Jochen Homann, Präsident der BNetzA, sieht in der Befragung erläutert die Bedeutung der Befragung für die regulatorischen Rahmenbedinungen.

Jochen Homann, Präsident der BNetzA, sieht in der Befragung erläutert die Bedeutung der Befragung für die regulatorischen Rahmenbedinungen.

Bild: © Bundesnetzagentur

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur (BnetzA), verteidigt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) die Entscheidung seiner Behörde für eine Obergrenze des Windkraftausbaus in Norddeutschland. Der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte ihm vorgeworfen, die Erneuerbaren auszubremsen und eine Streichung der regionalen Beschränkungen gefordert. Homann begründet den Ausbaudeckel mit den fehlenden Netzkapazitäten, um den Windstrom auch abzutransportieren. "Der Ausbau von Windkraft und Leitungen muss Hand in Hand gehen. Sonst würde es für den Verbraucher noch teurer, weil noch mehr Windräder noch öfter gegen Entschädigungszahlungen vom Netz genommen werden müssten."

Durch gestiegene Kosten bei den Stromnetzsicherheitsleistungen könnten die Kunden künftig dennoch mehr zahlen müssen. Die Leistungen beliefen sich im ersten Quartal auf knapp 500 Mio. Euro. Letztes Jahr waren es insgesamt 1,4 Mrd. Euro. Der BNetzA-Präsident rechnet trotz der üblichen Schwankungen mit einem steigenden Trend. Gründe dafür seien der langwierige Leitungsausbau und neue EU-Vorschriften für den grenzüberschreitenden Stromhandel.

Leitungsausbau und grenzüberschreitender Stromhandel erhöhen Kosten

Bei den Leitungen seien von erforderlichen 7700 Kilometern im Übertragungsnetz aktuell nur rund 1100 Kilometer fertiggestellt. "Den Fortschritt allein in gebauten Kilometern zu messen vermittelt aber ein schiefes Bild. Wichtig ist, dass wir in den Planungs- und Genehmigungsverfahren aktuell gut vorankommen und uns da im Rahmen der Terminvorgaben bewegen", sagt Homann. Im Genehmigungsverfahren seien aktuell 4600 Kilometer.

Die neuen EU-Regeln schrieben vor, dass an den Grenzen von 2021 an mehr Kapazität für den europäischen Stromhandel bereitgehalten werden müsse. Diese steige jährlich an, bis Ende 2025 das vorgegebene Zielniveau erreicht sei. "Das wird das innerdeutsche Netz weiter belasten und erfordert zusätzlichen Redispatch. Da liegt ein Risiko für noch mal deutlich steigende Kosten." Hier gebe es nur einen Ausweg: "Wir brauchen neue Leitungen, um die Engpässe im deutschen Netz zu beheben."

Netzausbau hängt am Wohlwollen der Nachbarländer

Da Tennet zu hundert Prozent dem niederländischen Staat gehört und 50Hertz indirekt zu 80 Prozent vom belgischen Staat kontrolliert wird, wird Homann die Frage gestellt, ob der Netzbausbau vom Wohlwollen unsere Nachbarländer abhänge. Der Präsident der Bundesagentur stimmt zu, das in den nicht in Deutschland sitzenden Aufsichtsräten auch andere Interessen berücksichtigt werden. Doch beide Unternehmen hätten ein großes Interesse am deutschen Netzausbau, "da sie daran verdienen wollen". Außerdem seien sie der Sicherheit der Stromversorgung verpflichtet und würden von der Behörde reguliert.

Obwohl im Juni vorübergehend zu wenig Strom im Netz gewesen sei und die Regelenergie knapp wurde, sei ein Blackout nicht zu befürchten gewesen, berichtet Homann. Die Ursachen sind weiterhin unklar, die Untersuchungen laufen noch. Möglich seien zum Beispiel Fehler in der Wetterprognose oder riskantes Spekulieren der Bilanzkreisverantwortlichen, so Homann. Ergebnisse der Untersuchungen könnten nicht vor der nächsten Beiratssitzung erwartet werden.

Netzbetreiber sollen mehr Regelenergie vorhalten

Wichtiger sei außerdem, "dass die Netzbetreiber nun mehr Regelenergie vorhalten und diesen Bedarf situationsabhängig anpassen, um Risiken für die Versorgungssicherheit zukünftig zu minimieren". Außerdem hätte die BNetzA ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. "Gefährliche Unterdeckungen der Bilanzkreise sollen sich nicht lohnen. Vorgänge wie im Juni dürfen sich nicht wiederholen."

Um die ins Stocken geratene Windkraft wieder anzukurbeln erwartet Homann, das auf dem Windkraft-Gipfel am 5. September im Bundeswirtschaftsministerium handfeste Ergebnisse erzielt werden. Auch die Bundesländer seien dabei gefragt. Unter ihre Zuständigkeit fiele das Ausweisen von mehr Flächen für Anlagenstandorte sowie die Festlegung der Abstandsregelungen. Weitere Probleme seien weiterhin die Akzeptanzproblematik für Projekte bei den Bürgern sowie auch Konflikte mit der Flugsicherung. (pm)

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