"Viel Schlaf und Nerven hat es die Verbandsmitarbeiter und die verschiedenen beteiligten Fachfirmen und freiwilligen Helfer gekostet, bis die Wasserversorgung in Kreuztal wiederhergestellt war", so Dirk Müller, Geschäftsführer des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein (WVS). Nachdem die Hauptleitung DN 500 in der Kommune an insgesamt vier Stellen in relativ kurzer Zeitfolge von Lochfraß betroffen war und sich die Lecks aufgrund der starken äußeren Materialangriffe nicht über herkömmliche Dichtmanschetten hatten schließen lassen, musste der betroffene Leitungsabschnitt in der Talniederung aufgegeben und eine Notversorgung über insgesamt fünf Bypässe verlegt werden.
Nachdem die Wasserversorgung für die Bevölkerung nach sieben Tag wiederhergestellt war, forcierte der Netzbetreiber die Planung und den Austausch des maroden Leitungsabschnitts. Insgesamt 400 Meter mussten ersetzt werden. Es wurden offene und geschlossene Bauweisen technisch und wirtschaftlich, aber auch unter zeitlichen Gesichtspunkten untersucht. Hieraus resultierte die Entscheidung, den betroffenen Leitungsabschnitt durch eine circa 800 m lange Umgehungsstrecke in offener Bauweise zu kompensieren.
Teamgeist war wichtige Ressource
Nach rekordverdächtigen sechs Wochen waren die Arbeiten abgeschlossen. Für den WVS waren die Tage im Oktober und November ein Stresstest, "aber letztlich haben wir unsere ‘Krisentauglichkeit’ bewiesen, was uns stärker gemacht hat", so Müller und ergänzt: "Es hat gutgetan, den Zusammenhalt der ganzen Mannschaft zu spüren".
Während sich der Teamgeist schon mitten im Großeinsatz zeigte, hat Müller wenige Monate später auch alle technischen und organisatorischen Erkenntnisse aus dem Großeinsatz zusammengefasst. Ein paar wertvolle Tipps für die Branche, denn Leckagen können prinzipiell jede Leitung treffen.
Social Media als Informationskanal nicht unterschätzen
Mit am wichtigsten für den WVS war neben der Wiederherstellung der Versorgung die Öffentlichkeitsarbeit. Bürger und Medien wollten wissen, wie der aktuelle Stand der Dinge ist, wie sie sich alternativ versorgen können und wie es weitergeht. Das Problem: Der Verband hat keinen eigenen Pressesprecher, brauchte aber dringend einen Profi, der die Zusammenarbeit mit den Medien und Bürgeranfragen via Social Media koordiniert.
Der WVS erhielt Unterstützung durch den Pressereferenten des Kreises Siegen-Wittgenstein. "Das A und O in einer solchen Situation ist Transparenz in der externen Kommunikation", betont Müller. "Auch die sozialen Netzwerke könne man als Informations- und Kommunikationsmedien nicht außen vorlassen. Auf Anfragen muss zeitnah und konkret geantwortet werden, nur so wird man seiner Aufgabe als Ansprechpartner gerecht und vermeidet Unmut".
Für mehr Unabhängigkeit eigene Vorräte aufstocken
Für die Kommunikation hat sich der WVS externe Kompetenz geholt, mit der Technik kennt sich das Team selbst am besten aus. Um künftig noch schneller und unabhängiger von Vertragspartnern reagieren zu können, soll die Lagerhaltung beim Netzbetreiber künftig verstärkt werden. "Wir hatten zwar Rohrbruchdichtschellen vorrätig, allerdings waren diese erstmalig aufgrund von Rohrtoleranzen nicht montierbar", erklärt Müller.
Das Lager soll nicht nur verstärkt, sondern auch um verschiedene Formstücke, Armaturen und Verbauelemente erweitert werden. Darüber hinaus ist die Anschaffung von eigenen Druckschläuchen, wie sie für die Bypässe vom Nachbarverband beziehungsweise in diesem Einzelfall aus Katastrophenbeständen des Landes NRW ausgeliehen wurden, geplant.
Redundanzen teilweise verstärken
Eine weitere Möglichkeit im Leckagen-Fall gut vorbereitet zu sein, ist die Optimierung von Redundanzen. Was bei einem 326 Kilometer langen Versorgungsnetz nicht ganz einfach ist. "Das gesamte Leitungssystem redundant auszubauen ist wirtschaftlich nicht vertretbar, und auch betrieblich nicht erforderlich", erklärt Müller und betont: "Aber an verschiedenen Stellen werden zusätzliche weitere Leitungen verlegt. Außerdem werden Leitungstrassen ähnlicher Art nun verstärkt auf mögliche Korrosionen in den Blick genommen".
Für Prophylaxe, aber auch im Ernstfall, braucht es zudem Personal mit dem entsprechendem Know-how. Auch das ist eine Herausforderung in Zeiten des Fachkräftemangels. Vor allem in der Rohrnetzabteilung sollen weitere Personalressourcen geschaffen werden. Investitionen in Aus- und Weiterbildung seien daher grundlegend für eine einwandfreie Daseinsvorsorge, so Müller.
Mit den Kräften haushalten
In einer Ausnahmesituation wie in Kreuztal sei ein striktes Personalmanagement unverzichtbar. Dazu gehöre auch, dem Team Pausen zu verordnen, um Kräfte zu sammeln. "Jeder will in so einer Situation bis zum Schluss Einsatz zeigen; ziehen sich die Notfall-Maßnahmen allerdings über mehrere Tage, muss man mit den Ressourcen haushalten", verdeutlicht Müller. (ls)
