Ende kommender Woche will die Regierungskoalition das Gesetzespaket zum Kohleausstieg endgültig verabschieden, doch um die Kompensation und Ausstiegsvoraussetzungen für die Betreiber von Steinkohlekraftwerken wird noch verhandelt. Das Management der Stadtwerke-Kooperation Trianel hat die Position der Betreiber vergleichsweise junger Blöcke nochmals bekräftigt. "Eine entschädigungslose Stilllegung von Anlagen, die bis 2030 noch nicht einmal ihre Investitionskosten verdienen können, ist für uns inakzeptabel", bekräftige der Sprecher der Geschäftsführung, Sven Becker, auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens aus Aachen am Freitag. "Das werden wir nicht hinnehmen", erklärte er.
Die jüngst bekannt gewordenen Änderungen zum ursprünglichen Gesetzesentwurf stellten ausschließlich für bereits seit Jahrzehnten in Betrieb befindliche Steinkohleblöcke eine Verbesserung dar. "Das adressiert auf keinen Fall das Problem unserer Assets", betonte Becker. Der Trianel-Chef beklagte eine "Unwucht in der öffentlichen Wahrnehmung". "Es geht hier nicht um die Vergoldung eines Ausstiegs. Wir würden Millionen verlieren," erklärte der Manager.
Risikovorsorge nochmals leicht erhöht
Das Trianel-Steinkohlekraftwerk in Lünen (750 MW) ist 2013 ans Netz gegangen, an dem Block sind rund 30 Stadtwerke beteiligt. Insgesamt wurden 1,4 Milliarden Euro investiert. Die kommunalen Anteilseigner befürchten bei einer Stilllegung ohne vorab klar definierte Entschädigungen wie bei den Braunkohlekraftwerken millionenschwere Abschreibungen. Für Trianel selbst (Anteil 6,3 Prozent) stelle eine vorzeitige Stilllegung des erst seit sechs Jahren Strom liefernden Kraftwerks Lünen "ohne angemessene Entschädigung" das derzeit größte Unternehmensrisiko dar, sagte Becker. Auch deshalb sei die Risikovorsorge auf 4,8 Mio. Euro nochmals leicht erhöht worden.
Der ursprüngliche Plan der Bundesregierung, wonach sich die Betreiber der Steinkohlekraftwerke bis 2026 in einem Ausschreibungsverfahren darauf bewerben können, Blöcke gegen Entschädigungen vom Netz zu nehmen und anschließend entschädigungslos stillgelegt wird, soll jüngsten Meldungen zufolge abgemildert werden.
"Energiewende-Reserve" als alternative Lösung
So sollen die Ausschreibungsrunden bis 2027 verlängert und der Deckel für die maximale Entschädigung angehoben werden. Für den Trianel-Block Lünen würde ein Ausstieg 2027 unter diesen Prämissen bedeuten, dass die Eigentümer nach nur 14 Betriebsjahren lediglich 5 Prozent der Investitionssumme zurückerhielten, rechnete Becker vor. Laut Geschäftsbericht hat Lünen 2019 einen Jahresfehlbetrag von rund 36 Mio. Euro erwirtschaftet.
Becker brachte für die acht jungen Steinkohlekraftwerke erneut die Lösung einer "Energiewende-Reserve" ins Spiel, mit der ein Kohleausstieg bis 2038 "rechtssicher und eigentumswahrend" für die betroffenen Betreiber ermöglicht werden könnte. Dies könne mit einem "intelligenten Finanzierungsmix" umgesetzt werden. (hil)
