den nächsten Jahren viel grünen Strom, dessen Erzeugung in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde. Zudem müssen Genehmigungsverfahren für die nötige Erzeugungs- und Transportinfrastruktur beschleunigt werden. Die Forscher empfehlen, Vorhaben im Zusammenhang mit Wasserstoff höher zu priorisieren.
Sich von Importen abzuwenden wäre jedoch angesichts des hohen zukünftigen Wasserstoffverbrauchs auch ein Fehler: „Die bisherigen bilateralen Vereinbarungen sind sinnvoll, um erste Partnerschaften zu etablieren und gewisse Sicherheiten zu schaffen“, sagt IW-Studienautor Malte Küper. „Dabei sollten wir uns aber nicht zu stark von einzelnen Herstellungsländern abhängig machen, sondern unser Importportfolio von Anfang an breit aufstellen.“ Hier wäre zudem ein gemeinsames europäisches Vorgehen wichtig – besonders, um weltweite Standards bei der Nachhaltigkeit zu setzen. (amo)



