Christoph Müller (links), CEO von Amprion, und Peter Rüth, CFO von Amprion, bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2025

Christoph Müller (links), CEO von Amprion, und Peter Rüth, CFO von Amprion, bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2025

Bild: © Amprion GmbH

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion rechnet mit steigenden Redispatch-Kosten als Folge des Iran-Kriegs. "Wenn das Preisniveau an den Großhandelsmärkten mit Fortschreiten des Iran-Krieges so bleibt oder sich verschärft, rechne ich auch mit Preiseffekten für den Redispatch", sagte CEO Christoph Müller auf der Bilanzpressekonferenz in Dortmund. Das zeige, wie wichtig der Netzausbau sei.

Redispatch-Kosten setzen sich aus einer Preis- und einer Mengenkomponente zusammen. Während die Mengenentwicklung durch den Zubau erneuerbarer Energien schwer abzuschätzen sei, laufe die Preisentwicklung derzeit gegen die Netzbetreiber, so Müller. Kraftwerksbetreiber orientierten sich an den Strombörsen und preisten höhere Marktpreise in Redispatch und andere Systemdienstleistungen ein.

Große Leitungsprojekte senken Kosten ab 2027

Entlastung versprechen die großen Gleichstromprojekte. "Allein die Leitungen Ultranet und A-Nord werden die Redispatch-Kosten ab 2027 um 700 Millionen Euro senken", kündigte Müller an. Ultranet soll im Dezember 2026 in Betrieb gehen. Bei A-Nord fand 2025 das Richtfest für den Konverter in Emden statt, der vollständige Betrieb wird kommendes Jahr erwartet.

Insgesamt hat Amprion 2025 rund 320 Leitungskilometer (km) neu gebaut – 50 Prozent mehr als im Vorjahr. An 1380 km wurde gearbeitet, rund 1200 km sind fertiggestellt. Die Investitionen stiegen auf das Rekordniveau von 5,4 Milliarden Euro. Bis 2030 plant das Unternehmen, rund 42 Milliarden in den Netzausbau zu investieren.

Netzanschlüsse: Müller fordert politische Steuerung

Beim Thema Netzanschlüsse sieht Müller derweil die Politik in der Pflicht. Das neue Reifegradverfahren für Anschlüsse im Übertragungsnetz sei gestartet. "Ich nehme an, dass wir mit unseren Erfahrungen noch Anpassungen vornehmen werden", sagte der Amprion-Chef. Das neue Verfahren sei allerdings "nur ein qualifiziertes Windhund-Verfahren". Die Aufgabe, zu einer richtigen Priorisierung zu kommen, sehe man bei der Bundesregierung und beim Gesetzgeber.

"Wir wollen als Übertragungsnetzbetreiber nicht entscheiden, ob ein Großspeicher, ein Rechenzentrum oder ein Industriebetrieb angeschlossen wird", betonte Müller. Als Lösungsansatz nannte er regional differenzierte Baukostenzuschüsse für Einspeiser. Die Erlöse kämen vollständig bei den Kunden an.

70 Gigawatt Zusagen bei 27 Gigawatt Höchstlast

Die Dringlichkeit verdeutlichen die Zahlen: Amprion hat 70 Gigawatt (GW) an Netzanschlusszusagen gegeben. Gleichzeitig liegt die aktuelle Höchstlast im Amprion-Netz bei 27 GW. Bis Ende 2029 sollen 35 GW tatsächlich angeschlossen werden. "Netzanschlüsse sind ein knappes Gut, deshalb müssen wir diese Ressource effizient nutzen", so Müller.

Der Energiemanager warnte davor, das Netz unreflektiert auszubauen. "Es kommt bei der Energiewende nicht darauf an, immer mehr Windräder zu bauen, sondern dass wir Kunden mit erneuerbarer Energie versorgen. In diesem System müssen wir ganzheitlicher denken."

Netzstabilität: Fünf neue Kompensationsanlagen 2025

Bei der Systemstabilität setzt Amprion derweil weiterhin auf Kompensationsanlagen. 2025 nahm das Unternehmen fünf neue netzstabilisierende Anlagen in Betrieb. Insgesamt sind nun 16 Kompensationsanlagen im Netz.

"Mit dem wachsenden Anteil von Erneuerbaren wird die Spannungshaltung im Netz eine zunehmende Herausforderung", erklärte Müller mit Verweis auf den Blackout in Spanien. Das Tempo solle hoch bleiben: Jedes Jahr sollen fünf bis sieben neue Anlagen ans Netz gehen.

Eigenkapitalrendite muss steigen

Amprion-Finanzchef Peter Rüth mahnte am Mittwoch zudem wettbewerbsfähige Regulierungsbedingungen an. "Wir brauchen zwingend eine Regulierung, die im europäischen Maßstab vergleichbar ist", sagte er. Die Investitionen würden weiter dramatisch ansteigen. "Wir betreten ein anderes Niveau. Die Gewinne werden künftig aus der Vergütung der Kapitalkosten stammen."

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, habe bereits angekündigt, dass die Eigenkapitalrendite steigen soll. Aktuell liege man jedoch deutlich im unteren europäischen Mittelfeld. Der Anpassungsbedarf sei allen klar. "Investitionen in die deutsche kritische Infrastruktur müssen nachhaltig attraktiv für internationale Investoren bleiben."

Finanzielle Kennzahlen deutlich gestiegen

Die Geschäftszahlen von Amprion im Jahr 2025 spiegeln die hohen Investitionen wider. Die Umsatzerlöse stiegen um rund 9 Prozent auf rund 6,1 Milliarden Euro. Das adjustierte Konzernergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) lag bei rund 1,5 Milliarden Euro – ein Plus von 25 Prozent. Demgegenüber stieg der Gewinn ohne Sondereffekte um gut 72 Prozent auf 672 Millionen Euro. Das regulierte Anlagevermögen wuchs um etwa 42 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro.

Im Dezember 2025 führte Amprion außerdem eine Eigenkapitalerhöhung um 2,2 Milliarden Euro durch. Zudem platzierte das Unternehmen Anleihen im Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro am internationalen Kapitalmarkt. Die Belegschaft wuchs auf rund 3400 Mitarbeitende – ein Plus von gut 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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