Das Grundwasser im Landkreis Oberspree-Lausitz ist mit Ammonium, Nitrat und Nitrit verseucht. Die erhöhte Konzentration der Schadstoffe ist auf den Eintrag von Gülle zurückzuführen. Wann und wie genau die Schadstoffe ins Wasser gelangt sind, könne laut der zuständigen Unteren Wasserbehörde nicht mehr ermittelt werden.
Auffällig ist allerdings, dass Brandenburgs größte Schweinemastanlage in Tornitz in der unmittelbaren Nachbarschaft liegt und schon öfter wegen Tierschutzverstößen und Wasserverschmutzungen in den Fokus der Behörden geriet. Die Grünen werfen der Unteren Wasserbehörde und dem Landesumweltministerium nun Nachsichtigkeit im Umgang mit dem möglichen Emittenten vor.
Nitratwerte um das Fünffache überschritten
Obwohl der Anlagenbetreiber, die Bolart GmbH, bereits seit 1997 rechtlich dazu verpflichtet ist, lückenlos die Messergebnisse für das Grundwasser vorzuweisen, liegt eine Dokumentation in Tornitz erst seit 2014 vor. Zudem würde der Grenzwert für Nitrat dauerhaft um das vier- bis fünffache überschritten. Der Ammoniumgehalt würde sogar immer wieder um das zwölf bis 35-fache übertroffen.
Benjamin Raschke, umweltpolitischer Sprecher der Grünenfraktion im Landtag, sieht die Behörden zunehmend auf „einem Kuschelkurs mit der Industrie“. Er fordert unter anderem eine rasche und gründliche Aufklärung der Ursachen der Wasserverseuchung. Ein hydrologisches Gutachten soll den Anfang machen. Nur so könne der Verursacher rechtlich zur Verantwortung gezogen werden.
Betrieb wählt Sachverständigen selbst aus
Raschkes Vorwürfe beziehen sich konkret auf eine schriftliche Stellungnahme des Ministeriums an den Umweltausschuss der Landesregierung. Demnach sei der Anlagebetreiber lediglich dazu verpflichtet, selbst einen Sachverständigen zu bestellen, der die Dichtheit des Betriebs und im Bedarfsfall erforderliche Maßnahmen feststellen soll. Im Ergebnis soll ein Konzept erarbeitet werden, in dem Art, Weise und Zeitpunkt der Dichtheitsprüfung festgeschrieben werden und wie die Überwachungsmaßnahmen durchgeführt werden können. Ziel ist es, durch technische und organisatorische Maßnahmen den ordnungsgemäßen Betrieb und die Überwachung der Dichtheit der Anlage abzusichern.
Bradenburgs Wasser muss jedoch nicht nur Gülleeintragungen verkraften, auch die Werte für Sulfat sind im Kreis Oberspreewald-Lausitz deutlich zu hoch. Aus Sicht der Wasserbehörde sei dies jedoch nicht dem Mastbetrieb zuzuordnen. Hierfür sei die Entwässerung des ehemaligen Kohleabbaugebiets Grabendorf verantwortlich. Der Anstieg des Grundwasserpegels nach der Stilllegung sorgt für die Abtragung von freigesetztem Sulfat, das auf diese Weise in den Wasserkreislauf gerät. (ls)


