Das Bundesforschungsministerium macht Druck, dass eine ambitionierte nationale Wasserstrategie endlich auf den Weg kommt.

Das Bundesforschungsministerium macht Druck, dass eine ambitionierte nationale Wasserstrategie endlich auf den Weg kommt.

Bild: © Thomas/AdobeStock

Bereits seit Monaten ringen die verschiedenen beteiligten Bundesministerien um die Inhalte und Ausrichtung einer Nationalen Wasserstoffstrategie. Deren Verabschiedung durch das Bundeskabinett war bereits mehrfach angekündigt und wurde jeweils verschoben, so auch Mittwoch dieser Woche. Doch nun zeichnet sich eine Verabschiedung am 3. Juni im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets ab, auch weil Bundesforschungsministerin Anja Karliczek Druck macht.

"Wir sind zuversichtlich, dass sich die letzten Abstimmungen in Kürze abschließen lassen und die Strategie am 3. Juni im Bundeskabinett verabschiedet wird", sagte Mirja Menke, Sprecherin des Bundesforschungsministeriums (BMBF) gegenüber der ZfK. "Ministerin Karliczek hat immer erklärt, dass die Nationale Wasserstoffstrategie mit ambitionierten Zielen und zügig im Kabinett beschlossen werden sollte", ergänzte sie.

BMWi-Kompromissvorschlag für Elektrolyseurleistung

Ein offener Punkt ist derzeit noch der sowohl von Karliczek (CDU) als auch von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) geforderte Ausbau der Elektrolyseurleistung in Deutschland bis 2030 auf zehn Gigawatt (GW) zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Das federführende Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hält dies für zu ambitioniert und präferiert Elektrolyseure mit einer Leistung von 3 bis 5 GW in Deutschland bis 2030 zu installieren.

Denn es ergäbe sich eine Flächenkonkurrenz durch die Wasserstoffelektrolyse bei der Nutzung erneuerbaren Energien. Aufgrund des hohen zusätzlichen Strombedarfs für die Herstellung grünen Wasserstoffs werde das 65-Prozent-Ausbauziel für erneuerbaren Strom bis 2030 durch zu weitgehende Zielsetzungen für die nationale Elektrolyseurleistung gefährdet.

Kompromissvorschlag des BMWi

Als Kompromiss schlägt nun das BMWi vor, auch Projekte mit europäischen Partnern und Importe zu berücksichtigen "Zum Streitpunkt Elektrolyse Leistung, d.h. 5 GW oder 10 GW haben wir einen Kompromissvorschlag erarbeitet. Man könnte daher unterscheiden zwischen Elektrolyseleistung, die rein national erzeugt wird und Elektrolyseleistung, die mit europäischen Partnern oder Importen erreicht wird. Das erreicht das Ziel die Technologie in Deutschland voranzubringen, stellt aber zugleich ehrlich dar, dass Importe aus dem Ausland erforderlich sind", sagte BMWi-Sprecherin Anna Sophie Eichler gegenüber der ZfK.

Gerade in Zeiten der Corona-Krise seien auch die Kosten zu berücksichtigen. Die Erzeugung von grünem Wasserstoff sei insbesondere kurz- und mittelfristig mit erheblichen Kosten für die Bürger und Stromkunden verbunden. "Auch das muss man bei der Festlegung eines ambitionierten, aber realistischen Ziels berücksichtigen. Denn das schlägt z.B. über die EEG-Umlage am Ende beim Stromverbraucher erheblich zu Buche", so Eichler.

BMU zeigt sich zuversichtlich

Ein weiterer offener Punkt, über den derzeit verhandelt wird, sind Besetzung und Kompetenzen eines von Karliczek geforderten Wasserstoff-Rats und eines Innovationskoordinators, der die Umsetzung der Strategie begleiten soll. "Da eine Besetzung mit Politikern hier nicht zielführend ist, plädieren wir hier für Expertenlösung, eine Art Sachverständigenrat, der mit Experten die Bundesregierung unterstützen und beraten kann", sagte Eichler.

Optimistisch darüber, dass in Bälde ein Kompromiss bei der Wasserstoffstrategie gefunden werden kann, zeigt sich das Bundesumweltministerium (BMU). "Die Strategie ist auf einem guten Weg, wir sind soweit zufrieden", sagte BMU-Sprecher Christopher Stolzenberg auf Anfrage der ZfK. Alle wesentlichen Forderungen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), so der Vorrang für grünen Wasserstoff, dessen prioritärer Verwendung für den Güter, Schiffs- und Luftverkehr sowie die Industrie und eine Beimischungsquote von erneuerbarem herstellten Kerosin für Flugzeuge in Höhe von zwei Prozent bis 2030, seien berücksichtigt worden.

Kehler: Internationale Kooperation und Marktrahmen zentral

Die Notwendigkeit einer internationalen Kooperation und der Schaffung attraktiver Marktbedingungen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft unterstreicht Tim Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas, auf Anfrage der ZfK.

"Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie bereitet die Bundesregierung den Weg für eine Wasserstoffwelt. Damit legt sie einen energiepolitischen Meilenstein, der weit über die nationalen Grenzen hinweg wirken wird. Damit Deutschland seine Rolle in dieser neuen Energiewelt aber auch behaupten kann, müssen wir uns vom nationalen Fokus lösen. Denn der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft wird nur gemeinsam mit unseren Partnern gelingen. Und natürlich nur dann, wenn die politischen Rahmenbedingungen für Investitionen stimmen", unterstreicht Kehler.

"Investitionen werden nur getätigt, wenn sie auch Geld abwerfen"

"Wir freuen uns über jedes Gigawatt an zusätzlicher Elektrolyseleistung, das installiert werden soll. Investitionen in solche Anlagen werden aber nur getätigt, wenn sie auch Geld abwerfen. Dafür braucht es einen stabilen Markt mit Abnehmern in verschiedenen Sektoren." Als Innovationskoordinator müsse jemand bestellt werden, der "als wirtschaftsnaher Kümmerer und Antreiber eine echte Wasserstoffwirtschaft aufbauen wird und dabei auch die Internationalität des Themas nicht aus dem Blick verliert", so Kehler. (hcn)

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