Wärmewende in kleinen Schritten: Für die Energieversorgung von Heubach im Ostalbkreis ist weiterhin die Energieversorgung Ostalb zuständig (im Bild Geschäftsführer Holger Röhrer).

Wärmewende in kleinen Schritten: Für die Energieversorgung von Heubach im Ostalbkreis ist weiterhin die Energieversorgung Ostalb zuständig (im Bild Geschäftsführer Holger Röhrer).

Bild: © Energieversorgung Ostalb

Heubach liegt am Fuße des Rosensteins im Ostalbkreis und hat rund 10.000 Einwohner. Im März wurde die neue Gesellschaft "StadtWerk Heubach" beurkundet. Der Kaufmännischer Geschäftsführer Florian Zauner übt das Amt nebenberuflich aus. Hauptberuflich arbeitet der Bankfachwirt und Bankbetriebswirt bei der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein, zu der Heubach gehört, und ist zudem Kämmerer der Gemeinde Bartholomä. Ob später ein zweiter Geschäftsführer für den technischen Bereich berufen wird, steht nicht fest.

Die Gründung ist Teil eines 2025 begonnenen finanziellen Konsolidierungsprozesses, den eine zugespitzte Haushaltslage nötig gemacht hatte, so Zauner. Seit 2024 sind positive Ergebnisse aus eigener Kraft nicht mehr möglich gewesen. Zwar stiegen die Gesamteinnahmen, doch stark wachsende Transferaufwendungen – für Schulen, Kindergärten, Sporthallen und Schwimmbad – belasten den Haushalt massiv. Zudem muss Heubach größere Umlagen an die Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein und den Abwasserzweckverband Lauter-Rems zahlen. Hinzu kommt die besondere geografische Lage direkt am Albtrauf, einem Steilabfall der Schwäbischen Alb. "Der Raum für Wachstum innerhalb der Gemarkungsgrenzen ist sehr begrenzt. Wir haben kaum zusätzliche Einnahmen über den Verkauf von Bauplätzen", sagt Zauner.

Neues Entgelt- und Pachtsystem soll bei Finanzierung helfen

Trotz des Namens "StadtWerk Heubach" handelt es sich nicht um ein klassisches ausgelagertes Stadtwerk, sondern um eine Investitionsgesellschaft, bei der die Stadt selbst Investor ist. "Alle Entscheidungen werden weiterhin im Gemeinderat und seinen Ausschüssen getroffen. Für technische Fragen ist das Stadtbauamt zuständig, beim Thema Liegenschaften das Hauptamt", erklärt der Kaufmännische Geschäftsführer. Für die Gesellschaft, die die Entscheidungen der Gremien umsetzt, spielen nur Finanzierung und Einhaltung steuerlicher Vorgaben eine Rolle. Zauner erhofft sich so "schnellere Projektumsetzungen bei gleichzeitig flexiblerer Finanzierbarkeit."

Aktiv wird die Gesellschaft erst mal nur im Bereich Wasser, wo es einen "außerordentlich hohen Sanierungsstau" gibt. Für rund 750.000 Euro werden digitale Wasserzähler eingebaut – Zauner rechnet dadurch mit einem effizienteren und für den Bürger günstigeren Betrieb. Bei diesem Projekt kommt erstmals eine Art dynamische Entgelt- oder Pachtzahlung zum Einsatz, über die sich die Gesellschaft –neben den Einlagen der Stadt – künftig finanzieren soll. Bei jedem neuen Projekt werde der Anteil der Aufwendungen für die Aufnahme des Fremdkapitals kalkuliert und als laufend anzupassende zusätzliche Zahlung der Stadt an die Gesellschaft vereinbart, erklärt Zauner.

Es sei die einzige Einnahmequelle der Gesellschaft und stelle die nötige Liquidität sicher. "Das bedeutet auf die Wasserzähler bezogen, dass wir bei deren Neuanschaffung die Kreditkosten ermitteln und die Entgelt- oder Pachtzahlung dynamisch so anpassen, dass Zinszahlung und Tilgung problemlos funktionieren."

So läuft es dann auch beim zweiten Projekt, dem neuen Wasserwerk im Ortsteil Lautern. Wegen der Haushaltslage und anderer noch drängenderer Aufgaben war der Bau Jahr für Jahr aufgeschoben worden. Ob die neue Gesellschaft mittel- bis langfristig weitere Tätigkeitsfelder übernimmt, ist unklar. Der Energiebereich wird nach aktueller Beschlusslage jedenfalls nicht dazugehören. Er fällt weiter in den Aufgabenbereich der Gesellschaft für Energieversorgung Ostalb (GEO), die Heubach sowie Essingen und Oberkochen mit Strom, Gas und Wärme versorgt.

Wärmewende in kleinen Schritten

Seit Anfang März hat GEO eine neue Doppelspitze. Die langjährigen Prokuristen Christof Gaugler und Holger Röhrer übernahmen nach dem Weggang von Tobias Koller zu den Technischen Werken Schussental. Zu den größten Aufgaben des Führungsduos zählt die Wärmedekarbonisierung. Der Kaufmännische Leiter Holger Röhrer erklärt, was er da wichtig findet. Erst mal dürfe eine Wärmewendestrategie nicht ausschließlich ökologischen Zwecken dienen, sie müsse auch betriebswirtschaftlich funktionieren und sozial gerecht sein.

Fast die Hälfte der Heizungen im Versorgungsgebiet ist über 20 Jahre alt, auf viele Bürger kommt der Austausch der Heizungen zu. Im Angesicht gestiegener Anforderungen durch Klimaziele und die Erhöhung der Energiepreise durch die CO₂-Besteuerung sei es Aufgabe eines Energieversorgers, für bezahlbare Wärme zu sorgen. Ein weiterer zentraler Punkt für Röhrer ist das Dekarbonisierungstempo: "Alles auf einmal geht nicht. Wir wollen in kleinen Schritten vorangehen."

Zum Beispiel beim Ausbau des bestehenden Heubacher Nahwärmenetzes. Dreieinhalb Kilometer von der Stadt entfernt, im Dorf Beiswang, steht die Biogasanlage des Energielandwirtes Hilbert. Das Rohbiogas wird von dort über eine Leitung zum Heubacher BHKW transportiert. Dessen Abwärme gelangt dann über das GEO-Nahwärmenetz in die Haushalte. Die Nachfrage ist groß, zusätzliche Gebäude sowie Betriebe sollen ans bestehende Netz angeschlossen werden, für 2026 ist der Ausbau bis zur Gustav-Schwab-Straße geplant. Weitere Trassen könnten folgen – je nachdem ob die Investition betriebswirtschaftlich sinnvoll ist.

"Wir machen jeden Ausbau von der Anschlussquote abhängig. Zudem prüfen wir, bevor wir neue Netzabschnitte bauen, ob die Energiekapazitäten ausreichen", sagt Röhrer. Nur wenn neue zusätzliche Heizanlagen oder andere nachhaltige Wärmequellen zur Verfügung stehen, könne das Netz weiterwachsen. Insgesamt werden weitere zwei Millionen Euro ins Heubacher Nahwärmenetz investiert.  Als Redundanz zur Abdeckung der Spitzenlast ist die alte Erdgasheizung im Schulzentrum vorgesehen, die durch dessen Anschluss ans Nahwärmenetz nicht mehr gebraucht wird.

Eckpunktepapier der Bundesregierung lässt Fragen offen

Und das Heubacher Gasnetz? Wie das Stromnetz ist es zwar in GEO-Besitz, wird aber von "EnBW Ostwürttemberg DonauRies" als Pächter betrieben. Aktuell gibt es keinen Sanierungsbedarf, wesentliche Investitionen stehen nicht an, so Röhrer. Bis auf Weiteres wird das Gasnetz parallel zum Nahwärmenetz betrieben, im Rahmen der Abschreibungs-Richtlinie "KANU" soll es dann bis 2040 abgeschrieben werden. Ein Abbau kommt nicht in Frage.

"Wir glauben ans Gasnetz, aber künftig eben nicht mehr als reines fossiles Gasnetz, sondern technologieoffen." Denkbar sei die Beimischung von Biomethan. Bevor Röhrer jedoch beim Gasnetz weiterplant, möchte er die Entwicklungen beim neuen Gebäudemodernisierungsgesetz abwarten. "Das Eckpunktepapier der Bundesregierung lässt einige Fragen offen." Woher soll das Grüngas kommen? Welche Rechte und Pflichten hat der Erzeuger? Was passiert mit der CO₂-Besteuerung, wenn eine Grüngasquote gesetzlich vorgeschrieben wird? Ist diese dann noch sinnvoll? Auch scheinen Röhrer die vorgestellten Inhalte inkompatibel mit den Zielsetzungen der Klimaneutralität und dem Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung.


Masterplan für Investitionsgesellschaften

Kommunale Wärmeplanung

Holger Röhrer ist seit Anfang März auch Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft "N!Kom", die für insgesamt 14 Gemeinden in Baden-Württemberg die kommunale Wärmeplanung erstellt hat. "N!Kom" hat zudem eine Art Masterplan entwickelt, welche Akteure bei der Dekarbonisierung eine Rolle spielen sollten und welcher Kapitaleinsatz notwendig ist. In diesem Zusammenhang hatten die Berater den Gemeinden auch vorgeschlagen, jeweils kommunale Investitionsgesellschaften zu gründen. Eine davon ist die Gesellschaft "StadtWerk Heubach".

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