Zum mittlerweile vom Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) zurückgezogenen Gesetzesentwurf zu steuerbaren Verbrauchern haben die Verbände B.KWK, ASUE und das BHKW-Forum Vorschläge für ein System vorgelegt, dass die untere Netzebene über die Steuerung von Verbrauchern hinaus entlastet. Grundsätzlich begrüßen die Verbände die Weiterentwicklung des § 14a EnWG und die Umsetzung des Spitzenglättungsmodells, geht aus einem gemeinsamen Statement hervor. Denn damit werde ein Grundstein für weitere Entwicklungen wie die Flexibilisierung des Strommarktes gelegt.
Die Verbände mahnen jedoch an, dass der Gesetzesentwurf lediglich kurzfristig auftretende Netzüberlastung betrachte. Aber die saisonale Spitzenglättung und die Erzeugungsanlagen (Photovoltaik und KWK) zukünftig für netzdienliches Verhalten und selbstregulierendes netzdienliches Verhalten entlohnt werden sollten.
"Da KWK-Anlagen mit einer Mess-, Steuer- und Regeltechnik bereits in der Lage sind, sich im Bereich der unteren Netzebene netzdienlich zu verhalten, schlagen wir vor, bis 100 kW untere Anschlussleistung die Möglichkeiten der Selbstregelung zu nutzen", erläutert Claus-Heinrich Stahl die Positionierung der drei Verbände. Er setzt fort: "Wir empfehlen, dass bei einer vollflexiblen Selbstregelung dieser Anlagen keine zusätzlichen Messstellen nach dem Messstellenbetriebsgesetz berücksichtigt werden müssen."
Netzausbaubedarf in der unteren Netzebene zu verringern
Der Vorschlag sieht deshalb außerdem vor, steuerbaren Erzeugern wie PV- und KWK-Anlagen und steuerbare Lasten (E-Ladestation, Wärmepumpen usw.) zu kombinieren. Diese sollen bei einem Netzbedarf mindestens ca. 50 Prozent der Erzeugungsleistung netzstabilisierend einspeisen. Mit Prosumer-Anlagen gestalte sich so ein zukunftsoffenes System, das weit über die reine Spitzenglättung hinaus ginge.
Die Ideen zielen deshalb darauf ab, den Netzausbaubedarf in der unteren Netzebene zu verringern. Damit sieht der B.KWK auch die zukünftige Versorgungssicherheit durch KWK, PV und zuschaltbare Lasten wie Wärmepumpe, E-Ladestation oder Heizstab sowie Batteriesysteme gewährleistet. Die Kombination von PV und Wärmepumpe allein wirke hingegen kontraproduktiv zu den Spitzen im Verteilnetz. Dies führe bereits heute dazu, dass diese Anlagen von Netzbetreibern ggf. nicht genehmigt werden, da sie die Verteilnetze zusätzlich belasteten, erläutert Stahl.
Versorgungsengpässe in den Verteilnetzen vorprogrammiert
Durch den massiven Ausbau von Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur sind derzeit Versorgungsengpässe in den Verteilnetzen vorprogrammiert. Zwar ist das BMWi mit der Rücknahme des Gesetzesentwurfs, der als Lösung die Spitzenglättung vorsah, zurückgerudert, jedoch bleibt das Problem: Der dazu notwendige Netzausbau in den Städten wird Jahrzehnte benötigen und enorme Kosten verursachen, die von den Endverbrauchern getragen werden müssen.
Claus Heinrich Stahl: "Daher plädieren wir auch für flexiblere Preise in den Nutzungszeiten der Stromentnahme aus dem Verteilnetz. Hier helfen keine Gaskraftwerke mit 300 MW auf der grünen Wiese, die lediglich für wenige Stunden im Jahr laufen sollen." (gun)



