Die Sösetalsperre im Harz ist zu Anfang September 2018 nur noch zu 36 Prozent gefüllt. Die Harzwasserwerke reduzieren deshalb den Abfluss aus dieser Talsperre und belasten andere Reservoirs mehr.

Die Sösetalsperre im Harz ist zu Anfang September 2018 nur noch zu 36 Prozent gefüllt. Die Harzwasserwerke reduzieren deshalb den Abfluss aus dieser Talsperre und belasten andere Reservoirs mehr.

Bild: © Harzwasserwerke

Dank der Niederschläge der vergangenen Tage nehmen die Trinkwasservorräte in Niedersachsen allmählich wieder zu. Alleine von Montag auf Dienstag liefen mehr als 3 Mio. Kubikmeter (cbm) Wasser in die Westharzer Talsperren. Die Stauseen, die zusammen ein Fassungsvermögen von rund 180 Mio. cbm haben, waren am Morgen im Schnitt zu 51 Prozent gefüllt. Mitte Dezember waren es nur etwa 30 Prozent gewesen. Es sei allerdings noch zu früh, um Entwarnung zu geben, sagte eine Sprecherin. Normalerweise seien die Talsperren um diese Jahreszeit zu etwa 70 Prozent gefüllt. 

Wegen der lang anhaltenden Trockenheit im vergangenen Jahr hatten die Harzwasserwerke zuletzt erstmals seit Jahrzehnten auch die historischen Teiche der als Unesco-Welterbe anerkannten Oberharzer Wasserwirtschaft zur Trinkwassergewinnung genutzt. Im Oberharz hatte es 2018 so wenig geregnet wie selten zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1857. Als einer der größten Versorger Deutschlands beliefern die Harzwasserwerke rund zwei Millionen Menschen in Niedersachsen und Bremen mit Trinkwasser. 

Entspannung auch im Ruhrgebiet

Leichte Entwarnung auch im Westen Deutschlands: Der Ruhrverband registrierte einen überdurchschnittlich nassen Dezember. Die Niederschlagsmenge lag in diesem Monat mit 163 Litern pro Quadratmeter um 57 Prozent über dem üblichen Wert und brachte damit dem Talsperrensystem des Ruhrverbands den Beginn der lange erwarteten Aufstauphase.

Die Auswirkungen der langen Trockenheit sind allerdings nach wie vor zu spüren: Am 10. Januar beträgt der Füllstand der Talsperren 61,5 Prozent vom Vollstau und damit immerhin rund drei Viertel dessen, was für diese Jahreszeit üblich wäre. Zum Vergleich: Anfang Dezember 2018 hatte der Gesamtfüllstand der Talsperren noch bei gerade einmal knapp 43 Prozent vom Vollstau und damit bei weniger als 60 Prozent des für die Jahreszeit üblichen Wertes gelegen.

Spree bekommt wieder Wassernachschub

Entspannung vermelden die Behörden auch in Berlin: Monatelang gab es so wenig Wassernachschub, dass die Spree teils rückwärts dümpelte oder stand: "Die Spree fließt jetzt definitiv wieder vorwärts", sagte Experte Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Umwelt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Insbesondere in den vergangenen zwei Wochen habe es aber ausreichend Niederschläge gegeben. Diese trugen demnach auch zum Absinken der Sulfatkonzentration im Wasser bei. Die Werte lagen laut Ehlert höher, nachdem Ende 2018 sulfatreiches Wasser aus der Braunkohleregion eingespeist worden war. Es war angesichts der Trockenheit einige Zeit in der Lausitz zurückgehalten worden, weil Fachleute eine unzureichende Verdünnung im verbliebenen Flusswasser befürchteten.

Sulfate sind Schwefelsalze, die aus aktiven und aus gefluteten ehemaligen Tagebauen stammen. Die Belastung der Spree aus diesem Grund ist lange bekannt und auch immer wieder als Gefahr für die Berliner Trinkwasserversorgung diskutiert worden – denn diese wird teilweise aus der Spree bestritten. Bisher spricht nichts gegen den Konsum des Trinkwassers. Allerdings lagen die in der Spree gemessenen Konzentrationen mit steigender Tendenz über den angestrebten Werten.

Die Reserven aus Talsperren eingespeist

Wichtig sei nun, so Ehlert, dass sich die Wasserspeicher in den Nachbarbundesländern wieder füllen könnten. Sachsen und Brandenburg hatten in den vergangenen Monaten ihre Reserven etwa aus Talsperren eingespeist. Andernfalls hätte es zur Einstellung der Spree-Schifffahrt kommen können.

Seit dem Sommer fehlte der Spree nicht nur ein Großteil der üblichen Niederschläge, die Wärme ließ auch große Wassermengen verdunsten. Nach wie vor treffen sich Experten aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und des Bundes im Zwei-Wochen-Takt, um über die Situation zu beraten. (dpa/al)

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