Die Stadtwerke-Holding Thüga bewertet die Bereitschaft der künftigen Ampelkoalition zu deutlich mehr Tempo beim Klimaschutz positiv, mahnt aber bei der konkreten Umsetzung weitere Präzisierungen unter Einbindung der Stadtwerke und Kommunen an. „Neben allen harten Fakten, die es im Hinblick auf die Energieversorgung und Versorgungssicherheit im Koalitionsvertrag zu erfassen gilt, vermissen wir einen Aspekt besonders: ein kommunales Empowerment - die Einbeziehung und Verantwortung der Kommunen und ihrer Stadtwerke bei der Entwicklung und praktischen Umsetzung aller erforderlichen Regularien und Maßnahmen”, erklärte der Vorstandsvorsitzende Michael Riechel am Montag in einer Mitteilung des Münchner Unternehmens.
Positiv sei, dass sich der Koalitionsvertrag für ein kooperatives Miteinander mit den Kommunen ausspreche. Das Ziel seien demnach leistungsfähige Kommunen mit einem hohen Maß an Entscheidungsfreiheit vor Ort. „Da nehmen wir die Politik gerne beim Wort und bringen uns mit unseren Partnerunternehmen weiter in den Dialog und die Ausgestaltung ein”, so Riechel. Die Bürgerinnen und Bürger müssten bei der Energie- und Klimawende mitgenommen werden. Alle Maßnahmen sollten „bezahlbar und sozialverträglich“ umgesetzt werden.
Kein harter Schnitt zwischen neuer und alter Energiewelt
Die künftige Ampelkoalition habe Erdgas als Übergangstechnologie festgeschrieben, was ein wichtiges Zeichen für die Branche sei, erklärte der Thüga-Chef weiter. Bei Umbau der Energiewelt könne es „keinen harten Schnitt zwischen alter und neuer Energiewelt“ geben, sondern nur eine Transformation.
Die künftige Rolle von Wasserstoff müsse als notwendig „über alle Sektoren hinweg“ definiert werden. Der Einsatz in der Energieversorgung, insbesondere im Wärmebereich, solle deshalb noch deutlich gestärkt werden. Ohne „klimaneutrale Moleküle“ werde die Wärmewende nicht gelingen können. In Deutschland existiere eine „weitläufige Gasinfrastruktur, die kurzfristig und mit geringem Aufwand genutzt werden“. „Von der Politik wird dieser Aspekt bis dato aber noch zu wenig in Betracht gezogen – hier wünschen wir uns eine entsprechende Flankierung“, sagte Riechel.
Ziele der Ampel für Erneuerbaren-Ausbau "sehr ambitioniert"
Die Pläne der Ampelkoalition zum beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien - 80-Prozent-Anteil beim Strom bis zum Jahr 2030 bei steigendem Verbrauch - seien „sehr ambitioniert“, so Riechel. Um dieses Ziel auch wirklich zu erreichen müssten der Stromnetzausbau – gerade auf der Verteilnetzebene – mithalten und die Verteilnetzbetreiber über die Regulierung in die Lage versetzt werden, die notwendigen Investitionen zu stemmen. Hier würden im Koalitionsvertrag zu Recht attraktive Investitionsbedingungen gefordert, die auch im EU-Vergleich bestehen könnten. (hil)



