Eine Annäherung der Positionen war bei dem virtuellen Panel "Netzregulierung umstrukturieren: Wie Investitionen und Personal im Netz gesichert werden" im Rahmen des Energie-Gipfels des Handelsblatts am Freitag nicht zu erkennen. Westenergie-Chefin Reiche und Bundesnetzagentur(BNetzA)-Präsident Homann lieferten sich einen Schlagabtausch.
Reiche verwies auf die gestiegenen Anforderungen und Aufgaben durch die Energie- und Verkehrswende an die Verteilnetzbetreiber und den erhöhten Investitions- und Finanzierungsbedarf für die Verteilnetze. Homann verteidigte die derzeitigen Regelungen und warnte vor höheren Renditen für die Netzbetreiber im Rahmen der Regulierung, welche die eh schon hohen Strompreise weiter nach oben treiben würde.
Sorge vor einer weiteren Abschmelzung des EKZ
Anpassungsbedarf für eine verbesserte Netzfinanzierung sieht Reiche vor allem beim Eigenkapitalzins (EKZ), der Sockelfinanzierung sowie dem sektoralen Produktivitätsfaktor. "Mit Sorgen sehen wir, dass über eine weitere Abschmelzung nachgedacht wird“, sagte Reiche in punkto EKZ. „Wir wollen, dass getätigte Investitionen nicht entwertet werden", unterstrich Reiche in punkto Sockelfinanzierung.
Zudem stelle sich die Frage, ob der sektorale Produktivitätsfaktor als eine Art Fitnessfaktor für die Netze tatsächlich noch angemessen sei. Über diese drei Punkte wolle man im Wesentlichen mit der Bundesnetzagentur und dem Bundeswirtschaftsministerium sprechen, so Reiche.
Strompreise müssen bezahlbar bleiben
Bei Jochen Homann stieß sie damit allerdings bei dem Panel ziemlich auf Granit. Zwar stimmte der BNetzA-Chef der Einschätzung zu, dass die Anforderungen für die Verteilnetzbetreiber durch die Energiewende stark gewachsen sind.
Doch müsse die Regulierung auch bezahlbar bleiben und die Strompreise nicht weiter anheizen. Deshalb müsse die Bundesnetzagentur beide Seiten im Auge haben, nämlich Netzbetreiber, die investieren wollen und die Netznutzer, die "das Ganze zu bezahlen haben".
Kein Problem bei der Finanzierung von Investitionen
Zum EKZ sagte Homann: "Da haben wir im Moment eine Situation, wo auch niemand aus der Branche sagen würde, dass es im Moment irgendein Problem bei der Finanzierung von Investitionen geben würde“. Es gebe genug Kapital, es stehe zur Verfügung, es werde angeboten, "um nicht zu sagen aufgedrängt der Branche", so Homann.
Allerdings mache sich die Branche berechtigt Gedanken darüber, wie es in Zukunft beim EKZ weitergehen werden, wenn sich das Zinsumfeld verändern, sprich die Zinsen am Kapitalmarkt wieder steigen würden, so Homann. "Offenbar ist das Vertrauen der Branche in die Bundesnetzagentur nicht ausreichend groß, dass wir auf eine solche Situation selbstverständlich reagieren würden", sagte Homann. Diese Zusage habe man jedoch gegeben und sie gelte.
Fehlende Netzinvestitionen kommen teuer zu stehen
Reiche widersprach dieser Einschätzung einer Geldschwemme und verwies darauf, dass internationale Investoren eher in die erneuerbare Erzeugung in Deutschland investierten als in die Netze. Zudem verwies sie auf eine BDEW-Studie, demnach der EKZ in Deutschland im internationalen Vergleich um etwa einen 1 Prozentpunkt hinterherhinkt und nötige Investitionen ausbremst..
Nötig seien bis 2030 Investitionen in deutsche Verteilnetze von mindestens 32 Milliarden Euro, bis 2050 111 Milliarden, so Reiche. Wer nun sage "man muss nicht investieren, dann wird es schon billiger werden, liegt fehl", konstatierte Reiche im Hinblick auf die Homann ins Feld geführten hohen Strompreise. Denn ansonsten würde für Ausgleichsmaßnahmen wie das Abriegeln erneuerbarer Energien oder Redispatchmaßnahmen auch viel Geld anfallen. Gefragt sei deshalb ein kluger Weg, das Kapital effizient zu allokieren und Investitionen in intelligentere Netze zu leiten, argumentierte Reiche.
EKZ nicht ausschlaggebend für Investitionen
Stimmt es, dass die Bundesnetzagentur Innovationen verhindert? Das wollte der Moderator von Homann wissen. Der konterte, dass die Branche ja schließlich erst kürzlich den Kapitalkostenabgleich durchgesetzt habe, sprich was an Kapital investiert werde, werde zeitnah vergütet. Auch Investitionen in Digitalisierung würden hier vergütet und erhöhte Betriebskosten (OPEX) könnten im Rahmen der derzeit gültigen Regulierung finanziert werden.
"Wenn wir über die Eigenkapitalverzinsung reden, reden wir nicht über die Frage, ob Investitionen möglich oder nicht möglich sind", so Homann. Sondern hierbei gehe es allein um die Frage, wie hoch die Rendite sein soll, die der Branche zugestanden wird, so Homann. (hcn)
Zum Weiterlesen: In der aktuellen Januarausgabe der ZfK finden Sie ein ausführlicheres Interview mit Jochen Homann.
