Was erst einmal utopisch klingt, ist gar nicht so realitätsfern. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Stadt Rheinfelden (Baden) und dort tätiger Firmen haben Wissenschaftler der drei Fraunhofer-Institute IPA, IAO und IGB das Konzept für das weltweit erste stadtnahe, ultraeffiziente Gewerbegebiet entwickelt. Ziel ist es, auf dem Areal im Stadtteil Herten Abfall, Abwasser und Abluft möglichst ganz zu vermeiden.
Dabei knüpften die Forscher an Bestehendes an. Zum Beispiel produziert ein Laufwasserkraftwerk am Hochrhein zusammen mit mehreren Blockheizkraftwerken bisweilen mehr Strom, als Stadt und Industrie verbrauchen. "Anstatt den Überschussstrom wie bisher ins Netz einzuspeisen oder einfach die Turbinen abzuschalten, könnte er künftig im gesamten Stadtgebiet Ladesäulen für Elektrofahrzeuge mit Energie versorgen", regt IPA-Experte Ivan Bogdanov an.
Kreislauf für Kunststoffe
Das Leitungsnetz, über das mehrere Industriebetriebe im Osten der Stadt Wasserstoff austauschen, könnte künftig auch eine Wasserstofftankstelle versorgen, die dann Brennstoffzellen-Fahrzeuge betanken könnte. Auch für Kunststoffe könnte es bald einen geschlossenen Kreislauf geben. So könnte ein Hersteller von Kunststoffgranulaten in Rheinfelden künftig den Kunststoffabfall benachbarter Unternehmen verwerten, anstatt wie bisher Primärrohstoffe von weit her zu beziehen. Und ein Medizintechnik-Unternehmen aus dem Stadtteil Herten könnte diese Granulate aus Rheinfelden verwenden, anstatt sie weiterhin anderswo zu beschaffen.
Die Abwärme aus der Chemieindustrie, mit der die Stadt bisher ihre Schulen beheizt, könnte in Zukunft auch die Temperatur in Dachgewächshäusern auf den Fabrikgebäuden nachts und im Winter konstant halten. Dort könnten dann auch die CO2-Emissionen, die am Standort anfallen, eingeleitet werden, um das Pflanzenwachstum anzuregen.
Anbau von Salat und Früchten
Die Stadt würde sich so wenigstens teilweise selbst mit Obst und Gemüse versorgen, was den Straßenverkehr – in Verbindung mit einer noch zu schaffenden Plattform für Mitfahrgelegenheiten – ebenso verringern würde. Die Plattform soll auf die gestaffelten Ablösezeiten abgestimmt sein, die in Rheinfelden bereits heute unternehmensübergreifend geregelt sind.
Ebenso wie die Berufspendler könnten auch die Stadt und ansässige Unternehmen vorhandene Ressourcen gemeinschaftlich nutzen. Eine gemeinsame Feuerwehr gibt es bereits und auch eine Kantine steht Mitarbeitern mehrerer Firmen offen. Außerdem regten die Fraunhofer-Forscher um Bogdanov an, die einzelnen Fuhrparks und Rechenzentren zusammenzulegen. Auch Energie- und Umweltmanager, Arbeits- und Brandschutzbeauftragte, Reinigungsdienste und Gärtner könnten sich die ansässigen Unternehmen künftig teilen.
Fördergelder für das Projekt
Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg hat die Konzepterstellung im Rahmen des Forschungsprojekts "Ultraeffizienzfabrik – symbiotisch-verlustfreie Produktion im urbanen Umfeld" mit rund 250.000 Euro gefördert. Umsetzen müssen die Stadt Rheinfelden (Baden) und die ansässigen Unternehmen das Konzept auf eigene Rechnung. (hp)
