Die Abwasserüberwachung ist eine etablierte Methode zum Nachweis von Polioviren und antibiotikaresistenten Bakterien sowie zum Einsatz illegaler und verschreibungspflichtiger Medikamente. Nun haben mehrere Forscherteams in der Schweiz, in den Niederlanden und in Großbritannien begonnen, die Technologie auf Corona auszuweiten. Die Hoffnung: Mit derartigen Tests könnten Pandemieausbrüche nachgewiesen werden, bevor sie sich weit ausgebreitet haben, und frühzeitig Schutzmaßnahmen eingeleitet werden.
Corona-Viren werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Laut einem Bericht von Bloomberg entdeckten Gertjan Medema und Kollegen vom niederländischen KWR Water Research Institute am 5. März in einer Kläranlage in Amersfoort genetisches Material aus dem Coronavirus, bevor Infektionsfälle in der etwa 50 Kilometer südöstlich von Amsterdam gelegenen Stadt gemeldet wurden. Das KWR analysiert schon seit zehn Jahren verschiedene Substanzen im Abwasser und entwickeln dafür Nachweise.
Schnelltests auf der Spur
Zhugen Yang von der Cranfield University in Großbritannien und seine Kollegen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sind ebenfalls derzeit dabei, einen Schnelltest zu entwickeln, mit dem das Abwasser einer Gemeinde oder Einrichtung auf die Präsenz des Coronavirus untersucht werden kann. Das berichtet das Online-Wissensmagazin Scienxx. „Ein solcher Echtzeit-Nachweis könnte ermitteln, ob es Covid-Patienten in einem Gebiet gibt und damit schnell weitere Tests, Quarantäne und andere Gegenmaßnahmen ermöglichen“, erklärt Yang.
Auch ein Forscherteam um Christoph Ort, Umweltingenieur der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH Lausanne, untersucht Wasserproben im Tessin, in Lausanne, Zürich und Kloten, wie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtet. Ort ist zuversichtlich, dass es gelingt, das Virus nicht nur im Wasser festzustellen, sondern dass es sich auch quantifizieren lässt. Er hofft, so im Idealfall abschätzen zu können, wie viele Menschen in etwa mit Sars-CoV-2 infiziert sind. (hp)