Von 2020 an wird die Kläranlage in Gau-Bickelheim zu einer energieautarken Kläranlage ausgebaut. Die Verbandsgemeinde Wörrstadt kooperiert dabei mit einer anderen Kommune sowie mit einem ortsansässigen Unternehmen: Eine nahegelegene Großmetzgerei soll in Zukunft mehr Schlammmengen und Fette anliefern. Im Gegenzug kann sie überschüssiges Gas aus der Schlammfaulung im eigenen BHKW nutzen. Damit soll sich auch die Wasserreinhaltung verbessern.
Die Großmetzgerei hat im vergangenen Jahr eine zweite Fabrikationshalle errichtet, daher wird sich Produktion verdoppeln. Für die Kläranlage heißt das, dass in Zukunft mehr Schlammengen angeliefert werden, erklärt Werkleiter Karl-Heinz Greb.
Umstellung auf Schlammfaulung
Ohne Umbau der Kläranlage Gau-Bickelheim lassen sich die zu erwartenden Schlammmengen nicht mehr verarbeiten, so Greb. Man werde den Umbau auch dazu nutzen, die Kläranlage auf Schlammfaulung umzustellen.
Die geplante Faulungsanlage soll auch die Schlämme der benachbarten Kläranlage Wöllstein (12.000 Einwohner) sowie der Betriebskläranlage der Großmetzgerei mitbehandeln. Aufgrund der räumlichen Nähe sowie zur Reduzierung klimaschädlicher Abgase soll der Schlammtransport dabei nicht mehr wie bisher per Lkw über die Straße, sondern druckleitungsgebunden, geschehen.
Win-win-Situation
Das Fett, dass im Produktionsprozess der Metzgerei anfällt und derzeit noch in Fettabscheidern aufgefangen und über Dritte entsorgt wird, ist energetisch sehr hochwertig. Es soll daher künftig dem Faulungsprozess auf der Kläranlage als Co-Substrat zugeführt werden, um eine höhere Gasgewinnung zu erzielen. So steigere man die Faulgas- und somit auch die Eigenstromproduktion, erklärt Greb. "Damit soll erreicht werden, dass die Kläranlage ohne Fremdstrombezug auskommt, also energieautark arbeiten wird."
Stromeinsparung und Gasgewinnung
Hinzu kommt, dass die Abwässer, die bisehr über die Teichkläranlage verarbeitet wurden, künftig in die Kläranlage Gau-Bickelheim abgeleitet werden. Durch die Stilllegung der energieintensiven Teichkläranlage spare man zusätzlich viel Strom ein.
Außerdem werde vermutlich auf der Kläranlage künftig mehr Gas produziert als vor Ort nötig. Das überschüssige Gas soll über eine separate Gastransportleitung an die Großmetzgerei abgegeben werden, so dass dies zum Betrieb des dortigen BHKW genutzt werden kann.
Potenzialstudie als Voraussetzung für Förderung
Ein erheblicher Teil der zu erwartenden Kosten könne zudem durch die Kommunalrichtlinie des Bundes und eine parallele Förderung des Landes finanziert werden. "Bei einem Projekt dieser Größe ist es wichtig, von Anfang an umfassend zu denken und nichts zu vergessen, damit eine optimale Förderkulisse erzielt werden kann", sagt Greb. So habe man zum Beispiel im Vorfeld eine Potenzialstudie erstellt.
Sie sei Voraussetzung für eine spätere Förderung. "Nur die Punkte, die bereits in der Potenzialstudie enthalten sind, können später auch tatsächlich gefördert werden. Für Teilmaßnahmen, die nicht untersucht wurden, gibt es keine Fördermittel", unterstreicht der Werkleiter. Hilfe habe man im Vorfeld durch die Energieagentur Rheinland-Pfalz erhalten, die im Vorfeld eine umfassende Beratung gegeben habe und auf Fallstricke hingewiesen habe. (sg)



