Lena Lehmeier ist Head of Renewables Origination Germany bei Engelhart CTP Renewables. Seit 2022 ist sie bei Trailstone. Zuvor war sie beim britischen Energieversorger Centrica Energy Trading sowie insgesamt über 15 Jahre im Bereich Commodity Handel tätig.

Lena Lehmeier ist Head of Renewables Origination Germany bei Engelhart CTP Renewables. Seit 2022 ist sie bei Trailstone. Zuvor war sie beim britischen Energieversorger Centrica Energy Trading sowie insgesamt über 15 Jahre im Bereich Commodity Handel tätig.

Bild: © Privat

Von Julian Korb

Der Regelenergiemarkt hat sich verändert und ist für Betreiber von Windkraftanlagen und Solarparks attraktiver geworden. Das sagte Lena Lehmeier, Head of Renewables Origination Deutschland beim Direktvermarkter Engelhart CTP Renewables, im Gespräch mit der ZfK. Die Managerin führt die Entwicklung auf vier Hauptfaktoren zurück. So ermöglichten technologische Fortschritte eine flexiblere Reaktion auf Marktanforderungen, während der erhöhte Ausbau an Solar und somit der Druck auf das Netz zu besseren Preisen führe.

Die zunehmende Volatilität im Stromnetz erhöhe zudem den Bedarf an Regelenergie. Außerdem förderten regulatorische Anpassungen die Teilnahme erneuerbarer Energien. "Zusammen haben diese Entwicklungen die Wirtschaftlichkeit und damit die Attraktivität der Teilnahme am Regelenergiemarkt deutlich verbessert", unterstreicht Lehmeier.

Zusätzliche Einkünfte

Grundsätzlich eignen sich demnach alle Anlagen für den Regelenergiemarkt. Auch wenn technische Besonderheiten oder kommerzielle Gründe dazu führen könnten, dass die Vermarktung sich im Einzelfall nicht lohne, so Lehmeier weiter.

Der Regelenergiemarkt stellt kurzfristige Reserven zur Stabilisierung der Netzfrequenz bereit. Er reagiert damit schnell auf kurzfristige Schwankungen in der Stromerzeugung oder im Stromverbrauch. Für Anlagenbetreiber lassen sich mit Regelenergie zusätzliche Einkünfte zur Vermarktung an der Strombörse erzielen.

Einstieg in Direktvermarktung

Engelhart dürfte noch nicht allen in der Branche ein Begriff sein. Erst 2024 hatte der global tätige Rohstoffhändler den Direktvermarkter Trailstone übernommen. Trailstone hatte sich in rund elf Jahren vor allem als Dienstleister für andere Direktvermarkter einen Namen gemacht.

Mit der Übernahme folgte nun auch der Einstieg in die klassische Direktvermarktung unter der Firma Engelhart CTP Renewables. Die Stromhandelsabteilung sitzt auch weiterhin in Berlin. Rund 15 bis 20 Mitarbeiter kümmern sich dabei hauptsächlich um die Direktvermarktung.

Inklusive der Dienstleistungen für andere Direktvermarkter vermarktet Engelhart Renewables aktuell ein Portfolio von rund 3500 Megawatt (MW) aus Wind- und PV-Anlagen. "Wir möchten weiter organisch wachsen und unser direktes Kundengeschäft weiter ausbauen", kündigt Managerin Lehmeier an. "Unter anderem auch, um unser Regelenergieportfolio zu erweitern."

Eine Reihe von Übernahmen

Die Übernahme von Trailstone passt in eine größere Entwicklung im Markt. In den vergangenen zwei Jahren sind mehrere große Direktvermarkter aufgekauft worden, etwa Quadra Energy, das an den Ölkonzern Total ging oder Next Kraftwerke, das Shell einkaufte. BP stieg zuletzt außerdem bei Hannoveraner Direktvermarkter Gewi, beziehungsweise der Muttergesellschaft Getec Energie ein.

Für die Entwicklung sieht Lehmeier von Engelhart Renewables verschiedene Gründe. Vor allem gehe es darum, "sofort einen Marktzugang" sowie eine Kundenbasis in Deutschland im Bereich der Erneuerbaren zu erwerben. Käufer profitierten allerdings auch von der Expertise für den deutschen Strommarkt.

Wetterprognosen immer wichtiger

Das gilt etwa für den Umgang mit den stärkeren Preisschwankungen. "Die Nutzung verschiedener Quellen, ob intern oder extern, ist für Wetterprognosen im Umgang mit der gestiegenen Volatilität am Spotmarkt äußerst wichtig", sagt Lehmeier. Dies ermögliche präzisere Vorhersagen über Angebot und Nachfrage und sei für das Risikomanagement und die Entscheidungsfindung im Energiehandel entscheidend.

"In einem Markt, der zunehmend von erneuerbaren Energien beeinflusst wird, stellt dies einen signifikanten Wettbewerbsvorteil dar", betont die Managerin. Mit den technischen Fähigkeiten im eigenen Hause, etwa bei Wetterprognosen, sieht sie den Direktvermarkter für die kommenden Jahre gut aufgestellt.

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