Die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft (FWA) will zur Absicherung der Trinkwasserversorgung von Frankfurt (Oder) das Wasserwerk Müllrose reaktivieren. Umweltministers Axel Vogel (Bündnis90/Die Grünen) lehnte eine Bezuschussung des Vorhabens in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Thomas Domres und Bettina Fortunato (Die Linke) ab. Das lässt die Verantwortlichen der FWA „fassungslos“ zurück, wie es in einer Pressemitteilung heißt.
Der Hintergrund: 65 bis 85 Prozent des Trinkwassers im Raum Frankfurt/Oder kommen aus der Spree, in Infiltrationsbecken wird es mit Grundwasser angereichert, wie in einem Beitrag der „Märkischen Oderzeitung“ (MOZ) ausgeführt wird. Zu den Inhaltsstoffen, die der Fluss mit sich führt, gehört Sulfat, das aus aktiven Tagebauen oder Bergbau-Sanierungsprojeken in die Spree gelangt. Eine geringe Konzentration ist unbedenklich, der Grenzwert liegt in der deutschen Trinkwasserverordnung bei 250 Milligramm je Liter. Durch die Verdünnung mit Grundwasser kann die FWA den Wert einhalten.
Reaktivierung von Müllrose
Um unabhängiger vom Spreewasser zu werden, will die FWA das Wasserwerk Müllrose ausbauen. Der Bauantrag ist laut MOZ bereits eingereicht. Doch die Finanzierung ist unklar. Im Raum steht eine Beteiligung der Verursacher der Verunreinigungen, der Bergbauunternehmen. Das brandenburgische Umweltministerium lehnt derzeit eine Förderung für die Maßnahme ab. Die Vorgängerregierung hatte das allerdings zugesagt. Die FWA will die Reaktivierung jetzt auf eigene Kosten vornehmen. Allerdings droht der Wasserpreis dann um 19 Cent pro Kubikmeter zu steigen.
Kern des Streits ist die derzeitige und die zukünftige Sulfatbelastung des Trinkwassers. Umweltminister Vogel räumt zwar ein, dass bei einem erheblichen Mehrbedarf an Trinkwasser und in Trockenphasen eine Überschreitung des Grenzwertes nicht ausgeschlossen werden kann. "Im Kontext mit dem Klimawandel", sei jedoch, so zitiert die WOZ Vogel, "von einem derartigen Szenario gegenwärtig nicht auszugehen". Auch treten Veränderungen "nicht plötzlich auf, sodass ausreichend Reaktionszeit verbleibt. Ein aktueller Handlungsbedarf ergibt sich daraus nicht", stellt der Umweltminister fest.
38 Mal Richtwertüberscheitung
Die FWA sieht aber durchaus eine Gefährdung des Trinkwassers im Wasserwerk Briesen. In den Jahren 2018 bis 2020 sei die Sulfatkonzentration der Spree infolge lang anhaltender Trockenheit sprunghaft gestiegen. Dahingehend hat sich auch das Ministerium selbst geäußert. In einer Presseerklärung des Ministeriums vom September 2020 heißt es: „Heute wurde vom Landesamt für Umwelt bestätigt, dass am 12. September 2020 mit 284 Milligramm pro Liter zum 38. Mal eine höhere Sulfatkonzentration als der Richtwert von 280 Milligramm pro Liter am Pegel Neubrück erfasst wurde."
Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (LBGR) wurde sofort informiert und hat zu prüfen, ob und welche Maßnahmen zur Vermeidung einer Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung im Raum Frankfurt (Oder) zu veranlassen sind, so das Ministeirum weiter. „Der Trinkwassergrenzwert von 250 Milligramm pro Liter im Reinwasser des Wasserwerks Briesen wird bisher eingehalten.“
Prognosen für den Klimawandel
In diesem Jahr stiegen die Sulfatwerte in der Spree trotz ergiebiger Niederschläge über die Vorjahreswerte, informiert die FWA. Einher gehen damit Werte im Trinkwasser, die in den letzten zwölf Monaten nicht mehr unter 200 Milligramm pro Liter fielen. Minister Vogel sei der erste Umweltminister, der klar ausspreche, dass er keinen Handlungsbedarf hinsichtlich der zunehmenden Sulfatbelastung der Spree sieht, solange nicht mehrfach und nachhaltig der Grenzwert für Sulfat in Höhe von 250 Milligramm pro Liter gerissen wurde, heißt es in der Presseerklärung des Wasserversorgers.
Bei verminderter Grundwasserneubildung in Jahren lang anhaltender Trockenheit gebe es in Zukunft sehr wohl ein signifikantes Risiko der Grenzwertüberschreitung, stellt die FWA fest. Das sieht auch Die Linke so, die darauf verweist, dass der Wasserbedarf nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch angesichts der Tesla-Ansiedlung in der Region steigen dürfte.
Viel Geld für viele Studien
„Die FWA kämpft gemeinsam mit der Stadt Frankfurt (Oder) seit 2009 für eine Lösung. Konzeptionen wurden erstellt, wissenschaftliche Symposien veranstaltet, Studien und Analysen durch die Landesregierung beauftragt und viel Geld ausgegeben. Gebracht hat es am Ende alles nichts“, heißt es in der Stellungnahme der FWA. So bliebe der Wasserversorger frustriert in dem Wissen zurück, „dass in der aktuellen Landesregierung die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit ausreichendem und sauberem Trinkwasser eine deutlich untergeordnete Rolle spielt“. (hp)

