Gute Qualität des Trinkwassers und Preisgerechtigkeit für alle Haushalte – das waren 2019 die Themen des Wahlkampfs von Dominic Herbst bei seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Neustadt am Rübenberge. Nach seinem Wahlsieg nimmt Herbst das Thema Trinkwasser jetzt auf. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus Garbsen, Christian Grahl, hat er sich zur Situation des Wasserverbandes Garbsen-Neustadt (WVGN) geäußert. Tenor: Die derzeitige Lage sei nicht hinnehmbar. Und: Die Wasserversorgung wird in den Rathäusern in Neustadt und Garbsen Chefsache.
Der WVGN steht laut einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Bürgermeister bereits seit Monaten in der Kritik. Vor allem in Neustadt, wo die höchste Nitratmenge innerhalb des Verbandsgebiets aus der Leitung kommen soll, rege sich Unmut. Mehrere private und politische Initiativen fordern, die Nitratwerte zu senken – bislang ohne Ergebnis. Dazu kam ein Versorgungsengpass im Sommer 2019. Auch kommunalpolitisch steigt der Druck – der WVGN hat laut der Mitteilung die höchsten Wasserpreise unter der 25 größten Städten Niedersachsen.
Zuschüsse notwendig?
Seit Monaten suchen die Verwaltungschefs der beiden Städte nach eigenen Angaben deshalb das Gespräch mit der Führung des WVGN und verlangen Lösungsvorschläge – bislang ohne zufriedenstellende Ergebnisse. Ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Situation des Verbandes ist wenig optimistisch. „Wasser wird klimabedingt immer knapper und wertvoller. Nur ein gesunder Dienstleister wird in der Lage sein, uns qualitätsvolles Wasser zu angemessenen Preisen zu liefern“, so die beiden Bürgermeister übereinstimmend. „Hält die Entwicklung an, fürchten wir, den WVGN mit einer Kapitaleinlage stärken zu müssen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, erklären Herbst und Grahl. Garbsen und Neustadt a. Rbge. nehmen als größte Mitgliedskommunen rund 75 Prozent der gesamten Wasserlieferung ab, rund 4,2 Mio. Kubikmeter Wasser.
Als möglichen Lösungsansatz schlagen die beiden Bürgermeister Kooperationen des WVGN mit öffentlichen Versorgern wie Leinenetz oder den Stadtwerken Neustadt und Garbsen als „vielversprechende Optionen“ vor. „Die Stadtnetze und Stadtwerke Neustadt haben einen niedrigeren Wasserpreis und das qualitativ bessere Wasser. Sie verfügen über ein modernes Netz und eine hohe Eigenkapitalquote, um Zukunftsinvestitionen zu realisieren“, zählt Herbst auf.
WVGN ist erstaunt
In einer Stellungnahme, die "Grabsen City News" publiziert hat, zeigen sich WVGN-Verbandsvorsteher Wilfried Aick und -Geschäftsführer Stephan Schumüller überrascht und bedauern die Ausführungen der Bürgermeister. „Die positive Entwicklung des Verbandes, das Vorangehen in der Erhaltung seiner Verbandsanlagen und die Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Rahmendaten seien durchweg positiv zu beurteilen“, entgegnen die WVGN-Verantwortlichen.
Insbesondere die Aussagen zur wirtschaftlichen Situation erstaunen die Verbandsvertreter. Nach durchaus schwierigen Jahren könne das „Eigenkapital inzwischen als befriedigend bezeichnet werden“, heißt es weiter. Die Verschuldung sei zwar gestiegen, aber „hinsichtlich der Höhe in keinem Fall problematisch“.
Wasserpreis als zentrales Element
Der Verband gibt an, zur langfristigen Planung ein betriebswirtschaftliches Modell zu haben, das die Eckpunkte der Verschuldung und den Wasserpreis als zentrale Elemente berücksichtigt. Um die langfristige Strategie einer ausreichenden Anlagenerhaltung umzusetzen, sei die rechtzeitige Erneuerung und ein entsprechender Wasserpreis erforderlich. Die Vertreter des WVGN hätten mehrfach betont, dass eine Verbandsumlage nicht notwendig sei. Die Finanzierung der Wasserversorgung sei über den Wasserpreis vorzunehmen. (hp)
