Die Bundesregierung zieht gut ein Jahr nach dem Start ihrer "Nationalen Wasserstoffstrategie" eine positive Zwischenbilanz. Die Strategie sei mit Nachdruck vorangetrieben und wichtige Grundlagen für Investitionen aus der Wirtschaft und für Forschungsinitiativen seien geschaffen worden, heißt es in einem ersten Zwischenbericht, der an diesem Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedet wurde. Verwiesen wird darin unter anderem auf 62 "Wasserstoff-Großprojekte", die mit insgesamt acht Mrd. Euro gefördert würden. Dabei handelt es sich um Projekte zur Wasserstofferzeugung, zur Nutzung im Verkehr bis hin zu Anwendungen in der Industrie.
"Wir haben in vielen Bereichen große Projekte auf den Weg gebracht", sagte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) der dpa. Klar sei aber auch, das Tempo des Einstiegs in eine Grüne Wasserstoffwirtschaft müsse in den nächsten Jahren noch weiter gesteigert werden. Auch der Wasserstoffbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Kaufmann (CDU), mahnte weitere Anstrengungen an. Kaufmann forderte ein Sofortprogramm etwa mit Modellregionen für Grünen Wasserstoff und "eine Vorfahrt für Investitionen in innovative Wasserstofflösungen im Genehmigungs- und Ordnungsrecht".
Wasserstoff "endlich" breiter denken
Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer, sieht die Bilanz durchwachsen: "Es ist gut und richtig, dass sich Politik kontinuierlich mit dem Thema Wasserstoff befasst. Leider ist dies aber noch keine Erfolgsstory, sondern eine Großbaustelle." Vor allem müsse Wasserstoff "endlich breiter" gedacht werden. "Natürlich gibt es Sektoren wie die Schwerindustrie, die zur Erreichung der Klimaneutralität auf Wasserstoff angewiesen sind. Wasserstoff bietet aber noch deutlich mehr Potenziale", so Liebing.
Ein erfolgreicher Markthochlauf brauche Vielfalt, Dynamik und Innovation. "Diese beweisen wir schon heute mit vielen Dutzend Wasserstoffprojekten bei den Stadtwerken" Wasserstoff solle deshalb dezentral produziert und genutzt werden und entsprechende Projekte mit einer Förderung vergütet werden. Auch stärker internationale Lieferbeziehungen vorbereiten und frühzeitig Wasserstoff und Gas gemeinsam regulieren, sei wichtig. Der Bundestag hat der Bundesregierung dazu Handlungsaufträge erteilt. "Gemeinsame Regulierung von Gas und Wasserstoff ist das Ziel, um den Gassektor zu dekarbonisieren. Diese Aufgabe bleibt auf der Agenda für die kommende Wahlperiode, denn wir brauchen Klarheit und einen insgesamt breiteren und offenen Ansatz bei der Förderung von klimaneutralen Technologien", sagt Liebing.
(dpa/gun)
