2023 war offenbar ein gutes Vertriebsjahr für kommunale Direktvermarkter. Wie eine neue ZfK-Umfrage zeigt, sind die Portfolios der teilnehmenden 21 Anbieter mit mehrheitlich kommunalem Hintergrund insgesamt um sieben Prozent gewachsen.
Konkret legten 13 Direktvermarkter zu. Bei sieben Anbietern verkleinerten sich die Portfolios. In absoluten Werten stieg das mehrheitlich kommunal gehaltene Portfolio von 20,5 auf 21,9 Gigawatt (GW).
MVV Trading in eigener Liga
Die Aachener Stadtwerkekooperation Trianel wiederum meldete im Vergleich zum Jahresbeginn 2023 konstante Werte. Sie behauptete mit insgesamt 2400 Megawatt (MW) Rang vier im ZfK-Kommunalen-Ranking. Trianel hatte im Laufe des vergangenen Jahres unter anderem einen Großteil des Biomasse-Portfolios von der Getec-Handelstochter Gewi übernommen. (Die ZfK berichtete.)
Fast schon in einer eigenen Liga befindet sich die Mannheimer MVV Trading. Ihr Portfolio sprang von 4400 MW im Sommer auf 5700 MW. Im ZfK-Gesamtranking verkürzte die MVV damit auch ihren Abstand zu den deutschen Platzhirschen EnBW, Quadra Energy und Next Kraftwerke. Die beiden Letztgenannten gehören inzwischen den Ölkonzernen Total Energies und Shell. Abgefragt wurden ausschließlich direkt vermarktete erneuerbare Energien, Batterien und Elektrolyseure.
Direktvermarkter ANE neu im Kommunalen-Ranking
Auf Platz zwei schob sich der Oldenburger Energiekonzern EWE, dessen Portfolio leichte Zuwächse verzeichnete. Die Niedersachsen überflügelten damit die Stadtwerke München, die nach eigenen Angaben eine "Konsolidierung im Hinblick auf gestiegene Ausgleichsenergiekosten" vornahmen. Im Vergleich zum Sommer 2023 ging das Portfolio der Bayern von 3084 auf 2570 MW zurück.
Neu in das Kommunalen-Ranking aufgenommen wurde der norddeutsche Direktvermarkter ANE. Im vergangenen Jahr hatten die Hamburger Energiewerke 50,1 Prozent der Anteile übernommen. (Die ZfK berichtete.) Auch das ANE-Portfolio ging im Vergleich zum Sommer leicht auf 1600 MW zurück. Der Direktvermarkter erklärte dies mit "Veränderungen des Portfolios aufgrund von Neubewertungen". Insgesamt sortiert sich ANE im Kommunalen-Direktvermarktungsranking auf Rang fünf ein.
Westfalen Weser schaltet Google-Anzeigen
Die Stadtwerke Augsburg und Trier nahmen an der diesjährigen ZfK-Direktvermarktungsumfrage nicht mehr teil. Dafür meldete der Paderborner Regionalversorger Westfalen Weser frische Zahlen.
Demnach wuchs das Portfolio der Westdeutschen von 64 auf 80 MW. Das Unternehmen führte dies unter anderem auf die Schaltung von Google-Anzeigen zurück. "Wir konzentrieren uns auf Anlagen von 100 [Kilowatt] bis circa 1 MW Größe", hieß es.
Entega-Portfolio wächst um 57 Prozent
Das prozentual größte Plus meldete die Darmstädter Entega. Ihr Portfolio stieg um 57 Prozent auf 263 MW. Sie begründete dies mit der Aufnahme neuer Anlagen in die Direktvermarktung sowie mit einem Wachstum auf Abnahmeseite.
Direkt dahinter ordnete sich die Freiburger Badenova ein, deren Portfolio um 56 Prozent auf insgesamt 81 MW wuchs. Sie erklärte dies mit eigenen Erzeugungskapazitäten sowie mit gewerblicher Photovoltaik.
Bielefeld: Derzeit nur Direktvermarktung von Eigenanlagen
Die Stadtwerke Bielefeld wiederum halbierten ihr Portfolio. Aus rund 4 wurden etwa 2 MW.
Aktuell seien nur eigene Anlagen in der Direktvermarktung, erläuterte das Unternehmen. Angebote für Kundenanlagen wolle man wieder ab dem dritten Quartal 2024 vornehmen. (aba)
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