Das Grundwasser in Deutschland ist weiterhin an vielen Stellen zu stark mit Nitrat belastet. Das zeigt der Nitratbericht der Bundesregierung, der sich auf den Zeitraum 2016 bis 2018 bezieht. Demnach lag in mehr als jeder vierten Grundwasser-Messstelle (26,7 Prozent) in landwirtschaftlichen Gebieten der Wert über der von der EU vorgegebenen Grenze von 50 Milligramm pro Liter. Im vorigen Bericht zum Zeitraum 2012 bis 2015 waren es noch 28,2 Prozent der Messstellen. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", der Bericht zeige, dass es richtig gewesen sei, die Dünge-Vorgaben für Landwirte zu verschärfen.
Besorgt zeigt sich der VKU, dessen Mitglieder 90 Prozent aller Einwohner in Deutschland mit Trinkwasser versorgen. "Der Bericht zeigt, dass das Grundwasser in Deutschland an vielen Stellen weiterhin zu stark mit Nitrat belastet ist. Wir sind in Deutschland bei diesem Thema noch lange nicht dort, wo wir mit Blick auf den Schutz der Trinkwasserressourcen hin müssen."
VKU fordert weitere Anstrengungen
Der Verband fordert weitere Anstrengungen durch zielgerichtete Maßnahmen in den nitratbelasteten Gebieten. "Genau aus diesem Grund ist es wichtig, dass die im Mai 2020 novellierte Düngeverordnung nun konsequent umgesetzt wird und die Bundesländer bis Ende des Jahres ihre nitratbelasteten Gebiete entsprechend ausweisen. Bei dieser Gebietsausweisung muss das Augenmerk auf den Schutz der Trinkwasserressourcen gerichtet werden. Wesentlicher Maßstab muss dafür die standortbezogene Gefährdung durch Nitratausträge in Trinkwassereinzugsgebieten sein: Ansonsten sind die heute grünen, nicht nitratbelasteten Messstellen, morgen zusätzliche rote, nitratbelastete Messstellen", so der Verband weiter.
Auch Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des BDEW sieht Handlungsbedarf. Es brauche endlich ein effektives und strenges Düngerecht. Der Vorschlag, den das Bundeslandwirtschaftsministerium gemacht habe, sei nicht geeignet.
Alle vier Jahre müssen die EU-Staaten Daten zur Nitratbelastung ihres Grund- und Oberflächenwassers liefern. Auf Druck der EU und nach langem Streit zwischen Umwelt- und Agrarministerium hatte Deutschland das Düngerecht im Frühjahr verschärft. Andernfalls hätten Strafzahlungen an Brüssel von bis zu 850 000 Euro am Tag gedroht. Unter anderem aus Dünger wie etwa Gülle gelangt Nitrat in den Boden, das gut fürs Pflanzenwachstum ist. Zu viel davon kann die Natur aus dem Gleichgewicht bringen. Zudem können aus Nitrat gesundheitsgefährdende Nitrite entstehen.
Leichte Abnahme der Nitratgehalte
Im Vergleich zum vorherigen Bericht stellten die Experten eine "leichte Abnahme" der Nitratgehalte im landwirtschaftlich beeinflussten Grundwasser fest, Verbesserungen gab es demnach vor allem an den hoch belasteten Messstellen. Im gesamten deutschen Messnetz, zu dem auch Wald- und Siedlungsgebiete gehören, wird der EU-Grenzwert nur an 17,3 Prozent der Messstellen überschritten.
Fachmedien hatten schon vergangene Woche über die Zahlen berichtet. Der Deutsche Bauernverband hatte die Ergebnisse als tendenziell positiv bewertet, weil die Werte gesunken waren. (dpa/amo)


