In der vergangenen Woche kam es in Stuttgart zu einem Arbeitsgespräch auf ministerieller Ebene zur Nitrat-Problematik in Baden-Württemberg. Umweltminister Franz Untersteller (Die Grünen), Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) und der Vorsitzende des Zweckverbands Landeswasserversorgung, der Oberbürgermeister von Esslingen am Neckar, Jürgen Zieger, tauschten am Donnerstag, 13. September, die Argumente aus. Am 14. September versandte das Umweltministerium eine Pressemitteilung. „Diese wurde aber nicht mit der Landeswasserversorgung abgestimmt“, betonte ein Sprecher der Landeswasserversorgung gegenüber der ZfK.
Es gab Konsenspunkte und es gab Dissenspunkte bei dem Gespräch, hieß es seitens der Landeswasserversorgung, die rund drei Millionen Menschen mit Wasser in der Landeshauptstadtregion versorgt.
"Es ist mit keinem Anstieg der Nitratwerte zu rechnen"
Die Ministerien gaben zu, dass das im Donauried gewonnene Rohwasser Nitratgehalte zwischen 23 und 38 Milligramm pro Liter (mg/l) aufweise. Der mittlere Gehalt liege bei rund 32 mg/l. „Das Rohwasser unterschreitet den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l damit deutlich und sicher. Es kann ohne jede weitere Aufbereitung direkt als Trinkwasser abgegeben werden. Weder kurz- noch mittelfristig ist mit einem Anstieg der mittleren Nitratgehalte auf 50 mg/l zu rechnen", lautete die offizielle Botschaft der Ministerien.
Doch mit diesen Zahlen zeigt sich die Landeswasserversorgung nicht ganz einverstanden. "Mit diesen Zahlen stimmen wir nicht überein, da die Zeitreihen zu kurz gegriffen sind", hieß es seitens des Wasserversorgers. Zudem werde ein Fakt bislang nicht gewertet: Der Stickstoff-Eintrag seitens der Landwirtschaft.
LUBW weist N-Überschüsse von 76 kg/ha aus
Laut Zahlen der Landesanstalt für Umwelt von Baden-Württemberg (LUBW) liegen die Stickstoff-Überschüsse (N-Überschüsse) in den Wasserschutzgebieten Donauried-Hürbe und Egau bei etwa 76 Kilogramm pro Hektar (kg/ha). Wobei diese Wasserschutzgebiete nicht „irgendwelche“ Wasserschutzgebiete seien; es sind mit 500 und 300 Quadratkilometer Ausdehnung die größten zusammengehörigen Wasserschutzgebiete Deutschlands.
Laut geltender Düngeverordnung seien aber für Landwirte nur N-Überschüsse von 60 Kilogramm pro Hektar und bald, durch die neue Düngeverordnung, 50 Kilogramm pro Hektar, erlaubt. Die Landeswasserversorgung bittet nun das Land „seit geraumer Zeit“, eine Datenverdichtung über die Stickstoffeinträge vorzunehmen. So könnten die Landratsämter Düngedaten von den Landwirten einziehen, um die Datenlage zu verbessern. Doch das Land arbeite derzeit nicht in diese Richtung. „Dies erweckt bei uns den Eindruck, dass seitens des Landes nicht der notwendige Ehrgeiz da ist, den Sachverhalt zu verbessern“, so die Landeswasserversorgung. Schließlich müssten die Landwirte dann ihr Düngeverhalten reduzieren, eben gemäß der Düngeverordnung.
"Besser miteinander als übereinander reden"
„Es ist immer besser, miteinander als übereinander zu reden“, sagten die Minister Untersteller und Hauk anlässlich des Gesprächs auf Arbeitsebene laut Pressemitteilung. Schließlich verfolgten die Landesregierung und die Landeswasserversorgung doch das gleiche Ziel: „Einwandfreies Trinkwasser für die rund drei Millionen Bürgerinnen und Bürger, die von der Landeswasserversorgung beliefert werden.“
Damit das im ganzen Land so bleibt, gebe es die baden-württembergische Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO), die schon weit im Vorfeld möglicher Grenzwertüberschreitungen greift, führten die Minister weiter aus: Bereits bei Nitratgehalten von über 25 mg/l und gleichzeitig steigendem Trend wird die landwirtschaftlichen Nutzung betroffener Gebiete durch ein ganzes Bündel an Maßnahmen eingeschränkt. Baden-Württemberg sei das einzige Bundesland mit einer solchen Verordnung.
"Wir sind noch lange nicht am Ziel"
Die Minister Untersteller und Hauk nehmen jedoch die Bedenken des Zweckverbandes Landeswasserversorgung ernst: „Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber unsere Schutzmaßnahmen greifen, daher werden wir sie auch künftig fortführen.“ (sig/al)



