Die Stadtwerke Bad Kreuznach haben ein neues Systempreismodell entwickelt, das dem Unternehmen eine höhere Planungssicherheit gibt und bei den Kunden zu einer stärkeren Verursachergerechtigkeit führt. Das geht aus einer Beschlussvorlage hervor, die dem Stadtrat von Bad Kreuznach auf seiner Sitzung am Donnerstag zur Abstimmung vorgelegt wird.
Die Ausgangslage: Die Stadtwerke Bad Kreuznach verfügen über 34 Brunnen, zwei Wasserwerke, 23 Behälteranlagen und 493 Kilometer Leitungsnetze, die laufend instand gehalten und modernisiert werden müssen. Die daraus resultierenden Kosten sind mit 75 Prozent zu einem großen Teil fix, 25 Prozent der Kosten bewegen sich mit den Absatzmengen. Bei den Preisen ist es genau umgekehrt: Sie sind zu 84 Prozent variabel und hängen von den Bezugsmengen ab. Die fixe Grundgebühr macht 16 Prozent aus. Das bedeutet, dass die Einnahmen der Stadtwerke im sehr hohen Maße vom Wasserverbrauch abhängen, heißt es in der Beschlussvorlage.
Mehrere Vorbilder
Um auf diese Situation zu reagieren, wollen die Stadtwerke ein neues Preissystem einführen. Es sieht eine Anhebung der festen Entgelte auf 50 Prozent der Gesamtumsatzerlöse vor. Das bedeutet, dass einige Kunden mehr und andere weniger bezahlen müssen. Ziel sei es, dass die Schwankungsbreite bei den Durchschnittsverbrauchern nicht mehr als +/- 5 Prozent beträgt. Ähnliche Umstellungen hätten bereits zahlreiche kleine und große Wasserversorger und Stadtwerke in Deutschland aus denselben Gründen vorgenommen. Dazu gehören die RWW Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft, die Kölner RheinEnergie und die Stadtwerke Düren.
Das reformierte Preismodell mit einem 50-prozentigen Systemanteil und einem 50-prozentigen Verrechnungspreis, der auf dem Verbrauch basiert, soll so gestaltet sein, dass die Stadtwerke Bad Kreuznach damit keine Mehrerlöse erzielen. Dafür wird laut Beschlussvorlage der Mengenpreis so weit abgesenkt, dass es zu einem Ausgleich kommt, ohne dass sich diese Absenkung nachteilig auf das Wassersparverhalten auswirkt.
Verbrauchsspitze im Hitzesommer
Zwar kam es in den Hitzesommern 2018 und 2019 zu temporären Tageswasserspitzen, die um 80 Prozent über dem Januar-Wert lagen und für die auch entsprechende Ressourcen vorgehalten werden müssen. Doch grundsätzlich setzt sich das Wassersparverhalten in Privathaushalten und Betrieben fort und führt zu tendenziell sinkenden Einnahmen bei den Stadtwerken. Dazu trägt der immer geringere Verbrauch von modernen Wasch- und Spülautomaten, Toilettenspülungen und Armuaturen bei. Auch die Industrie setzt auf neue wassersparende Produktionsmethoden. Beispielsweise hat das in Bad Kreuznach ansässige Produktionswerk des Reifenherstellers Michelin den Wassereinsatz je Reifen im Zeitraum 2005 bis 2019 um mehr als 50 Prozent reduziert.
Auf der anderen Seite ist der Investitionsbedarf der Stadtwerke in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Waren es in dem Vierjahreszeitraum 2004 bis 2007 noch durchschnittlich 0,9 Mio. Euro, so betrugen die Investitionen im Zeitraum 2016 bis 2019 mit 2,9 Mio. Euro mehr als das Dreifache. Die Mittel werden für die Modernisierung der Gewinnungsanlagen zur Stabilisierung der Ressourcenvorräte sowie für die Überholung der Netze zur Reduzierung von Wasserverlusten benötigit. Auch müssen wegen der zunehmenden Beeinträchtigungen der Gewässerqualität die Aufbereitungsmethoden verbessert werden. (hp)


