Die Sorgen der Wärmepumpen-Branche werden größer. Gingen im ersten halben Jahr halb so viele Wärmepumpen-Förderanträge ein wie im Vorjahreszeitraum, waren es nach acht Monaten weniger als 30 Prozent, wie der Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie (BDH) und der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) mit Verweis auf Zahlen des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle berichten. Oder anders formuliert: Die Förderantrage gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 70 Prozent zurück.
Als Hauptgrund führen die Verbände politische Debatten an, die den Markt stark verunsichert hätten. Gemeint ist vor allem der Streit um das neugefasste Gebäudeenergiegesetz, besser bekannt als Heizungsgesetz, und damit verknüpfte großzügigere Förderbedingungen beim Neueinbau von Wärmepumpen. Wie großzügig die Hilfen ausfallen werden, darüber verhandeln die Ampel-Bundestagsfraktionen derzeit.
500.000-Wärmepumpen-Ziel in Gefahr
In der Folge dürften viele Haushalte Wärmepumpen-Investitionen auf die Folgejahre verschoben haben. So schilderte BWP-Geschäftsführer Martin Sabel bereits im Juli, dass die Leute auf eine bessere Förderung warteten statt schon jetzt zu investieren. Verträge für neue Wärmepumpen würden storniert. "Das ist gefährlich."
Damit dürfte auch das von der Bundesregierung ausgerufene Ziel, von nächstem Jahr an 500.000 Wärmepumpen jährlich zu installieren, in immer weitere Ferne rücken. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden 236.000 Wärmepumpen installiert.
Dieses Jahr mehr als 300.000 Installationen erwartet
In diesem Jahr dürfte diese Zahl nach Branchenangaben auf mehr als 300.000 steigen. Dies sei aber ein Ergebnis der sehr guten Nachfrage aus dem Jahr 2022 und ausgebauter Produktionskapazitäten der Hersteller gewesen, ordnete der BWP jüngst ein.
Die Folgen des Heizungsstreits dürften wiederum erst im nächsten Jahr deutlich bei Installationszahlen ablesbar sein. Dann wird weithin ein Rückgang erwartet.
Werben für flächendeckende Stromsteuersenkung
Ein Rückschlag war für die Branche das kürzlich vorgestellte Strompreispaket der Bundesregierung. Dieses sieht zwar eine deutliche Stromsteuersenkung für das produzierende Gewerbe vor, aber nicht für Privatkunden. Dabei hatte die Branche seit Monaten für eine flächendeckende Stromsteuersenkung geworben.
Jetzt kontern BDH und BWP mit einem neuen Papier, in dem sie nicht nur eine generelle Senkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestniveau fordern, sondern auch eine Verringerung des Mehrwertsteuersatzes für Wärmepumpenstrom auf sieben Prozent. Beide Maßnahmen würden nach Berechnung der Interessensgruppen zu Einsparungen von gut vier Cent pro kWh führen.
"Politik ist am Zug"
"Die Heizungsindustrie hat große Investitionen in den Ausbau der Produktionskapazitäten getätigt, um den Wärmepumpenhochlauf möglich zu machen", wird BDH-Hauptgescchäftsführer Markus Staudt zitiert. "Nun ist die Politik am Zug, geeignete Rahmenbedingungen zu gestalten. Dazu gehört neben einer Unterstützung bei der Investition auch ein wettbewerbsfähiger Strompreis."
Dem pflichtet BWP-Chef Sabel bei. Das 500.000-Wärmepumpen-Ziel könne "nur durch das Zusammenspiel aus Ordnungsrecht, Förderung und eben Energiepreisen" erreicht werden, heißt es in der Presseaussendung.
Wärmepumpen weiter emotionales Thema
Wie emotional Wärmepumpen noch immer in der Medienlandschaft gespielt werden, zeigte übrigens jüngst die Ankündigung des ostdeutschen Flächenversorgers EnviaM. Dieser gab bekannt, den Preis für Wärmepumpenstrom zum Jahreswechsel anzuheben – von rund 29 auf 33 Cent pro kWh.
Gleichzeitig soll der Gaspreis von rund 15 auf 14 Cent pro kWh in der Grundversorgung moderat sinken. Daraufhin titelte die "Bild": "Energie-Riese fällt Habeck brutal in den Rücken." (aba)
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