Wasser

Umweltverbände kritisieren UBA-Studie heftig

Welche Auswirkungen hat der Kohleausstieg auf den Wasserhaushalt in der Lausitz? Das hat eine Studie des Bundesumweltamtes analysiert. Dabei geht es auch um die gravierenden Folgen für die Wasserversorgung Berlins.
19.07.2023

Der Bärwalder See ist aus dem Tagebau Bärwalde entstanden. Zwei der Blöcke des Braunkohlekraftwerks Boxberg im Hintergrund werden bis Ende 2029 und die restlichen Blöcke bis 2038 abgeschaltet.

Mehrere Umweltverbände in Brandenburg haben eine Studie des Umweltbundesamts (UBA) zum Wasserhaushalt in der Lausitz als «tendenziös» kritisiert. Das Konsortium der Studie habe mehrheitlich aus Gutachtern bestanden, die unter anderem für den Tagebaubetreiber Leag arbeiten und sei interessengesteuert, hieß es von BUND, Grüner Liga und Nabu am Dienstag.

Sie forderten eine erneute Analyse durch unabhängige Fachleute. Mit entsprechenden Ausschreibungsbedingungen für die Studie wären Interessenkonflikte vermeidbar gewesen, so die Umweltschützer. Auf dieses Problem habe man bereits zu Beginn der Untersuchung im Jahr 2020 hingewiesen.

Engpässe im Großraum Berlin

Laut der UBA-Studie drohen der Trinkwasserversorgung im Großraum Berlin und entlang der Spree große Engpässe. Der Fluss könnte in trockenen Sommermonaten örtlich bis zu 75 Prozent weniger Wasser führen, wenn mit Ende der Braunkohleförderung viel weniger Grundwasser in den Fluss gepumpt wird.

Die Studie schlägt als Lösung unter anderem vor, Talsperren und Wasserspeicher zu ertüchtigen und bestehende Seen als Wasserspeicher auszubauen. Auch sollten die betroffenen Länder gemeinsam ausloten, wie sich Wasser aus anderen Regionen durch neue Rohrsysteme möglichst naturverträglich in die Spree pumpen lässt, etwa aus der Elbe.

Klimawandel nicht berücksichtigt

Hintergrund des Problems ist, dass wegen des Bergbaus in der Lausitz der Wasserabfluss in der Spree über gut ein Jahrhundert künstlich verstärkt wurde: Für die Kohleförderung wurde Grundwasser abgepumpt und dort eingeleitet. Gut die Hälfte des Wassers, das der Fluss heute bei Cottbus führt, stammt aus abgepumptem Grundwasser. In heißen Sommern steigt der Anteil auf 75 Prozent.

Das Argument, im Winterhalbjahr Wasser aus der Elbe überzuleiten, in Tagebauseen zu speichern und im Sommer damit die Spree zu stützen, sei durchaus schlüssig, sagte René Schuster von der Grünen Liga. Allerdings sei in der Studie der Klimawandel nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Interessenkonflikte mit Leag

Für ihn ergibt sich auch hier ein Interessenkonflikt. Die vom Gutachten empfohlene Überleitung von Wasser aus der Elbe würde seiner Ansicht nach vor allem die Flutung der geplanten Tagebauseen und andere Projekte der Leag sichern.

Bei einer erneuten Studie müssten den unabhängigen Gutachtern klare Daten zur Verfügung stehen, forderte er. Laut Schuster wurden Berechnungen nachweislich auf Leag-Angaben gestützt. Ein Grundproblem dabei sei, dass Grundwassermodelle immer noch bei Unternehmen lägen und nicht bei den Bergbehörden, stellte der Fachmann dar.

Leag als Verursacher ausgeblendet

Ein weiterer Kritikpunkt der Umweltschützer: Die Beiträge des Bergbautreibenden zur Problemlösung wurden in der Studie ausgeblendet. Es sei gar nicht erst untersucht worden, welche Maßnahmen der Tagebaubetreiber leisten müsste, um den Tagebau-Folgeschaden für den Wasserhaushalt und damit für die Allgemeinheit zu begrenzen, sagte Nabu-Landeschef Björn Ellner. (dpa/hp)