Sebastian Seier (links) ist Leiter Kompetenzteam 
Nachhaltigkeit & Klimaschutz beim Aachener Beratungsunternehmen BET und Netzwerkmanager der Klimawerke. Mustafa Sancar ist Vorstand der Stadtwerke Hildesheim AG sowie in Personalunion Geschäftsführer der Energieversorgung Hildesheim und Sprecher der Klimawerke.

Sebastian Seier (links) ist Leiter Kompetenzteam Nachhaltigkeit & Klimaschutz beim Aachener Beratungsunternehmen BET und Netzwerkmanager der Klimawerke. Mustafa Sancar ist Vorstand der Stadtwerke Hildesheim AG sowie in Personalunion Geschäftsführer der Energieversorgung Hildesheim und Sprecher der Klimawerke.

@ BET/EVI Hildesheim

Gastbeitrag von
Mustafa Sancar,
Geschäftsführer EVI Hildesheim und Präsident der Klimawerke
und
Sebastian Seier
Leiter Kompetenzteam Nachhaltigkeit & Klimaschutz bei BET Consulting

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Die Klimawerke haben gezeigt, was möglich ist, wenn sich Energieversorger austauschen und gemeinsam nach vorne denken. Wir haben uns gegenseitig inspiriert, aber auch konkret unterstützt – und das war deutlich mehr als ein symbolisches Commitment.

Ende April dieses Jahres läuft die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative bewilligte Förderung für das Projekt "Klimawerke" planmäßig aus. Damit endet das Projekt jedoch nicht – es geht in eine neue Phase über. Denn: Ein Großteil des Netzwerks bleibt auch ohne Förderung an Bord.

Vom geförderten Projekt zur selbsttragenden Initiative

Die von BET Consulting gemanagte Initiative war über drei Jahre hinweg ein praxisnaher Thinktank für kommunale Energieversorger, die Nachhaltigkeit nicht als Pflicht, sondern als strategische Chance begreifen. Das Netzwerk vereinte 21 Stadtwerke und regionale Energieversorgungsunternehmen (EVU), mit dem Ziel, voneinander zu lernen, Synergien zu schaffen und gemeinsam Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen im Nachhaltigkeitsmanagement zu entwickeln.

Was bleibt: Erkenntnisse, Kontakte, Motivation

Die Teilnehmer blicken auf drei intensive Jahre zurück – mit zahlreichen Workshops, Arbeitsgruppen und Best-Practice-Austausch. Auf der Haben-Seite stehen nun neue Erkenntnisse, wie Nachhaltigkeit in Stadtwerken strukturell verankert werden kann, wie schlanke und EVU-spezifische Treibhausgas(THG)-Bilanzen aufgestellt und Dekarbonisierungsstrategien abgeleitet werden können und wie mit Berichtspflichten umzugehen ist.

Die Diskussionen in den Klimawerken haben nicht nur Wissen vermittelt, sondern Mut gemacht, neue Wege zu gehen. Besonders wertvoll ist der enge, vertrauensvolle Austausch gewesen, und genau den will man nun fortführen.

Ohne Förderung, aber mit Vision – und mit neuen Möglichkeiten

Tatsächlich haben rund zwei Drittel der bisherigen Mitglieder in den letzten Netzwerktreffen ihre Bereitschaft bekundet, die Klimawerke auch nach Ende der Förderung weiterzuführen. Mit dem Relaunch der Klimawerke haben auch EVU, die bisher nicht dabei waren, die Gelegenheit, der Initiative beizutreten. Neben dem Erfahrungsaustausch profitieren sie von der kostenlosen Nutzung praxisbewährter Tools – etwa zur THG-Bilanzierung oder Nachhaltigkeitsberichterstattung – sowie von bilateraler Unterstützung durch BET.

CSRD verschoben – aber Nachhaltigkeit bleibt oben auf der Agenda

Ein Blick auf die regulatorische Entwicklung zeigt: Die Anforderungen ändern sich – aber sie verschwinden nicht. Das Omnibus-Paket der EU-Kommission vom 26. Februar 2025 sieht vor, dass die Ausweitung der CSRD-Berichtspflichten auf kleinere Unternehmen erst 2027 greift. Zudem werden wohl weniger Unternehmen betroffen sein als ursprünglich angenommen. Was zunächst nach Entlastung klingt, ist auf den zweiten Blick ein Impuls für freiwilliges Engagement. Denn: Unternehmen, die nun nicht mehr berichtspflichtig sind, können sich künftig am freiwilligen VSME-Standard orientieren – und so Transparenz und Verantwortung dennoch glaubwürdig dokumentieren.

Auch wenn der Druck auf dem Papier geringer wird – die Erwartungen an nachhaltiges Handeln steigen weiter. Wer hier vorbereitet ist, verschafft sich nicht nur regulatorisch, sondern auch strategisch einen Vorsprung.

Neue Rolle für Nachhaltigkeitsmanager – und für Stadtwerke

Was bedeutet das konkret? Die Aufgaben von Nachhaltigkeitsverantwortlichen verschieben sich von der Berichterstattung hin zu einer integrierten Steuerungsfunktion. Themen wie die nachhaltige Unternehmensführung, die Stärkung der Resilienz gegenüber Extremwetterereignissen oder die aktive Rolle von Stadtwerken bei der kommunalen Klimaanpassung rücken in den Mittelpunkt. Die Klimawerke werden sich genau mit diesen Fragen beschäftigen – ab Mitte 2025 in neuer Form. Mit dabei: viele der bisherigen Mitglieder, neue Impulsgeber und das klare Ziel, die Transformation der Energieversorgung auf kommunaler Ebene aktiv mitzugestalten.

Ausblick: Die Neuerfindung des Nachhaltigkeitsmanagements

Die Zukunft wird komplexer – und gleichzeitig chancenreicher. Genau dort setzen die Klimawerke an. Ein erster Einblick in die neue Ausrichtung folgt bereits im Juni: Auf der ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz am 17. Juni 2025 diskutiert BET im Workshop "Neue Aufgaben, neue Rolle – Die Neuerfindung des Nachhaltigkeitsmanagements nach dem Ende der CSRD" mit Stadtwerkevertretern, welche Themen zukünftig für Nachhaltigkeitsmanager im Mittelpunkt stehen werden.

Mehr dazuaus dem ZfK-Archiv:

CSRD: Diese 14 Themen stufen Stadtwerke für sich als wesentlich ein

Gunda Röstel: "Wichtig ist, mit Begeisterung Nachhaltigkeit in der Unternehmenssteuerung umzusetzen"

"Wie viel Transparenz über ESG-Risiken muss die Kommunalwirtschaft künftig herstellen?"

Nachhaltigkeitsmanagement: Kommunalbetrieb und Volleyballclub pushen sich gegenseitig

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Omnibus-Paket: Endstation für Nachhaltigkeit?

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