Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung.

Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung.

Bild: © Trianel

ZfK: Sie haben nicht nur ein Kohlekraftwerk, sondern auch ein modernes 800-MW-GuD-Kraftwerk am Standort Hamm-Uentrop. In der politischen Landschaft wurde ja zuletzt auch der Ruf nach einem möglichst schnellen Gasausstieg laut. Wie sehen Sie diese Diskussion?

Becker: Man muss unterscheiden zwischen energiewirtschaftlicher Logik und politischer Logik. Wenn wir den Kohleausstieg vollzogen haben, wird Gas in die erste Reihe rücken. Da wird es auch Rufe geben nach dem Ausstieg aus gasbefeuerten Erzeugungsanlagen, was natürlich das Investitionsklima erschweren wird. Das ist die politische Logik. Die energiewirtschaftliche Gemengelage ist so, dass man sich überlegen muss, wo denn der Strom zukünftig herkommen soll. Wir sind dann irgendwann aus der Kohle raus, Kernenergie ist nicht mehr. Bei PV und Wind haben wir immer noch das Phänomen der Dunkelflaute. Der Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur bis 2035 sieht deswegen einen Bedarf von 17.000 MW neuen Gaskraftwerken vor. Das sind etwa 20 GuD-Kraftwerke mit 800 MW.Das entspricht einem Investitionsvolumen von rund 14 Milliarden Euro. Das ist die energiewirtschaftliche Logik. Ich frage mich aber, wer wird da investieren, wenn er nicht eine Garantie bekommt, dass er nicht über 20 bis 25 Jahre das Gaskraftwerk zurückverdienen kann?

ZfK: Wie lange ist die Stromerzeugung aus konventionellem Gas noch notwendig?

Becker: Wir haben eine Höchstlast von 83.000 MW. Von der Tendenz her wird das eher steigen. Die Bundesregierung postuliert zwar für 2030 eine Reduzierung des Stromverbrauchs von 600 auf 550 Terawattstunden. Tatsächlich haben wir im vergangenen Jahr aber ein Wachstum gesehen. Und ich erwarte - ähnlich wie das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) und andere unabhängige Gutachter - dass die Stromnachfrage eher steigt. Als Treiber zusätzlicher Nachfrage haben wir die Elektromobilität, den Mobilfunkstandard 5G und neue Rechenzentren wegen der fortschreitenden Digitalisierung. Drittens haben wir die Dekarbonisierung in der Industrie, was den Stromnachfrage dort verdreifacht. Mit dieser Steigerung der Nachfrage sollte die maximale Last über die 83.000 MW steigen. Wenn wir jetzt nur Erneuerbare haben und eine Dunkelflaute erleben, also einen kalten Februartag, Hochdruckgebiet, kein Wind, keine Sonne. Da haben sie vielleicht eine residuelle Erzeugung aus Wind und PV von 1.000 MW. In einem solchen Fall müssten sie 82.000 MW dann aus Speichern und Flexibilität darstellen. Ich weiß nicht, wo das herkommen soll. Da brauchen Sie massive, stabile Back-up-Kapazitäten. Und das können nur Gaskraftwerke sein.

ZfK: Wie ist derzeit die konkrete wirtschaftliche Situation in ihrem GuD-Kraftwerk Hamm-Uentrop?

Becker: In der jetzigen Phase sehen wir deutlich, dass unser Gaskraftwerk wieder mehr nachgefragt wird. Das Kraftwerk leistet einen Ergebnisbeitrag, ist aber weiterhin nicht vollkostendeckend.

ZfK: Noch immer nicht?

Becker: Das GuD-Kraftwerk Hamm-Uentrop erwirtschaftet einen stabilen Deckungsbeitrag, der aber natürlich nicht reicht, um die Kapitalkosten eines jungen Kraftwerks zu decken. Aber, wir sehen eine positive Entwicklung und erwarten auch, dass Gaskraftwerke langfristig wieder im Markt bestehen werden. Deswegen jetzt aber gleich nach Kraftwerksinvestitionen zu rufen - da halten wir uns erst Mal zurück.

ZfK: Ab wann wird denn Hamm-Uentrop wieder seine Vollkosten decken?

Becker: Ab dem Jahr 2025 sollte das GuD-Kraftwerk mit dem fortlaufenden Stein- und Braunkohleausstieg auch auf Vollkostenbasis rentabel arbeiten. 

Die Fragen stellte Klaus Hinkel

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Ein ausführliches Interview mit Trianel-Chef Sven Becker zur Kritik des Stadtwerke-Lagers an dem Gesetzentwurf zum Kohleausstieg und den konkreten Auswirkungen auf die Trianel-Gruppe lesen Sie in der aktuellen März-Ausgabe der ZfK. 

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